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Studium und Arbeit - Pfarrer Pfarrer: Zwischen Management und Nächstenliebe

Pfarrer sind Manager, Seelsorger und Künstler in einem. Für die einen unvorstellbar, für die anderen ein Traumberuf und Passion. Entscheidet man sich diesen Weg zu gehen, entscheidet man sich für einen Beruf, der einen zwischen Hoffnung und Neubeginn sowie Trauer und Zweifeln positioniert.

Der Beruf des Pfarrers ist sehr vielseitig. (Quelle: Pexels)

Sonntag, zehn Uhr. Viele drehen sich zu diesem Zeitpunkt nochmal im Bett um. Zeitgleich läuten die Kirchenglocken in etlichen Orten zum wiederholten Mal. Die Kirchen füllen sich mal mehr, mal weniger. Aus den Nähten scheinen sie zurzeit im Höchstfall an besonderen Anlässen, wie Ostern oder Weihnachten zu platzen. Kaum zu glauben, dass einige Menschen so gut wie jeden Sonntag in der Kirche stehen?! PfarrerInnen sind einige dieser Personen, die sich am Morgen hierher begeben, um den Gottesdienst zu feiern.

Pfarrerinnen und Pfarrer – Hört man diese Bezeichnung, hat jeder ganz individuell ein Bild im Kopf. So unterschiedlich diese Vorstellungen sein mögen, ein Punkt vereint sie womöglich: Schaut man von den dunklen Schuhen herauf, tragen evangelische PfarrerInnen während des Gottesdienstes ein dunkles Gewand, ihren Talar. Dieser ist schwarz, sitzt locker und besteht aus mindestens knöchellangem Stoff. 1811 als Amtstracht eingeführt. Damit schreiten sie, begleitet von Orgelmusik, in Richtung Altar. 

In Deutschland teilt sich die evangelische Kirche in 20 Landeskirchen auf. Die evangelisch-lutherische Landeskirche Braunschweig ist eine dieser und besteht aus 329 Gemeinden. Hier werden aktuell 251 PfarrerInnen beschäftigt. Sie alle stehen in den Kirchen, gestalten den Sonntagsstart der Gottesdienstbesucher. Sie predigen und singen, sie geben Worte mit auf den Weg. Jährlich werden in dieser Landeskirche rund 19.000 Gottesdienste gestaltet und mit den Besuchern gefeiert. 

Zusammen zählen die Gemeinden der Landeskirche Braunschweig fast 335.000 Mitglieder. Es würden pro Jahr um die 3.000 Menschen aus der Kirche austreten, hierbei müssten aber auch die Neueintritte bedacht werden, so eine Information der Landeskirche. Statistiken zeigen, dass die evangelische Kirche in Deutschland mit Abnahme der Mitgliederzahlen zu kämpfen hat. Und dennoch gibt es junge Menschen, die sich für ein Theologiestudium entscheiden.

Das Studium wird vorausgesetzt, um den Beruf auszuüben. Ebenso wie das Vikariat, der praktische Abschnitt im Anschluss an das Studium. In Deutschland gibt es an 21 Hochschulen die Möglichkeit das sogenannte Pfarramtsstudium aufzunehmen. In Niedersachsen bietet nur die Georg-August-Universität Göttingen dieses Studium an. Hier gibt es aktuell 357 Studierende, die zukünftige PfarrerInnen werden möchten. Im Durchschnitt steigen 55 junge Menschen pro Jahr neu in das Studium in Göttingen ein.

Betrachtet man den Arbeitsmarkt, „werden in allen Regionen in den evangelischen Landeskirchen absehbar junge Pfarrerinnen und Pfarrer benötigt“, so die Evangelische Kirche in Deutschland. Gründe für den Mangel seien der demografische Wandel sowie die Veränderung der religiösen Sozialisation.

Doch was ist mit denjenigen, die sich für diesen Weg entscheiden - auf der Kanzel stehen, die Sonntagspredigt haltend?

„Komplex, tiefgründig und Kaffee!“ – Mit diesen Begriffen charakterisiert die junge Pfarrerin, Anette Quedenfeld, ihren Beruf. „Er fordert viel, aber er gibt auch viel zurück!“ Im nachfolgenden TV-Beitrag erklärt sie, was genau dies für sie bedeutet und was ihren Beruf so besonders macht.

Das heißt, entscheidet man sich als junger Mensch für diesen Weg, ist man so gut wie immer im Dienst und bei unterschiedlichsten Anliegen und Sorgen immer erreichbar. Es ist nicht nur eine Predigt am Sonntag, die vorbereitet werden will. Verkündigung, Taufen, Konfirmandenunterricht und Hochzeiten gehören genauso dazu, wie die Durchführung von Beerdigungen und die Auseinandersetzung mit Leid, Sorgen und dem Tod.

„Unser Friedhofsmitarbeiter, der muss öfters mal sagen: ,liebe Leute unser Pfarrer hat jede Menge zu tun´“, so Dirk Glufke, selbst langjähriger Pfarrer. „Das Idealbild eines Pfarrers, der durchs Dorf geht, die Menschen besucht und viel Zeit hat, das ist nicht mehr!“ Über die Entwicklung des Berufs und die Veränderungen, die sie im Alltag wahrnehmen, sprechen zwei berufserfahrene Pfarrer.

Trotz dieser Veränderungen möchten sie ihren Beruf nicht missen. „Es gibt immer noch diese Momente, wo man das Gefühl hat, man kann Menschen wirklich erreichen, man kann für Menschen etwas tun. Das sind die befriedigenden Momente. Das hat immer sehr viel Spaß gemacht und lässt einen dann manchmal auch den andern Kram vergessen“, so Johannes Engelmann. Die Pfarrer machen deutlich, dass ihr Beruf durch die Aufgabenvielfalt und die Nähe zu den Menschen in guten, wie in schweren Situationen, etwas Besonderes bleibt.

„Das Beste an meinem Beruf ist, dass ich so oft gar nicht merke, dass ich arbeite“, beschreibt Anette Quedenfeld. Und das, obwohl sehr viel mehr als ein Sonntagsgottesdienst dazu gehört. Ein Beruf mit ganz unterschiedlichen Facetten, der ohne Leidenschaft und Engagement nicht zu bewerkstelligen ist.