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Studium und Arbeit - Leistungsdruck Kranke Jugend

Psychischen Leiden werden zu Volkskrankheiten. Immer häufiger bekommen Studierende Diagnosen wie Depression und Burn-Out. Carina Plötz mit einer Kolumne über Leistungsdruck und psychische Erkrankungen.

Der Leistungsdruck steigt und die psychischen Erkrankungen gleich mit. (Quelle: iStock)

Alle scheinen zu jammern, wie gestresst sie doch sind. Mit Sicherheit kennt man jemanden, der bis zum Hals in Arbeit zu versinken scheint. Oder jemanden, der dank Stress über ständige Kopf- oder Rückenschmerzen klagt. Vielleicht ist man sich auch selbst betroffen?

Die Arztpraxen sind überfüllt, genauso wie PsychologInnen oder TherapeutInnen. Denn auch psychische Krankheiten scheinen heutzutage allgegenwärtig zu sein. Depressionen, Angststörungen, Panikattacken. Wahrscheinlich ist man schon das ein oder andere Mal über diese Begriffe gestolpert. Einige tun diese mit einem Lächeln ab, sprechen von einer Trenderscheinung. Aber kann eine ernsthafte Krankheit wirklich so einfach als Trend des 21. Jahrhunderts bezeichnet werden? Eine Gruppe, die in den letzten Jahren verstärkt betroffen ist, sind Studierende. Doch woran liegt es, dass ausgerechnet die jungen Leute immer häufiger erkranken und inwieweit ist diese Entwicklung tatsächlich neu?

Laut aktuellen Studien verschiedener Krankenkassen leiden 15 bis 20 Prozent der Studierenden an einer psychischen Krankheit. Der Barmer Ärztereport 2018 spricht davon, dass jeder sechste betroffen ist. Bei ungefähr 2.867.500 Studierenden in Deutschland, sind das rund 470.000 Personen. Weibliche junge Erwachsene sind dabei häufiger betroffen als männliche. Zudem steige mit zunehmendem Alter das Risiko bei Studierenden deutlich, an einer Depression zu erkranken. Fest steht, dass wir in einer Gesellschaft leben, die immer mehr fordert. Vor allem auf beruflicher Basis. Am besten hat man bei Bewerbungen schon mehrere Jahre Berufserfahrung vorzuweisen. Der Leistungsdruck wird immer höher. Oftmals wird die Bologna-Reform als Auslöser für diese verschärften Studienbedingungen genannt. Hinzu kommen finanzielle Sorgen, Zukunftsängste und häufig auch Bewegungsmangel. Betroffene verfallen in einen Teufelskreis. Durch psychische Krankheiten wird häufig die Konzentrationsspanne in Mitleidenschaft gezogen, die Angst zu Versagen steigt und auch wenn fleißig gelernt wurde, kann das eigentliche Potenzial nicht mehr vollständig abgerufen werden.

Wenn man an ältere Generationen denkt, so scheinen psychische Krankheiten tatsächlich eine relativ „neue“ Erscheinung zu sein. Kann man sie also wirklich als Trend bezeichnen? Vielleicht wurde vor einigen Jahren einfach nicht darüber gesprochen und Betroffene haben keine Hilfe in Anspruch genommen. Ein Grund, der sicherlich eine Rolle spielt, ist das gestiegene Bewusstsein für diese Krankheiten. Allerdings ist dies nur einer von vielen. Der Vorsitzende der Barmer-Krankenkasse sagte hierzu, dass heutzutage zwar mehr psychische Diagnosen als früher gestellt würden, die Zunahme der Krankheiten bei jungen Menschen trotzdem deutlich sei. Das diese öfter diagnostiziert werden, bestätigen auch die neuen Zahlen. Verglichen mit denen aus dem Jahr 2005 bekamen 38 Prozent mehr der Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren eine psychische Krankheit diagnostiziert.

Die Globalisierung spielt auch bei diesem Thema eine wichtige Rolle. Die heutige Gesellschaft ist sehr nervös. Es bleibt kaum Zeit zur Ruhe zu kommen. Als Folge der Globalisierung und der damit einhergehenden wachsenden Vernetzung stehen Studierende besonders unter Druck, da sozusagen ein weltweiter Wettbewerb stattfindet. Vereinzelte Krisen in der Studienzeit sind normal und menschlich. Menschen entwickeln sich, lernen neue Fertigkeiten und haben deshalb womöglich mit der ein oder anderen Existenzfrage zu kämpfen. Mit psychischen Krankheiten kann dies jedoch nicht verglichen werden. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass Depressionen sich bis 2020 zur zweithäufigsten Volkskrankheit entwickeln werden.

Wir leben mittlerweile in einer viel aufgeklärteren Gesellschaft als früher. Wir wissen mehr über unseren Körper und unsere Psyche. Bei Problemen ist es heute  leichter, sich Hilfe zu holen. Oftmals ziehen wir aber nicht die Reißleine oder verpassen den Punkt, an dem eine Pause gut tun würde. Und nur weil man ein Problem angeht, verschwindet es nicht direkt. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir uns in Zukunft in die richtige Richtung bewegen werden und unserem Körper und Geist öfter mal eine Auszeit gönnen können. Vor allem, da Generation Y und Z die Zukunft der Wirtschaft sind, ist es wichtig, dass diese Menschen nicht schon vor dem Berufseinstieg erkranken und so ihre Zukunftspläne gefährden. Zudem sollten psychische Krankheiten von der Gesellschaft mehr anerkannt werden. Sie sind weder Einbildung, noch ist es das Ziel der Betroffenen, irgendwelchen Trends nachzueifern. Sie sollten ernst genommen werden. Das wäre schon der erste Schritt Richtung Besserung.