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Leben und Gesellschaft Wie sicher sind Konzerte in Deutschland?

Seit der Bombenexplosion bei einem Konzert von Ariana Grande im vergangenen Jahr, werden die Sicherheitsmaßnahmen für Großveranstaltungen hinterfragt. Was tun deutsche Veranstalter und Behörden für die Sicherheit auf Konzerten?

Ein Security beim Konzerteinlass. Wie sicher sind deutsche Konzerte? (Quelle: iStock/PeopleImages)

März 2018 in der Hamburger Barclaycard Arena: Rund 16.000 Menschen freuen sich auf das Konzert von Harry Styles. Eine frühe Ankunft am Veranstaltungsort trägt dazu bei, ausreichend Zeit für die Kontrolle zu haben. Security-Beamte und eine Hundestaffel sind präsent und haben die Wartenden sowie das Umfeld stets im Blick. Die Einlass-Prozedur ist simpel, aber effektiv: Karte vorzeigen, Sicherheitskontrolle passieren und zuletzt noch den Inhalt der Tasche checken lassen.

21 Uhr – mit einem Schlag ist es dunkel in der Arena und der erste Ton des Liedes „Only Angel“ erklingt. Während des ganzen Konzertes haben die Security-Beamten alles unter Kontrolle, es wird sofort reagiert, wenn Absperrungen tangiert werden oder die Besucher auf den Stühlen stehen. Am Ende verlassen alle zufrieden und geordnet die Arena. Der Abend hat ein friedliches Ende.

Dem ist nicht immer so. Am 22. Mai 2017 endet das Konzert von Ariana Grande in der Manchester Arena in einem Chaos. Eine Bombe explodiert und 22 Menschen sterben, darunter größtenteils Kinder und Jugendliche. Wie kann so etwas passieren? Dabei gibt es doch gerade für Großveranstaltungen Sicherheitskonzepte und Notfallplanungen, die vor Ereignissen wie diesen schützen sollen.

Taschenkontrollen und Mitnahmeverbote sind vorgeschrieben


In Deutschland gibt es Maßnahmen, die von Behörden und Veranstaltern vorgeschrieben sind. Vor jeder Veranstaltung wird das Thema Sicherheit mit dem Konzertveranstalter und den Sicherheitsbehörden neu diskutiert, bestätigt Ole Nowakowski, Referent des Olympiastadions in Berlin. In Deutschland existieren bundesweit geltende Sicherheitsmaßnahmen, die jeder Veranstaltungsort einhalten muss. „Diese sind in der Versammlungsstättenverordnung festgehalten“, erläutert Michael Molt, Geschäftsführer der U-Need Gesellschaft für Veranstaltungslogistik und -personalservice. Zu den Maßnahmen gehören zum Beispiel Taschenkontrollen oder auch das Mitnahmeverbot für bestimmte Gegenstände wie Getränkeflaschen und Spiegelreflexkameras. Diese Sicherheitskontrollen sind notwendig, um mögliche Konflikte zu vermeiden.

Doch nicht immer werden diese Vorschriften auch so eingehalten. Manchmal dürfen Flaschen, mit der Bedingung, den Deckel abzudrehen, mitgeführt werden. Dies wird jedoch nicht streng kontrolliert. In Hamburg war es kein Problem, eine Flasche mit Deckel mitzunehmen. Sollte es passieren, dass verbotene Gegenstände mitgeführt werden, werden diese der Person abgenommen und nach dem Verlassen der Veranstaltung wieder ausgehändigt. In manchen Fällen werden Personen auch ermahnt oder vom Veranstaltungsort verwiesen.

Hoher Sicherheitsstandard in Deutschland
 

Die Explosion in Manchester ist Anlass dafür, dass beispielsweise der Veranstalter Live Nation die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Vor allem für Open Air-Veranstaltungen und Festivals gibt es verschärfte Vorkehrungen und Konsequenzen: „Die Anschläge der jüngsten Zeit und die latente Gefährdung machen verstärkte Sicherheitsmaßnahmen bei allen Konzerten erforderlich.“ Auch wenn es in manchen Situationen übertrieben oder unfair erscheint, dienen diese Maßnahmen einzig und allein der Sicherheit. Das Ziel der Veranstalter ist es natürlich, stets die größtmögliche Sicherheit zu garantieren. „Aus diesem Grunde befinden wir uns bereits seit vielen Jahren im intensiven Austausch mit den Sicherheitsbehörden auf Bundes-, Landes- und Regionalebene und haben gemeinsam mit ihnen einen umfangreichen Maßnahmenkatalog umgesetzt“, schildert Jonas Rhode von FKP Scorpio Konzertproduktionen.

Manchester mag vielleicht einigen Veranstaltern zu denken gegeben und das Gefühl vermittelt haben, etwas ändern beziehungsweise Sicherheitsvorkehrungen verstärken zu müssen. Jedoch ist der Standard in Deutschland bereits vergleichsweise fortgeschritten. „Der Sicherheitsstandard war und ist bei großen Konzertveranstaltungen bereits hoch und wird laufend angepasst“, sagt Michael Molt. Die öffentliche Sicherheit kann trotzdem immer nur bis zu einem gewissen Grad gegeben sein, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie.