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Studium und Arbeit InfluencerIn – Ein echter Beruf?

InfluencerInnen erreichen auf Instagram tausende, manchmal Millionen von Menschen. Trotzdem wird ihr Beruf oftmals belächelt. Was wirklich hinter dem Influencer-Sein steckt, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

Eine Influencerin bei der Arbeit (Quelle: zur Verfügung gestellt von Hannah Pot D’or)

Hannah Pot D’or ist laut allgemeinen Verständnis Influencerin. Die gebürtige Bremerin hat 106 000 Follower auf Instagram und verdient ihren Lebensunterhalt durch bezahlte Kooperationen mit Modeunternehmen. Die 25-Jährige hat ursprünglich einen klassischeren Berufsweg eingeschlagen. Nach dem Abitur hat sie Modejournalismus und Medienkommunikation studiert und anschließend einige Jahre als fest angestellte Stylistin gearbeitet. Aus Freude am Fotografieren und dem Interesse an Mode fing sie an Fotos auf Instagram zu posten. Anfangs hat sie nicht daran geglaubt, dass sie damit tatsächlich Geld verdienen würde. Zwei Jahre später kündigte Hannah ihren festen Job und arbeitet seitdem hauptberuflich als Influencerin. Wie viele ihrer KollegInnen wird sie jedoch nicht gerne als Influencerin betitelt. Hannah beschreibt es so: „Ich finde wir leben in einer Gesellschaft, in der Influencer Bashing in den Medien nahezu zum Alltag gehört. Ich kenne viele, die eine Art Schamgefühl verspüren, wenn sie so genannt werden“. Dabei sei die Arbeit als InfluencerIn nicht so leicht, wie es häufig dargestellt wird. „Wenn die Plattform als etwas genutzt wird, um seine Kreativität auszuleben oder seine Gedanken mit der Welt zu teilen, dann steckt da mehr Arbeit hinter als die meisten Menschen annehmen“, betont Hannah.

InfluencerIn – zwischen Unternehmertum und „belächelt werden“

Für eine hauptberufliche Tätigkeit als InfluencerIn ist die Zusammenarbeit mit WerbepartnerInnen unumgänglich. Instagram selbst zahlt nicht. Möchte man nicht den vorgefertigten InfluencerInnen Briefings der Agenturen folgen, muss man eigene Konzepte entwerfen, Budgets einplanen und einen Zeitplan festsetzen. Quasi genauso, wie MitarbeiterInnen einer Werbeagentur das in ihrer täglichen Arbeit auch machen, nur mit den zusätzlichen Risiken der Selbstständigkeit. Viele bringen in diesem Fall das Gegenargument, dass man seine Kreativität und Gedanken auch völlig ohne WerbepartnerInnen ausleben kann. Sicherlich entspricht dies der Wahrheit. Dennoch bestimmt in einer kapitalistischen Gesellschaft, die Nachfrage das Angebot. Wenn Menschen aus ihrem Hobby einen Beruf machen, weil die aktuelle Marktlage es hergibt, dann sei dies laut Hannah „nichts Verwerfliches“. Weiter führt die Bremerin aus: „Es gibt diese Art von Influencer, die wirklich Menschen beeinflussen, die authentisch sind (...), die ihren Followern trotz beziehungsweise gerade durch eine Kooperation einen Mehrwert bieten. Es gibt zudem auch immer mehr Influencer, die kritische Themen, wie Nachhaltigkeit thematisieren“. Dennoch werden auf der anderen Seite, InfluencerInnen in der Presse gerne als „Avatare des Kapitalismus“, „Marketingtools“ oder auch als der „reinste Kindergarten“ bezeichnet. Das Wort „Beruf“ fällt selten und oftmals nur in einem abwertenden Zusammenhang. Dabei gibt es InfluencerInnen, die mit ihrer großen Reichweite für viele Menschen ein positives Vorbild sind. Dass hinter den Zahlen auf Instagram echte Menschen stecken, zeigt dieser Filmbeitrag über den Bloggerflohmarkt in Berlin.

Der Ruf der InfluencerInnen

Dass es in einer Gesellschaft hoch angesehene und weniger angesehene Berufe gibt, ist wenig verwunderlich. So sind zum Beispiel Versicherungsvertreter und Politiker eher unbeliebte Berufe. InfluencerInnen hingegen tauchen in solchen Statistiken oft gar nicht auf. Der Grund hierfür liegt wahrscheinlich an der Tatsache, dass InfluencerIn nicht offiziell als Beruf anerkannt wird. Da stellt sich die Frage: Wieso sind InfluencerInnen, obwohl sie eine so große Reichweite haben und erfolgreich ein Geschäftsmodell etabliert haben, so in Verruf geraten? Schließlich werden sie in zahlreichen Marketingsachbüchern als Online-Meinungsführer dargestellt, die eine wichtige Rolle im Marketing-Mix einnehmen.

Die Zahl der InfluencerInnen Agenturen hat sich innerhalb der letzten 3 Jahre mehr als verdoppelt. InfluencerInnen Marketing stellt nach wie vor einen großen Trend in der digitalen Geschäftswelt dar. Unternehmen planen jährlich ein Budget dafür ein, dass InfluencerInnen ihre Marken bewerben. Während vor wenigen Jahren nur ein vergleichsweise kleiner Kreis von deutschen BloggerInnen von bezahlten Kooperationen profitiert hat, werden zunehmend auch sogenannte Micro-InfluencerInnen für Unternehmen interessant. Micro-InfluencerIn ist man bereits ab fünftausend Followern und kann damit bereits im „InfluencerInnen Business“ mitmischen. Unternehmen sind eher dazu bereit für Instagram Posts zu bezahlen oder kostenlos Produkte in Form von „Gifting Kooperationen“ zur Verfügung zu stellen als noch vor fünf Jahren. Dadurch ist der Markt aber auch überfüllt von InfluencerInnen und Produktplatzierungen, die zu einer schwindenden Glaubwürdigkeit beitragen. Glaubwürdigkeit und Authentizität, etwas was ursprüngliche Influencer im Vergleich zu den klassischen massenmedialen Werbeinhalten ausgezeichnet hat, geht zunehmend verloren.

Die Entstehung des problematische Begriffsverständnis InfluencerIn

Die Online-Meinungsführer auf Instagram haben es geschafft, die Aufmerksamkeit von Millionen Menschen zu gewinnen. Schon einige Zeit bevor sich der Begriff „InfluencerIn“ etabliert hat, folgten viele Menschen der Generation Y ausgewählten Instagram NutzerInnen, die uns einen Einblick in ihr alltägliches Leben gaben und Produktempfehlungen aussprachen. Zu dieser Zeit wusste keiner wie man diese Menschen bezeichnen soll. Sie redeten mit ihren Followern als wären sie gute FreundInnen, gaben Ratschläge und Produktempfehlungen. Im Laufe der Zeit entstanden viele Begriffe um die Instagram-Berühmtheiten zu betiteln, zum Beispiel Content Creator, InstagrammerIn oder auch InstabloggerIn. Doch keine von den zahlreichen Begriffsdefinitionen hat sich so durchgesetzt wie „InfluencerIn“.

Liegt das Problem des schlechten Rufs womöglich im Begriffsverständnis? Wenn wir daran denken „beeinflussbar zu sein“ oder unter dem Einfluss von jemandem zu stehen, hat dies einen negativen Beigeschmack. Schließlich fühlen sich Menschen grundsätzlich als freie Wesen, die eigenständige Entscheidungen treffen. „BeeinflusserIn“ unterstellt ein unausgeglichenes Machtverhältnis. Es gibt jemanden der beeinflusst und jemanden der sich beeinflussen lässt. In diesem Fall wäre es das Verhältnis von InfluencerInnen zu ihren Followern. Es stößt uns negativ auf, dass nahezu jeder als BeeinflusserIn betitelt wird. Unser moralisches Radar meldet sich da schnell und verurteilt pauschal „InfluencerInnen“. Aktuell wird an einem Ethik-Kodex für InfluencerInnen gearbeitet, der künftig genau solche Herausforderungen in der InfluencerInnen-Kommunikation eindämmen möchte.

Im Jahr 2019 ist das Thema „InfluencerInnen“ kein Neues mehr und eine differenzierte Betrachtungsweise des Berufszweigs ist wünschenswert. Denn genauso wie nicht zwangsläufig jeder Versicherungsvertreter schlechte Absichten bei seiner beruflichen Tätigkeit verfolgt, lassen sich auch nicht alle InfluencerInnen über einen Kamm scheren.