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Studium und Arbeit - Selbstständigkeit (Alp)traum Selbstständigkeit

Vom ewigen Jugendtraum bis hin zur Arbeitslosigkeit: Es gibt viele Gründe für die Selbstständigkeit. Wie können UnternehmerInnen die Existenzgründung finanzieren und wie unterstützt der Staat dabei?

Bis die Einnahmen eines Unternehmens die Ausgaben decken, können finanzielle Zuschüsse und Kredite dessen Überleben am Markt sichern.(Quelle: iStock)

Im Jahr 2017 arbeiteten laut Angaben des Statistischen Bundesamts rund 4,1 Millionen Menschen in Deutschland als Selbstständige. Selbstständig sein bedeutet die Arbeitszeit flexibel einteilen zu können, keine Vorgesetzten zu haben und finanziell unabhängig zu sein. Für viele ArbeitnehmerInnen in langjährigen Beschäftigungsverhältnissen mag das wie ein Segen klingen. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch ein unsicheres Einkommen, die oftmals langwierige Suche nach PartnerInnen und Sponsoren sowie unsichere Erfolgschancen. Besonders die Finanzierung des Unternehmens und die Verwaltung des Budgets stellen JungunternehmerInnen vor Herausforderungen. FinanzberaterInnen können GründerInnen bei der Wahl zwischen verschiedenen Finanzmitteln unterstützen, das bedeutet gleichzeitig jedoch zusätzliche Kosten. 

Zuschüsse helfen GründerInnen und Staat

Die wohl beliebteste Variante der finanziellen Unterstützung sind Zuschüsse. Diese werden meist durch den Staat finanziert und müssen von GründerInnen nicht zurückgezahlt werden. Die Zuschüsse können von verschiedenen Zielgruppen bezogen werden, jedoch variiert die Höhe der Gelder. Der bürokratische Aufwand vom Antrag bis zur Auszahlung ist relativ hoch.

Zu einer der Zielgruppen, an die sich staatliche Zuschüsse richten, zählen Studierende. Das Förderprogramm EXIST ist speziell auf diese Zielgruppe ausgerichtet. Es umfasst drei Programmlinien: Gründungskultur, Gründerstipendium sowie Forschungstransfer. Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Programm ist eine Gründungsidee, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Viele Studierende entwickeln erste Gründungsideen bereits während der Masterarbeit. Daher richtet sich diese Förderungshilfe ausschließlich an Studierende und Hochschulabsolventen.  EXIST wird von dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. Der Zuschuss kann bis zu 3.000 Euro monatlich betragen. Ziel des Staates ist es, die Anzahl und den Erfolg technologieorientierter und wissensbasierter Unternehmensgründungen durch das Programm zu erhöhen.  

 Eine weitere Zielgruppe staatlicher Zuschüsse sind arbeitslose Menschen: Der deutsche Staat ist an der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit interessiert. Arbeitslose, die Arbeitslosengeld beziehen, können bei der Agentur für Arbeit einen Gründungszuschuss beantragen. Voraussetzung ist die Aufnahme einer selbstständigen, hauptberuflichen Tätigkeit, die die Arbeitslosigkeit beendet.

Beschränkte Sozialversicherungspflicht für Gründer

GründerInnen, die hauptberuflich selbstständig sind, profitieren von einer weiteren staatlichen Regelung:  Sie sind von der Sozialversicherungspflicht befreit, das heißt sie unterliegen nureiner beschränkten Sozialversicherungspflicht. Verglichen mit ArbeitnehmerInnen in einem festenBeschäftigungsverhältnis, sparen Selbstständige so Kosten ein. Ausnahmen sind Selbstständigein handwerklichen oder landwirtschaftlichen Berufen.

Zwischen Bankfesseln und sicherer Geldquelle

Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit eines Unternehmens ist das Aufnehmen von Krediten: Kreditinstitute verleihen Geld an Gründer, das diese nach einiger Zeit mit Zinsen zurückzahlen. Bei Bankkrediten variieren Gründerdarlehen zwischen 25.000 Euro und mehreren 100.000 Euro. Der Betrag hängt vom Risiko für die Bank ab. Dieses wird mit Hilfe eines Businessplans eingeschätzt, den GründerInnen bei der Bank einreichen.  Neben den Zinskosten gibt es zwei weitere wichtige Entscheidungsfaktoren: Die tilgungsfreie Zeit und die Möglichkeit, das Darlehen ohne teure Zusatzgebühren ganz oder teilweise vorzeitig zurückzuzahlen. Auch diese Faktoren variieren zwischen den Kreditinstituten. 

Neben Bankkrediten gibt es auch Förderkredite. Die Förderbank des Bundes (kFW) vergibt Förderkredite in ganz Deutschland. Förderkredite werden neben Gründung auch für Innovation und Wachstum vergeben. Bei vielen dieser Kredite müssen GründerInnen zunächst nur die Zinsen zurückzahlen. Diese sind meistens niedriger, als bei einem Bankkredit. Der geliehene Kreditbetrag wird erst nach Ablauf einer zuvor definierten Zeit zurückgezahlt. Ähnlich wie bei den Förderungsprogrammen durch Zuschüsse, ist auch hier das Interesse des Staates, Unternehmensgründungen zu fördern. Langfristig wird so das Ziel erreicht, Arbeitslosigkeit in Deutschland zu verringern.

Politik unterstützt GründerInnen

Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, motivierte die GründerInnen auf der Gründerwoche 2018: „Wir brauchen Gründerinnen und Gründer, die mit Kreativität, neuen Geschäftsmodellen und Fleiß dafür sorgen, dass Deutschland innovativ und wettbewerbsfähig bleibt“. Die Gründerwoche, auch Global Entrepreneurship Week genannt, findet weltweit in 170 Ländern statt und bietet Veranstaltungen rund um das Thema Selbstständigkeit.

Eigenkapital – Schnelles Geld oder finanzieller Ruin?

Nicht alle GründerInnen wollen abhängig von Banken oder Auflagen des Staates sein. Sie finanzieren ihr Unternehmen durch Eigenkapital. Das Risiko des Verlustes ist relativ hoch. Die Unternehmen wachsen aus dem sogenannten Cashflow, den monatlich übrigbleibenden Finanzmitteln. Durch die Digitalisierung lassen sich Produkte und Dienstleistungen schon mit wenig Kapital an den Markt bringen. Ausschlaggebend für den Erfolg des Unternehmens ist jedoch ein strikter Finanzplan, der keine riskanten Investitionen enthält. Setzt sich das Unternehmen am Markt durch und fährt Erfolge ein, können GründerInnen ihr Kapital nach einiger Zeit zurückgewinnen.

Wird die Zukunft selbstständig(er)?

In Deutschland haben GründerInnen also verschiedene Möglichkeiten ein Unternehmen zu finanzieren. Der Staat ist an einem Zuwachs an Selbständigen interessiert. Nicht nur die Arbeitslosenquote kann durch Selbstständigkeit gesenkt werden, auch wirtschaftliche Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Ländern können durch die innovativen Ideen der GründerInnen erzielt werden. Förderprogramme und Zuschüsse können die Existenzgründung in Deutschland erleichtern. Mit Erfolg? Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen: Die Anzahl der Selbständigen von 1992 bis heute ist gestiegen. Ein gewisses Risiko bei der Unternehmensgründung bleibt aber auch in Zukunft weiterhin bestehen.