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Studium und Arbeit - Studierende, Corona, Schulden Was die Präsidentschaftswahl 2020 für amerikanische Studierende bedeutet

In Kürze entscheidet sich, wer das wohl prestigeträchtigste Amt der Welt bekleiden wird – Donald Trump oder Joe Biden. Sicher ist, dass der vom Gewinner eingeschlagene Kurs die USA im höchsten Maß beeinflussen wird, vor allem finanziell. Welche Folgen das für amerikanischen Studierende haben kann, erzählt Gastautor Nico Krefft.

Studierende haben immer mehr Probleme, ihre Kredite abzuzahlen. Auch die Corona-Pandemie macht die Situation nicht besser. (Quelle: iStock)

Was in Deutschland eher als Einzelfall gilt, ist für rund 20 Millionen Studierende in den USA trauriger Alltag. Um sich das Studium überhaupt finanzieren zu können, nehmen viele Amerikaner einen Kredit auf. Ein Semester an einer staatlichen Hochschule kann dort gerne einmal 8.000 Dollar kosten. Hierzulande ist das Studium, abgesehen vom Semesterbeitrag, weitestgehend kostenlos. Der Einfluss der US-Politik auf das Studium ist deutlich größer als in Deutschland und betrifft vorrangig den Umgang mit den Studienkosten, die in den USA als „student loans“ bekannt sind. Das Problem, dass sich in den USA im Vergleich zu deutschen Bildungseinrichtungen ergibt, ist immens. Während es hierzulande allgemeiner Konsens ist, dass niemand gezwungen werden sollte, seine Zukunft für eine Ausbildung zu verpfänden, werden in den USA Millionen junger Menschen förmlich gezwungen, genau das zu tun, wenn sie ein Studium anstreben.

Deshalb hat der Ausgang der US-Wahlen auch einen großen Einfluss auf die weitere Vorgehensweise bezüglich der Studienkredite, die viele Millionen Amerikaner besonders infolge der Corona-Pandemie schlechter abbezahlen können.

Sollte der bisherige Amtsinhaber Donald Trump die Wahl gewinnen, so betrifft dies in der aktuell vorherrschenden Situation besonders ausländische Studierende. Trump kündigte bereits vergangenen Sommer an, eine Regelung implementieren zu wollen, die Studierende aus dem Ausland dazu verpflichtet, sich an einem College einzuschreiben, bei dem trotz Corona Präsenz-Vorlesungen angeboten werden. Andernfalls müssten sie das Land verlassen, so seine Bedingung. Colleges klagten allerdings erfolgreich gegen diese Regelung und Trump zog sie noch vor Implementierung wieder zurück. Dennoch ist es mit weiteren vier Jahren Amtszeit und dem Voranschreiten der Pandemie durchaus wahrscheinlich, dass Trump einen derartigen Vorstoß erneut wagen könnte. Er spricht sich außerdem generell für vermehrte Präsenzveranstaltungen aus, da er die Studierenden durch Corona nicht unverhältnismäßig stark gefährdet sieht und ebenso College Football und Basketball garantieren möchte, was insbesondere angehenden Sportlern zu Gute kommen würde.

Für die „student loans“ hat Präsident Trump den Schuldnern aufgrund der aktuell finanziell unsicheren Lage einen Aufschub gewährt. Die Zahlungen, die Millionen ehemalige und aktuell immatrikulierte Studierende nach wie vor begleichen müssen, werden zunächst in den Dezember verschoben. Das heißt selbstverständlich nicht, dass sich an dem geschuldeten Betrag prozentual etwas ändert. Dieser wird also lediglich verzögert eingezogen, sodass die Schuldner ihre Finanzen während der Pandemie besser managen können. Doch hilft das?

Eine progressivere Initiative hinsichtlich des „student loans“-Systems oder gar die Abschaffung dieses wird es seitens der Trump-Regierung aber wohl nicht geben – das bestätigte auch schon Trumps Secretary of Education Betsy DeVos. Die Trump-Regierung unterstützt lediglich bereits vorhandene einkommensgesteuerte Rückzahlungspläne für Studierende.

Im Falle eines Sieges des demokratischen Herausforderers Joe Biden gibt es für viele Studierende Grund zur Hoffnung, dass die bestehenden Regulierungen hinsichtlich der „student loans“ in bestimmten Bereichen aufgeweicht werden. Zum einen plant Biden ein kostenloses Studium für Studierende, deren Familien ein Einkommen von unter 125.000 Dollar jährlich aufweisen, sofern sie ein staatliches College mit einer Studienzeit von zwei oder vier Jahren besuchen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie deutete Biden außerdem an, die Schuldner der „student loans“ um 10.000 Dollar entlasten zu wollen. Diese Vorteile sollen auch für die sogenannten Dreamer gelten, also junge Einwanderer, die als Kinder ohne Papiere in die USA immigrierten. Trotz dieser konkreten Vorschläge bleibt festzuhalten, dass andere Demokraten wie Bernie Sanders oder Elisabeth Warren weitaus progressivere Vorschläge für die „student loans“ als Biden eingereicht haben und sogar in Aussicht stellten, diese komplett abzuschaffen.

Und dennoch: Trotz der doch recht fortschrittlichen Initiativen müssen entsprechende Gesetzesentwürfe abschließend vom US-Kongress bewilligt werden. Dieser stellte sich bei dieser Thematik bereits in der Vergangenheit oftmals quer. Auch das zeigt: Insgesamt wirkt das System der US-amerikanischen „student loans“ eingefahren. Die komplette Aufhebung der Studiengebühren innerhalb der nächsten Jahre bleibt also unrealistisch, worauf sich wohl oder übel auch zukünftige amerikanische Studierende einstellen müssen.