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Studium und Arbeit - Klausuren, Prüfung, Hochschule Open Book – ein zeitgemäßes Prüfungsformat

Noch vor einem Jahr waren Online-Prüfungen undenkbar. Durch die Corona Pandemie sind Hochschulen nun quasi dazu gezwungen. Es zeigt sich, wie zeitgemäß die neuen Prüfungsformen sind.

Prüfungen online und mit Hilfsmitteln bearbeiten. Wird es Zeit für eine generelle Umstellung? (Quelle: Lindig)

Open-Book-Klausuren bilden in der momentanen Pandemie-Lage eine gute Lösung, Prüfungen online abzuhalten. Sie werden auch als sogenannte „Kofferklausuren“ bezeichnet, da es den StudentInnen gestattet ist, praktische Hilfsmittel zu verwenden. Entgegen vieler Erwartungen bedeutet das aber nicht, dass die Klausuren dadurch einfacher sind.

Egal, ob bei mündlichen Prüfungen, Hausarbeiten oder Klausuren: Sobald sie online angeboten werden, sind die PrüferInnen nicht in der Lage zu kontrollieren, welche Hilfsmittel die Geprüften nutzen. Die StudentInnen müssen eine Selbstständigkeitserklärung abgeben und dürfen während einer Open-Book-Prüfung nicht mit anderen TeilnehmerInnen kommunizieren. Durch die Zulassung von Hilfsmitteln und die schwierige Überprüfbarkeit der Quellen, werden die Open-Book-Formate dementsprechend angepasst und so gestaltet, dass es nicht um die reine Reproduktion von Fakten geht, sondern um das Anwenden des erlangten Wissens. Dies bedeutet für beide Parteien –StudentInnen und die PrüferInnen – eine Umstellung.

Dadurch, dass das Prüfungsformat vermehrt aus Verständnisfragen und weniger aus dem Rekapitulieren von zuvor erlangtem Wissen besteht, müssen die StudentInnen in der Lage sein, Zusammenhänge herzustellen, Wissen zu verknüpfen und dieses problemorientiert anzuwenden.  Das altbewährte Auswendiglernen ist nur begrenzt hilfreich. StudentInnen, denen es mehr liegt Fakten zu reproduzieren, als das Wissen bewusst anzuwenden, haben hierbei einen wesentlichen Nachteil. Doch was bringt es einem, das Gelernte stumpf wiederzugeben, wenn man gar nicht weiß, wie man es anwenden kann?

Durch das Open-Book-Format können die Prüfenden problemorientiere Kompetenzen der StudentInnen abfragen und sie somit anwendungsorientierter auf die berufliche Zukunft vorbereiten. Für sie bedeutet die Änderung der Prüfungsform aber auch einen höheren Aufwand bei den Korrekturen. Die Fragen fallen komplexer aus und ein Antwortformat ist nicht festgelegt. Dadurch haben die StudentInnen den Vorteil, anwendungsbezogener zu lernen und somit ein besseres Verständnis der Themengebiete zu erlangen. Kritisches, analytisches Denken und Argumentieren ist gefragt. Das Format ist also trotz spicken deutlich anspruchsvoller gegenüber den Standardklausuren. Die Vorbereitung ist hierbei das A und O. Es ist wichtig, sich den Stoff so anzueignen und zu verstehen, sodass man in der Prüfung nicht zu oft auf die Notizen zurückgreifen muss. Diese sollten dafür im Voraus so gestaltet sein, dass sie innerhalb der Prüfung nur als schnelle Hilfe geeignet sind. Durch die intensive Vorbereitung und die dementsprechende Auseinandersetzung mit den Lehrinhalten, lässt sich der Stoff besser einprägen, sodass er auch im Anschluss an die Prüfung im Gedächtnis bleibt.

Die Open-Book-Prüfungen bereiten die StudentInnen gekonnt auf die zukünftigen beruflichen Voraussetzungen vor und bringen ihnen das anwendungsbezogene Denken näher. Die Möglichkeit in der Prüfung zu Hilfsmitteln zu greifen, sollte längst nicht mehr tabuisiert werden. Diese Art der Prüfungsleistung ist zeitgemäß. Durch die ständige Vernetzung sind wir in der Lage, uns immer und überall Informationen zu beschaffen. Es entspricht faktisch gesehen nicht unserem Zeitalter, keine Nachschlag- oder Recherchemöglichkeiten zu haben. Weder im Alltag noch im Berufsleben. Warum sollten also die Prüfungsformate nicht auch in Zukunft daran angepasst werden?