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Studium und Arbeit Zeitfresser oder nützliche Praxis?

Studieren bedeutet auf den ersten Blick „nur“ Theorie lernen. An vielen Universitäten und Hochschulen gibt es jedoch Möglichkeiten, gewinnbringende Erfahrung zu sammeln – zum Beispiel in studentischen Unternehmensberatungen.

Networking ist das Stichwort bei der Entscheidung, in eine studentische Initiative einzutreten. (Quelle: Pixabay)

Es ist zum Verzweifeln! Über 300 Folien Skript, Theorie en masse und eine drängende Frage: „Wozu brauche ich das überhaupt?“. Diese Gedanken dürften jedem Studierenden bereits durch den Kopf geschossen sein.

Dabei bietet ein Studium viel mehr Betätigungsmöglichkeiten, die über die eigentlichen Fächer hinausgehen: Sportkurse, die Mitgliedschaft im Allgemeinen Studierendenausschuss oder das Engagement in studentischen Vereinigungen. Eine besondere Form, die mittlerweile starke Verbreitung in Deutschland findet, sind studentische Unternehmensberatungen. Dabei geht es im Kern darum, Projekte für Auftraggeber zu bearbeiten und die eigenen Mitglieder für diese Aufgabe stetig fortzubilden. Welche Vorteile erhoffen sich die Mitglieder von ihrem Engagement? Verbergen sich hinter solch einer Tätigkeit auch negative Konsequenzen?

Luca Ebeling studiert an der Technischen Universität Braunschweig und ist Vorstand im Bereich Marketing der studentischen Unternehmensberatung „Consult one“. Zu den Vorzügen seiner Mitgliedschaft erzählt er: „Der wichtigste Punkt liegt sicher im Bereich Networking. Du kannst unglaublich viele Kontakte knüpfen, europaweite Netzwerke aufbauen, an Workshops mit großen Unternehmen teilnehmen und für diese arbeiten.“ So könne das theoretische Wissen aus der Universität in der Praxis umgesetzt werden. Speziell auf das Vorstandsamt bezogen, bilde man zudem Führungsqualitäten aus und steigere sich in der Selbstorganisation.

Wichtige Kontakte knüpfen, aber auch Vorlesungen versäumen


Auch im nahegelegenen Salzgitter existiert an der dortigen Ostfalia-Hochschule mit dem ImPuls e.V. eine Unternehmensberatung, die auf den Sportbereich spezialisiert ist. Jonas Petersen ist dort Leiter des Ressorts Personal. Er sagt: „Ein großer Vorteil der Mitgliedschaft ist, dass man auf Exkursionen oder bei Gastvorträgen wichtige Kontakte mit externen Unternehmen knüpft und interessante Einblicke in die zukünftige Berufswelt erhält. Durch die gesammelten Erfahrungen und Fortbildungen erreicht man einen Erkenntnisgewinn, der die persönliche Weiterentwicklung antreibt.“ Petersen nennt noch ein weiteres, auf den ersten Blick weniger naheliegendes Argument: „Bei den Teamevents lernt man die Mitglieder aus den anderen Studiengängen kennen und profitiert von ihrem jeweiligen Fachwissen.“ So weit, so gut. Sein Engagement bedeutet in Konsequenz aber auch, andere Dinge hintenanzustellen. „Besonders als Vorstandsmitglied bleibt weniger Zeit für andere Dinge, auch für das Studium. Teilweise gehe ich nicht zu Vorlesungen, in der Klausurvorbereitung fehlt wichtige Lernzeit“, sagt Petersen. In diesem Aspekt stimmt auch Ebeling überein.

Soft Skills als entscheidender Wettbewerbsvorteil


Der Arbeitgeberverband Braunschweig (AGV) beurteilt die Mitarbeit in studentischen Unternehmensberatungen ebenfalls enorm positiv. „Die Erfahrungen, die Studierende dort sammeln, sind beispielsweise Unternehmenskompetenz, Charisma, Umgang mit diversen Kundentypen, Kenntnisse in externen Projekten und Verhandlungskompetenz. Diese Soft Skills sind nicht im alleinigen Studium zu erwerben, vermitteln den Studierenden Selbstsicherheit und ein entsprechendes Auftreten, das sie von der Gruppe mit anderen Bewerbern abhebt.“ Zudem hätten Bewerber bei einem Einstellungsprozess Vorteile, wenn sie beispielsweise über ein während des Studiums durchgeführtes Projekt im Unternehmen bereits bekannt seien.

Fakt ist: Wer sich wie Ebeling und Petersen in studentischen Initiativen mit Praxisbezug engagiert, sammelt zusätzliche Kompetenzen und Kontakte, die weiterhelfen können. Bei den starken Vorteilen ist das Argument des hohen Zeitaufwands zu vernachlässigen – denn wann hat man noch einmal so viel Zeit wie im Studium?