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Studium und Arbeit - Bundeswehr Weiße Kittel und Sturmgewehre

Bei der Bundeswehr hat man auch ohne Einser-Abi Chancen auf einen Studienplatz in Medizin. Neben der Ausbildung zum Arzt wird man aber auch zum oder zur SoldatIn ausgebildet. Im Ernstfall bedeutet das: Leben retten und Leben nehmen.

Eine 17-Jährige Wehrpflicht ist für die Studierenden Standard.

Maximilian Meier ist 24 Jahre alt und studiert Medizin. Arzt werden, wollte er schon als Kind: „In der 9. Klasse wusste ich, dass ich Medizin studieren möchte“. Trotz einem soliden Abitur von 1,9, war es nahezu unmöglich, zeitnahe einen regulären Studienplatz an einer deutschen Universität zu bekommen. Deshalb entschied er sich, bei der Bundeswehr zu studieren. Für viele AbiturientInnen ist es der größte Wunsch Medizin zu studieren. Jedoch gestaltet sich dies in Deutschland aufgrund des massiven Andrangs schwer. Jedes Semester bewerben sich ca. 43.000 SchulabgängerInnen auf 10.000 Studienplätze. Für StudienanfängerInnen, welche kein exzellentes Abitur vorweise können oder im Medizinertest schlecht abschneiden, liegt der Wunschstudienplatz meist in weiter Ferne. Dann heißt es: Wartezeit. Aktuell beträgt diese bis zu sieben Jahren. Eine Alternative wäre es an einer der privaten Universitäten oder im Ausland zu studieren. Allerdings verfügen nicht alle Eltern über finanzielle Rücklagen. Für sie ist dann die Bundeswehr der letzte Ausweg.

Pro Semester stehen der Bundeswehr 250 der 10.000 Studienplätze zu Verfügung. Der Notenschnitt wird gegenüber des normalen Auswahlverfahrens weniger stark gewertet. Auch Bewerber mit einem Schnitt von 2,5 haben so die Chance zugelassen zu werden, sofern sie eine herausragende Leistung im Assessment Center vorweisen. Voraussetzungen um eingeladen zu werden, sind die allgemeine Hochschulreife, der Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft und das Höchstalter von 29 Jahren. Die BewerberInnen erwartet dort ein anspruchsvoller dreitägiger Eignungstest. Sie müssen sich einem Sporttest, Computer-Eignungstest und Medizinertest unterziehen. Außerdem steht ihnen eine ärztliche Begutachtung, psychologische Gutachten, Gruppendiskussionen und ein Kurzvortrag bevor. Wer hier außerordentlich gut abschneidet, wird sofort eingestellt. Das heißt auch, man darf sich eine Wunschuniversität aussuchen. TeilnehmerInnen, die schlechter abschneiden, aber trotzdem eingestellt werden, müssen sich hingegen mit einem vorgegebenen Studienort zufriedengeben. 

Nach Einstellung erwartet die jungen RekrutInnen eine dreimonatige militärische Grundausbildung. Hier erlernen sie die soldatischen Grundfertigkeiten. Fußmärsche, Schieß- und ABC- Übungen. Während der Semesterferien sind weitere militärische Ausbildungen verpflichtend. Von sonstigen militärischen Diensten sind sie während der Semester befreit. Ist die Grundausbildung geschafft, steht einem Studium der Humanmedizin nichts mehr entgegen. Das Studium dauert wie bei allen anderen MedizinstudentInnen regelmäßig sechs Jahre. Die Bundeswehr kooperiert dabei mit vielen zivilen Universitäten deutschlandweit.

Selbstverständlich werden die OffiziersanwärterInnen während des Studiums monatlich entlohnt. Das Einstiegsgehalt liegt bei ca. 1800 Euro netto. Eine finanzielle Unabhängigkeit ist somit gewährleistet.

Dafür wird von den Studierenden verlangt, eine besonders gute Leistung während des Studiums zu erbringen. So gibt es ein internes Punktesystem. Hier werden die Studierenden nach ihren Studienleistungen bewertet. Nach Beendigung leisten sie als AssistenzärztInnen ihre Facharztausbildung in einem der fünf Bundeswehrkrankenhäuser ab. Den Ort und die Facharztrichtung dürfen sie sich allerdings nur aussuchen, wenn entsprechend viele Punkte gesammelt wurden.

Die Nachteile dürfen nicht außeracht gelassen werden. Auslandseinsätze und eine 17-jährige Dienstpflicht sind Standard. Außerdem steht es ihnen nicht frei jede Facharztrichtung zu wählen. Darüber hinaus besteht eine gewisse Ortsgebundenheit, sowie dass es nicht möglich ist ein Auslandssemester zu absolvieren. So Maximilian Meier: „Man kann nicht völlig frei entscheiden und ist dadurch abhängig. Aber ich würde trotzdem wieder diesen Weg wählen. Denn für mich ist es eine perfekte Kombination aus sportlicher Betätigung und ärztlichen Tätigkeiten.“

Nach Ende der Dienstpflicht ist es den ÄrztInnen selbst überlassen, ob sie im militärischen Bereich weiterarbeiten möchte oder eine zivile Karriere anstrebt. Maximilian haben sich noch nicht endgültig entschieden, „schließlich bin ich gerade im 9. Semester und hab noch nicht tatsächlich als Arzt bei der Bundeswehr gearbeitet. Mein aktueller Facharztwunsch ist allerdings Allgemeinmedizin. Diesbezüglich könnte ich es mir sehr gut vorstellen nach meiner Zeit bei der Bundeswehr meine eigene Praxis zu eröffnen, vielleicht auch auf dem Land.“