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Politik und Debatte - Geldwirtschaft Wissen Sie eigentlich, woher Ihr Geld kommt?

Geld ist omnipräsent in unserer Welt. Ganz automatisch regelt es unsere Zahlungen und Einkünfte. Trotzdem wissen die meisten nicht, wo es herkommt, und wie Bankensystem und Zahlungsverkehr zusammenhängen.

Wo genau kommt unser Geld eigentlich her? (Quelle: istock/fcafotodigital)

Wie genau funktioniert das eigentlich mit dem Geld?  So gut wie jeder von uns besitzt ein Girokonto bei irgendeiner Bank. Das Geld, was man dort lagert, nennt sich Giralgeld und entsteht aus Einnahmen durch zum Beispiel Arbeitslosengeld, berufliches Einkommen oder Kredite, die man aufnimmt. Aber wo kommt das Geld ursprünglich her? Umfragen haben ergeben, dass ein Großteil der Bevölkerung der Meinung ist, dass Geld nur von der Zentralbank erschaffen werden kann.  Das stimmt jedoch nicht.  Denn weder die Zentralbank noch die Regierungen entscheiden über die Zuteilung des Geldes.   Auch eine Umfrage des Ökonom Richard Werner aus dem Jahr 2013 in Frankfurt bestätigt diese Annahme. 84 Prozent der Befragten glaubten, dass entweder die Zentralbank oder die Regierung das Geld produziere und über dessen Verteilung entscheide.

Vom materiellen zum immateriellen Gut

Wenn Geld weniger Wert wird, also man für einen Euro weniger kaufen kann als zuvor, spricht man von einer Inflation. Doch wie kommt es zu dieser Geldentwertung und was sind die Folgen einer Inflation?

Richtig ist, dass Zentralbanken vom Staat das alleinige Recht erhielten Geld zu drucken um dadurch die Geldwertstabilität zu kontrollieren. So wird einer Inflation des Geldes entgegengesteuert. Doch ist die Kontrolle über die Inflation ist durch die Zentralbank keineswegs garantiert.

In einem modernen Finanzsystem wird ein Großteil des Geldes nämlich durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken geschaffen. Bei einem Immobilienkredit zum Beispiel, fragen Banken nicht etwa eine gewisse Summe von der Zentralbank oder des Staates an, weder geht sie an Geldreserven anderer Kunden deren Geld dort eingezahlt ist. Die gewünschte Kreditsumme wird einfach per Computer in das System eingetragen und der Kreditwert erscheint als neue Zahl im System. Die widersprüchliche Situation heutzutage liegt also darin das private Banken zwar kein Geld drucken, sehr wohl aber Giralgeld erschaffen können. Buchgeld, wie das Giralgeld auch genannt wird, ist sozusagen immaterielles Geld. Das heißt es existiert nur in einem Buch oder als Zahl in den Computern der Banken.

Banken schaffen also Geld. Zwar hat kein Gesetz den Banken das direkt erlaubt – verboten ist es aber auch nicht. Paragraf 14 der Gesetze über die Deutsche Bundesbank besagt, dass nur die Zentralbank das Recht hat Bargeld zu drucken und in Umlauf zu bringen. Also können Banken kein Bargeld drucken, sehr wohl aber Buchgeld erschaffen. Der Fachbegriff für diesen Vorgang lautet Bilanzverlängerung. Jedoch ist keine Bank völlig losgelöst von der Welt und kann somit endlos viel Geld erzeugen. Sie tut das, wie Paul Schreyer in seinem Buch „Wer regiert das Geld?“ sagt, „im Vorgriff auf zu schaffende Werte“. Das neue Geld ermöglicht – bei vernünftiger Verwendung – eine Ausweitung der Produktion, ist also im wahrsten Sinne des Wortes eine Vorfinanzierung. An sich nichts Schlechtes. Insofern ist Geldschöpfung auch immer ein Akt des Vertrauens in eine gewinnbringende wirtschaftliche Entwicklung, welche die Waren und Werte hervorbringen soll, die später einmal die Deckung für dieses Geld sein werden. Dieses Prinzip ist jedoch lückenhaft, da dieses Geld nicht nur für eben benannte Geschäfte verwendet wird.

Nur Bares ist Wahres?

Warum Banken dies machen können liegt einerseits daran, dass sie über unser aller Zahlungssystem und die Buchhaltung unserer Konten verfügen, in denen nur sie Eintragungen und Änderungen vornehmen können. Zum anderen – was sehr entscheidend ist – sind sie nicht verpflichtet, die Girokonten ihrer Kunden, also „unser Geld“, vom eigenen Vermögen in der Bilanz zu trennen. Wenn zum Beispiel ein Kunde seine Bank beauftragt Wertpapiere für ihn zu kaufen, dann werden diese Papiere tatsächlich treuhänderisch verwahrt. Sie sind also greifbar, wie Geld in einem Safe, und gehören nicht zur Bilanz des Geldinstituts. Geht die Bank insolvent, bleibt dieser Safe unangetastet und der Kunde behält seine Wertpapiere. Grundverschieden verhält es sich mit Girokonten. Das Geld darauf wird nicht treuhänderisch verwahrt, sondern ist Teil der Bilanz. Nur aufgrund dieser erlaubten Vermischung können Banken überhaupt Geld schöpfen, ohne dass es auffällt und ohne, dass man es in ihrer Bilanz ablesen kann. Dort hat es den Anschein, als hätte das Geld für die Kredite schon vorher im Vermögen der Bank existiert.

Tatsächlich aber passiert folgendes: Kommt die Bank mit dem Kunden überein einen Kredit zu vergeben, dann bedeutet das aus Bilanzsicht, dass eine Verbindlichkeit gegenüber dem Kunden entsteht, diese aber nicht durch eine Zahlung ausgeglichen wird. Die Bank verringert eben kein anderes Konto um den vereinbarten Kreditbetrag. Es findet keine Überweisung statt. Stattdessen benennt die Bank einfach einen Bilanzposten um. Banken verleihen also eigentlich kein Geld, sondern geben lediglich elektronische Gutscheine auf Geld heraus, die aber von allen anderen wie Geld angesehen und akzeptiert werden. Giralgeld ist sozusagen ein Anspruch auf Papiergeld. Wenn nun Kreditnehmer sich ihren gesamten Kredit in Bargeld auszahlen lassen wollen, müsste die Bank dies tun und so Geldscheine von der Zentralbank anfordern oder eigene Bargeldreserven anbrechen.

Die Banken geben also Gutscheine auf staatlich geschaffenes Geld aus. Sie können das tun, weil es ihnen gelungen ist, die Konten aller Bürger zu führen und damit das Zahlungssystem insgesamt zu kontrollieren. Das ist der Schlüssel. Banken können also Geld schöpfen, weil wir uns daran gewöhnt haben, den größten Teil unserer Geschäfte über Girokonten abzuwickeln. Wir bewegen bei unseren Überweisungen untereinander kein Geld, sondern lediglich Versprechen auf Auszahlung von Bargeld. Da dies von allen akzeptiert wird, sieht auch niemand ein Problem darin. Dem Staat ist das Giralgeld sogar bei Steuerzahlungen willkommen, die man gar nicht mehr in bar, also in echtem staatlichen Geld leisten darf.

Die Volksweisheit „nur Bares ist Wahres“ darf erneut unterstrichen werden. Man sollte sich klar machen, dass Guthaben auf Girokonten heutzutage kein sicheres Eigentum der jeweiligen Inhaber, sondern lediglich ein Zahlungsversprechen der Bank sind.  Dadurch ist ein Girokonto Teil der Bankbilanz und seine Existenz damit vom Wohl und Wehe des entsprechenden Geldinstituts abhängig. Bei einer Insolvenz der kann alles verschwinden. Zwar soll bei einem solchen Crash ein Einlagensicherungsfonds die Ausfälle ersetzen, doch ist dieser bei einem oder mehreren großen Bankenzusammenbrüchen rasch erschöpft und die Garantie daher mit Vorsicht zu genießen.

Unser System ist nicht perfekt

Banken spielen also für unser Finanzsystem eine wichtige Rolle. Aber sie erleichtern auch unseren Alltag.

Wie bereits angedeutet, verbirgt sich ein großes Problem für die Banken in der Existenz von Bargeld. Nicht lösbare Schwierigkeiten würden entstehen, wenn sehr viele Kreditnehmer damit beginnen würden, sich große Teile ihres Bargeldes auszahlen zu lassen. Das wäre der gefürchtete Sturm auf die Banken, der sogenannte Bank Run. Bevor eine Bank in solch einem Fall ausreichend Bargeld für alle Kunden zusammen hat, ist sie bankrott, da die eigenen Reserven im Verhältnis zu den Giroeinlagen nur einen kleinen Bruchteil ausmachen. Hier zeigt es sich dann sehr konkret, dass Giralgeld nur ein unsicheres Versprechen auf Bargeld ist.

Geld regiert die Welt und unsere Existenz ist einem gewissen Maße davon abhängig, ob wir welches besitzen und wie viel. Die Finanzkrisen den letzten Jahrzehnten zeigten, dass unser System nicht perfekt ist und viel Aufholbedarf nötig ist, um unser Geld sicher zu machen. Solange wir jedoch weiterhin auf unsere Bank vertrauen und das Giralgeld als real ansehen, bleiben die Risiken für uns überschaubar. Immerhin erleichtert uns die Bank auch viele Situationen im Alltag. Also wäre gänzlich zurück in der Zeit zu reisen und Geld wieder als das zu betrachten, was es früher mal war nicht zweckdienlich. Jedoch könnten neue Gesetze und eine bessere Regulierung im großen Meer der Zahlen für mehr Ordnung, Überblick und Sicherheit bei den Kunden sorgen.