Direkt zu den Inhalten springen

Studium und Arbeit - Students abroad Einmal Collegeluft schnuppern

Studieren in den Staaten – so cool, wie es uns Hollywood immer zeigt? Campus38 hat mit drei deutschen Studierenden über ihre Eindrücke und Erfahrungen vom amerikanischen Collegeleben gesprochen.

Studieren an einem amerikanischen College: Marcel und Grace (links bei ihrer Graduation) berichten. (Quelle: Marcel Lücke/Grace Morrissey)

Campus38: Was hat euch an amerikanischen Universitäten gefallen?

Antje (Berkeley University of California): Der Campus als solcher ist super und unheimlich multikulturell. Die Bibliothek ist riesig. Wir haben uns immer sicher gefühlt und ganz witzig war, dass wir außerhalb des Uni-Geländes immer von einem Security Service nach Hause gebracht wurden.

Marcel (CSUN California State University): Die Studis haben dort eine ganz andere Beziehung zu ihrer Uni. Sie identifizieren sich mit ihr. Vor allem beim Collegesport ist mir das aufgefallen: Einmal UCLA-Fan, immer UCLA-Fan. Der Zusammenhalt ist irgendwie stärker. Auch beim Campus wird viel mehr Wert aufs Detail gelegt.

Campus38: Was war eher nachteilig beziehungsweise was ist euch negativ aufgefallen?

Antje: Vor Ort herrscht eine regelrechte Ellenbogen-Mentalität. Die Profs haben uns dazu animiert, die anderen schlecht zu machen, wenn wir gut abschneiden wollten. Bei Gruppenpräsentationen gab es beispielsweise Pluspunkte bei Negativkritik. Nach jeder Stunde hat der Prof Punkte für Negativ- und Positivkommentare verteilt.

Marcel: Die Endnoten fließen dort aus Faktoren wie Mitarbeit, Hausaufgaben und Anwesenheit zusammen. Außerdem herrscht Anwesenheitspflicht, was neben den wöchentlichen Abgaben schon stressig werden konnte. Dementsprechend war aber das Niveau der Abschlussprüfungen relativ niedrig und diese wurden nur zu zwanzig Prozent gewichtet.

Fabian (California State University Channel Islands): Ich finde, dass der Staat die Leute in Amerika geistig klein hält. Auf dem College hat man das Gefühl, von der Lernatmosphäre her in einem Kindergarten zu sein und vom Stoff der 8. Klasse eines Gymnasiums.

Antje: Die Anzahl der sehr guten Noten, also A+, gibt es dort nur in begrenzter Anzahl, nicht wie hier, wo theoretisch jeder die Chance auf eine 1,0 hat. Dementsprechend ist der Leistungsdruck enorm.

Marcel: Studieren in Amerika ist alles, aber nicht billig. Meine Semestergebühren beliefen sich auf 7.600 Euro. Das konnte ich auch nur durch das Auslands-Bafög, das Teilstipendium der Ostfalia und mein Kindergeld finanzieren.

Fabian: Irgendwie sind die Amis von der Art her falsch. Ich habe noch zu drei Leuten, von allen die ich dort getroffen habe, ganz losen Kontakt. Und das, obwohl wir teilweise jedes Wochenende zusammen verbracht haben.

Antje: Auf dem Campus wird eine künstlich heile Welt geschaffen und außerhalb trifft man auf Armut und die harte Realität.

Fabian: Ich habe viele Leute getroffen, die mit Amerika nicht so zufrieden sind. Einer meinte und ich zitiere: Ihr Europäer wollt alle nach Amerika, aber wir wollen einfach nur raus.

Ivy League weit vorn


In einem der bekanntesten Hochschulrankings, dem sogenannten Academic Ranking of World Universities (ARWU), werden jährlich die Spitzen-Universitäten der Welt gekürt. Unter die Top 10 fallen dabei acht amerikanische Universitäten. Unter anderem sind hier die Hochschulen der Ivy-League gelistet, die sich im Nordosten der USA befinden und mit ihren Sportmannschaften eine eigene Liga im US-amerikanischen Hochschulsport bilden. Sie gelten als einige der angesehensten Unis weltweit. Es reihen sich jedoch auch europäische Unis in das Ranking ein. Die Chancen auf eine gute Bildung und Jobmöglichkeiten scheinen demnach nicht nur Übersee zu bestehen, sondern auch hier realisierbar zu sein.

Grace Morrissey studiert an der University of Illinois in Chicago und erklärt Campus38, wie ein Studium an einer amerikanischen Universität im Allgemeinen verläuft.

Grace: Um den Grad des Bachelors zu erreichen, muss man vier Jahre studieren. Entscheidet man sich für eine Uni im eigenen Bundesstaat, wird es billiger, weil man dann bereits Steuern an den Staat zahlt. Gehst du an eine Universität außerhalb deines Staates oder an eine private Uni, wird es sehr viel teurer. Eine staatliche Uni kostet in der Regel 15.000 bis 30.000 Dollar im Jahr, wohingegen eine private Uni bis zu 65.000 Dollar kosten kann.

Campus38: Wie kann man solche Summen finanzieren?

Grace: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder du hast reiche Eltern, die das finanzieren können, was bei den meisten der Fall ist. Oder du hast wie ich zwei weitere Geschwister und musst ein Studiendarlehen (student loans) beantragen. Dementsprechend gehst du hoch verschuldet in das Berufsleben. Ich zahle jetzt monatlich Raten, um den Kredit zurückzuzahlen.

Campus38: Was sind deine Eltern von Beruf?

Grace: Mein Vater ist Anwalt und meine Mutter arbeitet in der Verwaltung der Feuerwehr. Wir gehören nicht zu den reichsten Familien, aber wir sind auch nicht arm.

Campus38: Wie ist das Leben in einer studentischen Verbindung? Spielen uns die Hollywood-Filme nur was vor oder entsprechen sie der Realität?

Grace: Meine Verbindung nennt sich „The Sorority Kappa Kappa Gamma“. Ich habe es geliebt, Teil der Verbindung zu sein. Sie bot mir ein soziales Umfeld und Unterstützung im Studium oder bei der Jobsuche. Die Partys sind teilweise wirklich, wie es uns Hollywood vormacht. Jedoch sind die meisten Filme eine Übertreibung unserer Verbindung. Beispielweise ist es den Sororities, also den Verbindungen der Mädchen, nicht gestattet, Alkohol zu trinken oder Partys zu veranstalten.

Fabian: Also die Partys sind schon so, wie man sie aus den Filmen kennt. Das ganze Haus platzt aus allen Nähten, die Küche wird zum Dancefloor, überall wird Beerpong gespielt und es kreist eine riesige Flasche Tequila. Nicht selten kam die Polizei, die dann die Party dicht gemacht hat. Amerika, das Land der (un-)begrenzten Möglichkeiten.

Wohin soll es gehen?


Auslandserfahrungen lassen einen wachsen, glauben viele Studierende und gehen es an. Doch wohin soll es gehen? Das Fachportal-Netzwerk „Initiative Auslandszeit“ hat sich zur Aufgabe gemacht, genau diesen jungen Menschen den richtigen Weg ins Ausland zu weisen. 32.000 junge Leute wurden zu ihren Motiven und Interessen rund um das Thema Auslandsaufenthalt befragt. Das Ergebnis: 18 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich für einen Aufenthalt in Nordamerika interessieren. Das statistische Bundesamt zeigt in einer Veröffentlichung zu Studienaufenthalten deutscher Studierender, dass die USA zu den fünf beliebtesten Zielstaaten für ein Auslandssemester zählen. Die drei wichtigsten Zielländer der Studierenden sind Österreich, die Niederlande und Großbritannien. Knapp 138.000 Deutsche studieren derzeit im Ausland.

Campus38: Eine Frage an alle: Denkt ihr, dass Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist?

Antje: Ja! Im Sinne von guten und schlechten Möglichkeiten. Jeder hat das Zeug dazu, durch eine geniale Geschäftsidee, Millionär zu werden. Gleichzeitig kann auch jeder obdachlos werden. San Francisco ist beispielsweise bekannter für seine Obdachlosen als für die Golden Gate Bridge. In Deutschland haben wir alle Möglichkeiten der Welt, wir sind jung. Wir müssen nur was daraus machen. Die Amis können genauso tief fallen.

Marcel: Es kommt darauf an, wo du studierst. In Amerika ist es enorm wichtig, auf einer großen beziehungsweise bekannten Uni zu studieren. Wer sich ein Studium an der UCL oder Harvard leisten kann, hat klare Vorteile. Dennoch denke ich, dass es jeder schaffen kann – sowohl hier als auch dort.

Fabian: Die Möglichkeiten sind meiner Ansicht nach eher eingeschränkt, sodass die Leute doof bleiben. Ich denke auch, dass die Fachkräfte von den Unis, vielleicht ganz abgesehen von den Elite-Unis wie Berkeley oder Harvard, mit der internationalen Konkurrenz Indiens, Chinas und Europas vom geistigen Niveau her kaum mithalten können. American Dream ist Bullshit. Du kannst in Europa wahrscheinlich einfacher deinen Traum verwirklichen als da. Hast du nicht genug Kontakte, keine gute Bildung genossen und keine guten Ideen, bist du nichts.

Grace: Ich denke, Amerika hat großartige Möglichkeiten. Obwohl unsere Bildung so teuer ist, ist sie eine der besten der Welt. Deswegen sind unsere Jobchancen besser. Nicht ohne Grund kommen so viele Menschen, vor allem Asiaten, an eine amerikanische Uni. Es ist keine Lüge, dass wir einige der besten Universitäten der Welt haben.