Direkt zu den Inhalten springen

Studium und Arbeit - Handlettering, Selbstständigkeit, Kunst „Mich haben Schriften und Buchstaben schon immer fasziniert“

Vom Papeterie-Label zum eigenen Magazin – Katharina Hailom ist die Gründerin von Hints&Kunst und hat damit ihr Hobby Handlettering zum Beruf gemacht. Mit Campus38 spricht sie über ihre Selbstständigkeit und die Produktion ihres eigenen Magazins Typefaces.

Katharina Hailom, Gründerin von Hints&Kunst und Herausgeberin des Typefaces Magazin (Quelle: Katja Heil)

Campus38: Durch Hints&Kunst beschäftigst du dich schon länger mit Schriftarten. Und du hast dir in der kreativen Welt einen Namen gemacht. Was hat dich dazu bewogen, jetzt mit der Gründung deines Magazins in eine völlig neue Branche zu gehen? 

Katharina Hailom: Ich bin jemand, der sehr an die Zukunft denkt – Wenn ich eines Tages Kinder habe und die mich fragen: „Mama was hast du damals auf Instagram gepostet?“ – wer weiß, ob es die Fotos und Texte dann noch gibt. Und mit diesem Problem bin ich nicht allein. Ich wollte ein Heft für alle KünstlerInnen machen, damit ihre Kunst geschätzt wird und erhalten bleibt. So ist die Idee zu Typefaces entstanden. Mit jedem Tag kamen weitere hinzu.

Bevor du mit dem Magazin gestartet bist, warst du als Handlettering-Artist tätig. Kann man als Handlettering-Artist überhaupt seinen Lebensunterhalt verdienen?

Ja, ich kann als Handlettering-Artist Geld verdienen. Man muss es nur geschickt anstellen: Als Unternehmerin bin ich mit Hints&Kunst breit aufgestellt. Ich habe verschiedene Bücher im Handlettering-Bereich geschrieben und veröffentlicht. Ich entwickle eigene Produkte für die kreative Welt, die ich in meinem Onlineshop verkaufe. Wenn wir nicht gerade in einer Pandemie sind, gebe ich kreative Workshops und Events. Ich bringe Unternehmen und Privatkunden das Thema Lettering näher und zeige ihnen, wie auch sie schönschreiben können.

Handlettering ist das kunstvolle Malen von Buchstaben. Meist wird ein Spruch oder ein Zitat kreativ geschrieben. Dabei gibt es verschiedene Schriftarten und Gestaltungselemente, um Worte hervorzuheben. Mit Hilfe von Brushpens bekommt man einen ähnlichen Effekt wie in der Kalligrafie.

Mit dem Lettering hast du vor vielen Jahren begonnen. Wie kam es dazu, dass du es nun anderen Menschen beibringen möchtest?

Mich haben Schriften und Buchstaben schon immer fasziniert. Es wurde zu meiner großen Leidenschaft, diese in verschiedenen Stilen zu malen. Das Lettering hat eine immer größer werdende Rolle in meinem Leben gespielt. Als ich in meiner Bachelorarbeit über meditatives Lettering geschrieben habe, wurde das Thema Handlettering auch im Onlineshop präsenter. Was als Papeterie-Label begann, wurde immer mehr zu einer kreativen Welt. Ich möchte Menschen für die Kunst und das Kreativsein begeistern. Es macht mir Spaß in die Lehrerrolle zu schlüpfen und anderen Menschen etwas Kreatives beizubringen.

Du wolltest neben deinem Studium etwas Kreatives machen und hast Hinst&Kunst als Studentin gegründet. Dann bist du nach deinem Studium 2019 hauptberuflich eingestiegen. Wie war dein Weg in die Selbstständigkeit?

Mein Weg war holprig, aber ich hatte das Glück, dass ich anfangs keine 3.000 € im Monat verdienen musste. Ich habe Hints&Kunst 2017 gegründet. Eigentlich sollte es auch immer nebenberuflich bleiben, aber dann hat es sich so erfolgreich entwickelt. Ich wollte wissen, was alles möglich ist, wenn ich es hauptberuflich mache. Ich pflege immer groß zu träumen und nichts für unmöglich zu halten. Der Spruch „If your dream doesn´t scare you, it´s not big enough“, hat mir die Augen geöffnet. Ich hätte nicht mal ansatzweise gedacht, dass ich heute mit Hints&Kunst ein eigenes Büro und Mitarbeiter haben würde.

Und nun bist du auch Newcomerin im Magazinbusiness. Es ist bestimmt auch nicht immer alles glatt gelaufen. Mit welchen Herausforderungen hattet ihr zu kämpfen?

Es gab viele Herausforderungen, denen wir uns stellen mussten. Unsere größte Herausforderung war die Finanzierung und auch das Risiko des Projekts, da wir 10.000 € investiert haben. Wir mussten uns informieren, was ein Magazin alles an Nummern und Informationen benötigt, um auch als solches anerkannt zu sein. Wir haben eine ISBN (Anm. der Redaktion: Bücher) und eine ISSN (Anm. d. Redaktion: Magazine) Nummer gekauft, damit man Typefaces auch im Buchladen vor Ort kaufen kann. Dann mussten wir das Magazin bei dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher listen lassen. Wir haben sozusagen unseren eigenen Verlag gegründet. Zwar nicht offiziell, aber wir treten als Unternehmen auf. Es war auch sehr schwierig eine passende Druckerei zu finden, die all unsere Wünsche umsetzen konnte, aber im preislichen Rahmen blieb, da wir unbedingt einen geprägten Titel und ein hochwertiges Papier haben wollten. Am Ende wurde es dann nochmal mit der Druckabgabe heikel. Wir haben am finalen Tag bestimmt dreimal mit der Druckerei telefoniert, wobei sie uns gesagt haben, was noch verändert werden muss. In der Produktion gab es viele Baustellen, aber es hat sich gelohnt.

Wie entstand das Magazin?

Wir haben viel Brainstorming betrieben. Überlegt, wie wir unser Magazin gestalten und die passenden Inhalte präsentieren können. Fabi und ich haben zusammen an Typefaces gearbeitet. Sie hat das Grundlayout und die Gestaltungselemente in InDesign entworfen: Icons und Bubbles für die Künstlerprofile. Dann haben wir unsere Inhalte produziert und in das Layout gesetzt. Das Magazin ist Schritt für Schritt gewachsen. Insgesamt haben wir drei Monate an der ersten Ausgabe gearbeitet.

Im Magazin dreht sich vieles um das Wort „type“. Die Begriffe wie typelove, typefacts und natürlich auch Typefaces findet man in jeder Ausgabe. Aber wie kam es zu den Namen für das Magazin?

Es hat fast vier Wochen gedauert, bis wir unserem Magazin einen Namen geben konnten. Wir haben viel überlegt und letzten Endes unsere Instagram-Community gefragt. Eine Künstlerin schlug den Namen Typeface vor. Ich dachte sofort an die Schriftart am Computer, die so heißt. Aber je länger ich über den Namen nachgedacht habe, desto bewusster wurde mir die Doppeldeutigkeit. Type steht für die Schrift und face für das Gesicht. Typefaces sind dann die Schriftgesichter. Diese Bedeutung hat mir total gut gefallen, weil es zum Inhalt des Magazins passt und wir viele Schriftgesichter vorstellen. In unserem Magazin dreht es sich viel um Schriften, deswegen gibt es auch verschiedene Begriffe mit „type“.

Deine erste Idee war es, KünstlerInnen im Magazin vorzustellen. Aber welche Inhalte haben es ins fertige Magazin geschafft?

Wir haben uns überlegt, dass es verschiedene Kategorien geben soll. Unsere Unterteilung in Talents, Talks & Inspiration entstand. Bei den Talents findet man die Künstlerprofile, wo sich die Künstler vorstellen. Die Talks stellen die Interviews und Artikel im Magazin dar. Tutorials und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu kreativen Projekten findet man bei Inspiration. Da war uns besonders wichtig, dass es sich von den üblichen Handlettering-Anleitungen, wie Abwärtsstrich dick und aufwärts dünn schreiben, abhebt. Ich wollte keinen 0815-Input bieten. Deswegen gibt es in jeder Ausgabe #typefacts, wo wir wissenswertes zum Thema Schrift teilen.

Wer hat alles an den Artikeln für Typefaces gearbeitet?

Die Artikel habe ich zusammen mit den KünstlerInnen geschrieben. Es gab eine freie Mitarbeiterin, die mir bei den Anschreiben für die KünstlerInnen geholfen hat. Und eine Lektorin, die mir ihre Hilfe über Instagram angeboten hat. Das war auch echt bezeichnend für Typefaces, wie viele Menschen mir ihre Hilfe angeboten und uns Tipps gegeben haben. Aber sonst gab es keine freien Schreiber.

Inzwischen  wurden bereits zwei Ausgaben des Magazins herausgebracht. Die erste im November 2020 und die zweite im Mai 2021.

An wen soll sich das Magazin richten, wer sind die LeserInnen?

Typefaces ist ein Magazin für Menschen, die Interesse an Kunst, Kreativität und Lettering haben. In unseren Artikeln geben wir Tipps für die kreative Selbstständigkeit, ob nebenberuflich oder hauptberuflich. Wir teilen unsere Erfahrungen.

Bekommst du zu Typefaces auch Rückmeldungen von deinen LeserInnen?

Ja, ich bekomme so schöne und viele Nachrichten. Meine LeserInnen freuen sich riesig, wenn ihre Exemplare zuhause ankommen und sie diese endlich lesen können. Besonders gerührt hat mich diese Rückmeldung: „Ich habe mich wirklich sehr auf dein Magazin gefreut. Es in den Händen zu halten hat nochmal alles getoppt. Als ich dann die ersten Seiten gelesen habe, lief mir das ein oder andere Tränchen über das Gesicht. Dein Text über Träume, die Angst machen, hat mich kalt erwischt. Deine Worte machen Mut und ich habe mich lange nicht so verstanden gefühlt. Ich freue mich schon auf die nächsten Ausgaben und dabei zu sehen, wie du deine Träume Schritt für Schritt wahr werden lässt.“ Solche Nachrichten sind einfach Gold wert.

Was ist deine Vision für Typefaces?

Es soll genau so weitergehen wie bisher. Typefaces ist für mich etwas ganz Besonderes. Es ist für mich nicht nur ein Magazin, sondern ein Traum, den ich mir erfüllen konnte. Es soll ein bekanntes Magazin werden und für KünstlerInnen ein Meilenstein sein, in diesem zu erscheinen. Mein Traum wäre natürlich, dass das Magazin ein Standing in der Magazinbranche bekommt und man es am Kiosk kaufen kann. Großartig wäre es auch, wenn es mehrere tausend Abonnenten von Typefaces geben würde. Ich liebe es, mit Menschen in Kontakt zu treten und das ist auch ein Teil der Vision: Mehr Menschen kennenzulernen und den Austausch zu fördern. Typefaces stiftet Einheit und keinen Konkurrenzkampf. Das würde ich mir wünschen, dass dadurch mehr Einheit und Wertschätzung unter den Kreativen entsteht. Es soll eine Plattform werden, wo Menschen supportet werden und ihnen einen Platz gegeben wird, sich zu präsentieren.

Typefaces Magazin

Im Jahr erscheinen 2 Ausgaben (Mai und November) 

Exemplare der 2. Ausgabe: 3.500

Umfang: 110 Seiten

Preis: 14,90€

Erhältlich unter www.hintsundkunst.de oder im Buchladen.

Mehr Informationen zu Hints&Kunst und Typefaces gibt es bei Instagram (@hintsundkunst).

Mediengalerie

(Quelle: Katharina Hailom)