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Leben und Gesellschaft - Beziehung, Dating, Liebe Perfekte erste Dates und wie sie zu finden sind

Irgendwo zwischen Netflix, Tinder und der Suche nach der wahren Liebe finden sie statt: Erste Dates. Man kann noch so viele haben, viele Menschen kostet allein der Weg zum Treffen jedes Mal aufs Neue Überwindung. In einer Generation, in der wir so vieles wissen und hinterfragen, sind wir bei den Themen Dating und Liebe oft ratlos.

Für viele ist die Idee vom perfekten ersten Date eher eine Wunschvorstellung. (Quelle: René Ranisch über Unsplash)

Letztendlich wollen wir doch alle nur das Eine: den „perfekten“ Partner oder die „perfekte“ Partnerin finden, der oder die unser Leben bereichert. Doch selbst die Suche nach einem geeigneten Parkplatz in einer Großstadt gestaltet sich oft wesentlich leichter als die nach einem passenden Gefährten oder einer passenden Gefährtin. Oftmals muss man eine ganze Reihe an unangenehmen, wenn auch lehrreichen, ersten Treffen über sich ergehen lassen, bis man tatsächlich bereit ist, jemanden wirklich näher kennenzulernen. Dating-Apps, die ein Kennenlernen eigentlich erleichtern sollten, bieten einem plötzlich tausende Profile an. Die Auswahl ist riesig. Ganz gleich wo man sich kennenlernt, am Ende eines lockeren Smalltalks oder eines einfachen WhatsApp-Chats steht immer eines: das gefürchtete erste Date!

Das worauf man eigentlich die ganze Zeit hinauswollte, entpuppt sich als wahrer Albtraum. Erste Dates stellen einen immer wieder vor die größten Herausforderungen. Nicht nur die Frage „Was ziehe ich an?“ steht plötzlich im Raum, sondern auch: „Was passiert denn, wenn mein Date mich langweilig findet?“ – „Worüber spricht man am besten und was könnte man denn unternehmen?“ – „Und bewahre, was ist, wenn ich das Date besser finde als mein Gegenüber?“

Zwar ist es immer wieder beruhigend zu hören, dass diese Dilemmata keineswegs nur einen selbst betreffen. Schließlich ist jeder vor einem ersten Treffen nervös, doch findet man dadurch eben doch nicht die alles entscheidende Lösung, „den Kodex“, für das perfekte erste Date.

Egal, welchen Suchergebnissen man auch folgt, die Recherche im Internet zeigt, dass sich die Medien beim Thema „erste Dates“ immer wieder auf die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau konzentrieren. Ist das also vielleicht der Schlüssel zum Glück? Wir konzentrieren uns auf unsere geschlechtsspezifische Rolle?  Besonders interessant dabei ist, dass von den Männern scheinbar immer noch mehr erwartet wird als von Frauen. Insbesondere dann, wenn es um die Bezahlung der Rechnung des ersten gemeinsamen Treffens geht. Denkt man das erste Mal darüber nach, erwischt man sich vielleicht auch selbst dabei, dass man automatisch davon ausgeht, der Mann würde die Rechnung übernehmen. Doch warum eigentlich? Ist das ein aus einer früheren Generation übernommener Gedanke, der sich fest in unseren Köpfen verankert hat? Geht die Gesellschaft tatsächlich davon aus, dass ein Mann beim ersten Date bezahlt?

Sie zog ein Kleid an und machte sich schick, um mit einer Freundin und ihrer Mutter auf einen Ball zu gehen. Sie genoss den ganzen Abend und lernte einen netten Mann kennen, der ihr zunächst lieb zunickte und sie später zum Tanz aufforderte. Sie redeten und tranken die ganze Nacht miteinander. Später brachte der nette Kavalier sie und ihre Mutter nach Hause, obwohl er dafür einen riesigen Umweg in Kauf nahm. Am Tag darauf stand er wieder vor ihrer Tür. Sie lachten viel zusammen, fuhren zusammen mit dem Auto herum oder gingen zusammen tanzen. Über 50 Jahre hielt diese Liebesgeschichte an, bis dass der Tod sie schied.

Eine Liebesgeschichte einer anderen Generation. Wie selbstverständlich übernahm der Mann die Rolle des Kavaliers, brachte die Dame nach Hause, war für das Wiedersehen verantwortlich, bezahlte die Getränke und hielt schließlich um ihre Hand an. Befragen wir unsere Großeltern nach ihrem Kennenlernen, werden die Geschichten wahrscheinlich alle sehr ähnlich klingen. Es gab diese klare Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Eine Zeit, die längst hinter uns liegt. Möchte man meinen…

Demnach gehen 95 Prozent der Befragten tatsächlich davon aus, dass der Mann auch heute noch die Rechnung eines ersten Dates bezahlen sollte. Ironischerweise wurden Frauen und Männer gleichermaßen befragt, sodass nicht davon auszugehen ist, Frauen seien die Einzigen, die diese Bezahlung „erwarten“. Gerade einmal drei Umfrageteilnehmer hätten sich eine weitere Antwortmöglichkeit gewünscht. Man könne die Rechnung doch auch teilen?! Verrückt, wenn man darüber nachdenkt, dass die Lösung so einfach zu sein scheint und wir dennoch eine feste Rollenverteilung im Kopf haben, die es doch eigentlich nur komplizierter macht.

80 Prozent der befragten Frauen erwarten also nicht, von einem Mann eingeladen zu werden, xx Prozent sind aber gleichzeitig der Meinung, der Mann solle die erste Rechnung zahlen.  Erwarten Frauen es vielleicht doch und trauen sich nur nicht, es auch wirklich zuzugeben?

Eine 2019 veröffentlichte Studie der Fachzeitschrift „Social Psychological and personality science“, kam zu der Erkenntniss, dass 22 bis 33 Prozent aller 698 befragten (heterosexuellen) Frauen sich lediglich auf ein Date einlassen, weil sie sich ein bezahltes Abendessen erhoffen. Dieser Trend wird von den Psychologen Brian Collison, Jennifer Howell und Trista Harigls „Foodie Call“ bezeichnet und lässt Frauen in einem eher negativen Licht dastehen. Wie empfindet das die Männerwelt? Denken Männer wirklich, dass Frauen zu sehr davon ausgehen, eingeladen zu werden?

Tatsächlich: Von 91 befragten Männern sind 74 Prozent der Meinung, Frauen gingen immer noch zu oft von einer Einladung aus. Wir scheinen also in einer Welt zu leben, die sowohl nach Emanzipation, Gleichberechtigung und Foodie Calls strebt. Zumindest aus Sicht des Mannes, denn 80 Prozent der Frauen erwarten doch schließlich keine Einladung beim ersten Date. Irgendetwas scheint hier also nicht zu passen. Schaut man sich die Ergebnisse an, wird eines ganz klar ersichtlich: Weder Frauen noch Männer wollen eine klare Rollenverteilung bei Dates. Warum denn auch? Wenn einem das Treffen gut gefallen hat, sollte man sich weder als Frau noch als Mann dazu verpflichtet fühlen, das Gegenüber einzuladen. Wenn man bezahlen möchte, ist es eine liebe Geste. Wenn nicht, sollte das auch akzeptabel sein. Entscheidet man sich bei einem Treffen dazu, etwas trinken oder essen zu gehen, sollte es keine „Rollen“ geben, in die man schlüpft und in der jeder weiß, was zu tun ist. Die Rechnung zu teilen ist wahrscheinlich das einfachste. Letztendlich sind doch auch das Date und die Person, mit der man sich trifft, das, worauf man sich freut und worauf es ankommt.

Nur weil ein Mann nicht einlädt, hat das keineswegs zu bedeuten, dass ihm das Treffen nicht gefallen hat. Bevor Frauen dieses Verhalten fehlinterpretieren, sollten sie darüber nachdenken, in welcher (finanziellen) Situation Dating-Partner stecken. Sie sind zum gleichen Teil zum Treffen bereit gewesen wie ihr Date und können genauso ihr Portemonnaie zücken. Sie sollten sich trauen, selbstbewusst zu sein, da sie mehr als nur eine Rechnung wert sind. (Gleiches gilt natürlich für die Männer!) Am Ende ist die Qualität des Dates entscheidender als das Bezahlen oder Nichtbezahlen des Mannes. Nichts auf dieser Welt hindert die Frau daran, ihren Anteil selbst zu zahlen. Rollenverteilung adé!

Es sollte uns zu bunt werden – Schluss mit Rollenverteilungen beim Dating!

Wenn nun schon Rollenverteilungen verurteilt werden, sollte eines nicht außer Acht gelassen werden: Es gibt auch gleichgeschlechtliche Dates. Und diejenigen, die immer noch der Meinung sind, dass bei gleichgeschlechtlichen Paaren immer eine Person den männlichen und die andere den weiblichen „Part“ einnimmt, geht wahrscheinlich auch davon aus, dass bei Essstäbchen eines die Gabel und das andere das Messer ist. Warum sollten wir uns also in einem heterosexuellen Verhältnis in eine Rolle zwängen, wenn uns jedes homosexuelle Paar beweist, dass es absolut nicht nötig ist. Festzuhalten ist also: Jeder sollte jeden einladen dürfen, doch niemand sollte sich dazu verpflichtet fühlen. Macht man sich darüber weniger Gedanken, ist dem ersten Treffen schon einmal jede Menge Druck genommen.

Leichter wird es dadurch aber trotzdem nicht. Viel zu viele Fragen bleiben nach wie vor unbeantwortet. Denn es muss beispielsweise gar nicht zu der Bezahl-Problematik kommen, wenn man etwas unternimmt, das kein Geld kostet. Wie ein perfektes erstes Treffen aussehen muss, sollte jedes Paar letztendlich selbst entscheiden.  Im Gespräch mit Denise Gregor, Freya Lienau und Paul Saegert, unseren Interviewpartnern für unseren Podcast, klang am häufigsten der Wunsch an, etwas an der frischen Luft zu unternehmen. Eine Runde spazieren gehen, ein Stadtbummel oder einen Ausflug in den Park machen. Der Vorteil an diesen Dates liegt darin, dass man sie zeitlich so kurz oder lang halten kann, wie man eben möchte. Während ein Kinofilm selten kürzer als 90 Minuten ist, kann man einen Spaziergang bereits nach 30 Minuten abbrechen und das Date dadurch beenden. Außerdem bleibt einem so erspart, Geld ausgeben zu müssen. Die Suche nach einem Gesprächsthema fällt auch deutlich einfacher, wenn sich die Welt um einen herum bewegt und man nicht nur stur in einem geschlossenen Raum sitzt. So kann man über andere Menschen oder eben die Natur sprechen, während man unterwegs ist. Ein Date im Kino hat sich von unseren Interviewpartnern niemand gewünscht. Dabei ist doch gerade das ein absolutes Klischee. Und wenn man mal ganz ehrlich ist, bringt ein Kinobesuch beim ersten Date wahnsinnig viele Vorteile mit. Man kann sich die Kosten für die Karten und Snacks sehr gut teilen. Außerdem kann man während des Films den ersten Eindruck voneinander sacken lassen, ohne direkt verzweifelt nach geeigneten Gesprächsthemen zu suchen. Im Anschluss lässt sich prima über den Film sprechen und man kann frei entscheiden, ob man den Abend bei einem Getränk ausklingen lässt oder sich schon verabschiedet. Zwangloser geht es also kaum, aber man muss eben bereit sein, Geld auszugeben und sich im Vorhinein für einen Film zu entscheiden – was, wenn man mal ehrlich ist, das größere Problem werden könnte.

Entscheidet man sich gegen das Kino, ist viel Zeit zum Reden. Gesprächsthemen entwickeln sich meistens mit der Zeit von selbst und eigentlich sind dort auch keine Grenzen gesetzt. In der Umfrage ergaben sich trotzdem einige wenige No-Go‘s: Gespräche über vorherige Beziehungen gehören nicht in ein erstes Date. Zu Beginn des Kennenlernens vermitteln insbesondere die Gespräche über den oder die Ex ein absolutes Desinteresse. Genauso wenig sollte man über traurige Themen sprechen. Fakt ist: Kommunikation macht sexy. Psychologe Richard Wiseman behauptet nämlich, dass Reden einen attraktiver erscheinen lässt. So das Ergebnis seiner Studie. Dan Ariely, Professor für Psychologie und Verhaltensökonomie an der Duke University, schlägt vor, das Gespräch so zu leiten, dass man über kontroverse Themen spricht. „Ansichten zu kritischen Themen wie Religion, Politik, Tierschutz oder Erziehung [zu teilen], [kann] die Menschen innerhalb der Konversation glücklicher machen – auch wenn die Fragen vielleicht auf den ersten Blick sehr persönlich scheinen.“  Auch das Frauenmagazin InStyle nimmt sich dem Thema an: Obwohl man durch kritische Themen aneinandergeraten könne und es oft sehr persönlich sei für ein erstes Date, könne es dazu führen, dass der zukünftige Partner interessanter wirkt, da er auch eine klare Meinung bezieht.

Ganz egal für welches Gesprächsthema man sich auch entscheiden möchte, eine Karteikarte mit vorher überlegten Fragen abzuarbeiten, führt zu keiner guten Konversation. Wichtig ist, sich gegenseitig zuzuhören. Nach den Gesprächen mit Denise Gregor, Freya Lienau und Paul Saegert, haben auch wir uns noch einmal über unsere Erfahrungen mit Ersten Dates ausgetauscht und unsere Ansichten gemeinsam mit den Kernaussagen unserer Interviewpartnern aufgenommen.

Letztendlich gibt es kein Geheimrezept für gute Dates. Weder damals noch heute. Aber man kann Dating lernen beziehungswiese lernen, Gesprächsthemen oder Aktivitäten (schneller) zu finden. Durch das Daten lernt man nicht nur viel über die Person, mit der man sich trifft, sondern auch unglaublich viel über einen selbst. Werte, die einem wichtig sind, Charakteristika, die man interessant findet und Eigenschaften, die man nicht mag. (Erste) Dates sollten keine Horrorvorstellung sein, auch dann nicht, wenn einen die Aufregung davor fast wahnsinnig macht. Aufregung gehört dazu und macht einen auch sympathisch. Egal sein, sollte einem ein Date nun mal auch nicht. Aber man verlässt ein Date, das nicht so gut lief, keineswegs kleiner als vorher. Der Tipp lautet: So viel wie möglich aus den eigenen Date-Erfahrungen mitnehmen. Die Datingpartner sollten aufeinander eingehen und sollten aufhören, das Verhalten des anderen zu viel zu interpretieren. Lieber sollten sie miteinander sprechen. Man sitzt doch im gleichen Boot. Schlagt Profit daraus und lacht über Missverständnisse oder peinliche Schweigemomente! Dass Liebe etwas Tolles ist, verraten uns circa 65.435.763.589 Lieder, Filme und Gedichte. Aber auch Dating kann großartig sein. Rollenbilder gehören ignoriert. Offenheit für etwas Neues ist angesagt. Niemand muss bewertet werden und Verpflichtungen gibt es nicht. Jede/r ist der Koch seines eigenen Erfolgsrezeptes für erste Dates. Es gibt immer Gründe für eine Verabredung. Grund genug, selbstbewusst zu sein. Wer braucht da noch einen Kodex?