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Studium und Arbeit - Studium, Karriere Das Phänomen Studienabbruch

In Deutschland bricht etwa jeder dritte Bachelor-Studierende das Studium vorzeitig ab. Doch woran liegt das eigentlich? Fehlende Motivation ist nur einer von vielen Gründen, warum der Abgang von der Universität oder Hochschule schneller naht, als anfangs gedacht.

Die Reihen im Hörsaal lichten sich im Laufe des Studiums. Grund dafür sind unter anderem Studienabbrecher (Quelle: iStock)

In Deutschland bricht etwa jeder dritte Bachelor-Studierende sein oder ihr Studium vorzeitig ab. Liegt das an fehlender Intelligenz oder Motivation?

Die Klausuren sind geschrieben, die Semesterferien stehen vor der Tür. Endlich kann jeder Studierender machen, was er oder sie wirklich will. Aber dann stellt sich häufig die Frage: Was will ich denn eigentlich? Ist der Studiengang der richtige für mich? Auch ich stand vor diesem Problem. Mein erster Studiengang, Wirtschaftsrecht, war einfach nichts für mich. Ich fühlte mich fehl am Platz und der tägliche Gang in den Hörsaal war eine Qual. Aber nicht nur mir geht es so: Laut einer Studienabbruchstudie aus dem Jahr 2016, brechen circa 28 Prozent aller Bachelor-Studierenden an Fachhochschulen ihr Studium vorzeitig ab. An Universitäten sind es sogar 32 Prozent. Oft hört man in deutschen Universitäten von seinem Professor den berühmten Satz: „Sehen Sie sich einmal um, laut Statistiken, werden Sie ihren Sitznachbarn bei ihrem Abschluss nicht mehr antreffen.“ Verwirrte Gesichter im ganzen Hörsaal, denn zu diesem Zeitpunkt denkt niemand an einen Studienabbruch. Auch ich hätte nicht gedacht, dass dieser Satz einmal auf mich zutreffen würde.

Ich entschied mich also für ein neues Studium und wusste, dass ich auf jeden Fall in die kreative Richtung gehen möchte. Nun ist das erste Semester rum und ich muss sagen, ich hätte nicht gedacht, dass ein Studium so viel Spaß machen kann. Ich bin angekommen. Doch auch in meinem neuen Studium konnte ich beobachten, dass der Hörsaal immer leerer wurde. Die ersten neuen Bekanntschaften? Nach zwei Wochen war der Erste verschwunden. Auf Anfrage, ob er krank sei, kam nichts. Gar nichts. Wochen vergingen und immer noch keine Antwort in Sicht. Verständlich, denn oftmals ist ein Studienabbruch mit Scham verbunden. Die Fragen an sich selbst häufen sich. Bin ich zu dumm? Warum gefällt allen der Studiengang, nur mir nicht? Warum habe ich mich nicht von vornherein für ein anderes Fach oder sogar eine Ausbildung entschieden? Wie geht es weiter?

In meinem Bekanntenkreis kann ich dies ebenfalls beobachten. Erst kürzlich kam eine Freundin komplett aufgelöst auf mich zu und meinte, dass das Jura-Studium nichts für sie sei. Drei Semester für die Katz. Das sind eineinhalb Jahre ihres Lebens, die sie mit einem Studium verbracht hat, das ihr gar nicht gefällt. Eigentlich wusste sie seit Beginn des zweiten Semesters: Das ist nichts für mich. Warum also drei Semester studieren? Oft sind die eigenen Eltern das Problem. Viel zu groß ist die Angst vor dem Gespräch mit ihnen. Einen halben Nervenzusammenbruch später reagieren diese oftmals geschockt und sind verärgert. Das Kind hätte es doch besser wissen müssen oder soll das Studium doch einfach durchziehen. Leicht gesagt, nicht einfach umzusetzen. Es ist schon verständlich, dass Eltern leicht verärgert sind, dennoch sollten sie ihr Kind in dessen Entscheidung unterstützen. Meine Eltern waren auch leicht verärgert, doch sie standen zum Glück hinter mir.

An fehlender Intelligenz liegt ein Studienabbruch also in den meisten Fällen nicht. Vielmehr liegt es an der fehlenden Motivation, für ein Fach zu lernen, welches einem nicht gefällt. Deshalb ist es enorm wichtig, sich von vornherein umfassend über sein potenzielles Studium zu informieren, mit Studierenden und Professoren zu sprechen, die Hochschule zu besuchen. Da reicht ein einfaches Überfliegen der Hochschul-Website nach dem Motto „wird schon passen“ nicht aus.