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Studium und Arbeit - Start-Up Suche Investor, biete Start-up

Bei Start-ups scheint Erfolg die Ausnahme zu sein – nur jeder zehnte Gründer ist langfristig erfolgreich. Campus38 spricht mit Gründern aus der Region und beleuchtet das Finanzierungsproblem des Selbstständigmachens.

Viele junge Gründer sehen sich vor allem am Anfang einigen Problemen ausgesetzt. (Quelle: iStock/Skynesher)

Scheitern als Normalfall - für die meisten Start-ups ist im Schnitt zwanzig Monate nach der letzten Finanzierungsrunde Schluss. Das ist das Ergebnis einer Studie des Daten-Dienstes CB Insights über die häufigsten Gründe, an denen Start-ups scheitern. Neben fehlender Nachfrage und Problemen im Team, mangelt es vor allem an Kapital. Nur knapp jedes fünfte Start-up wird durch Investoren finanziert. 84 Prozent der Start-ups greifen auf Erspartes zurück, weitere dreißig Prozent setzen auf Finanzspritzen von Freunden oder der Familie. Oftmals scheitert die Suche nach potenziellen Geldgebern an der mangelnden Überzeugung möglicher Investoren. Vor allem eine zu kurzfristige Planung und das fehlende Verständnis für die Geschäftsidee lassen Kapitalgeber zögern.

Das Problem Kapitalzugang spielt eine entscheidende Rolle und unterscheidet Deutschland nach wie vor massiv von den USA. Dort steht sehr viel mehr Risikokapital für Start-up-Gründungen zur Verfügung. Investoren sind bereit, große Risiken einzugehen, in der Hoffnung, den ganz großen Coup zu landen, weiß Olaf Lies, stellvertretender Landesvorsitzender der niedersächsischen SPD: „Wir haben das gesehen, als wir Anfang des Jahres in den USA im Silicon Valley waren. Wenn wir uns freuen über vier Millionen, dann reden die von vier Milliarden. Das sind ganz andere Dimensionen, über die gesprochen wird.“ Das Gründen in den USA sei inzwischen als Geschäftsmodell zu verstehen, erklärt der ehemalige Wirtschaftsminister Niedersachsens weiter. Dort gebe es eine jahrzehntelange Tradition von erfolgreichen Gründern, die bereit seien, ihre Gewinne in die nächsten Generationen von Start-ups zu investieren – etwas, dass möglichen Geldgebern in Deutschland fehle.

Risikokapitalgeber halten sich dabei insbesondere in der Frühphase der Unternehmensgründung, der sogenannten Seedphase, zurück. Um die kreative Start-up-Szene in Niedersachsen dennoch zu stärken und gerade junge GründerInnen zu unterstützen, hat das niedersächsische Wirtschaftsministerium ein Förderpaket für junge Unternehmen ins Leben gerufen: „NSeed“. Vier Millionen Euro Beteiligungskapital sollen in etwa zwanzig Unternehmen in der Gründungsphase investiert werden. Damit würden den Start-ups jeweils 150.000 bis 300.000 Euro zu Verfügung stehen. Im Gegenzug erhält die niedersächsische Landesregierung Anteile an den jungen Start-ups.

Die Förderung ist branchenunabhängig, richtet sich jedoch gezielt an Unternehmen in der frühen Phase der Unternehmensentwicklung. Junge Unternehmen sollen so stärker unterstützt werden. Um eine dauerhafte Lösung handelt es sich dabei jedoch noch nicht. „Wir werden mit den vier Millionen natürlich die Herausforderung, die wir haben, nicht lösen“, sagt Lies, „das ist sozusagen ein Anfang, den wir machen, aber wir sind noch lange nicht am Ziel.“

Das Problem Kapitalzugang ist kein Neues, erklärt der Professor des Ostfalia-Lehrstuhls für Entrepreneurship Reza Asghari: „Wir haben einen großen Bedarf an mehr Unterstützung. Gerade im Bereich des Venture Capital brauchen wir viel mehr Geld.“ Ein Bundesländervergleich zeigt, dass nicht nur weltweit große Unterschiede existieren, sondern bereits auf Bundesebene bestehen. Laut Ergebnissen des „Start-up-Barometers 2016“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, konnte sich Berlin mit großem Abstand an der Spitze der deutschen Start-up-Regionen behaupten. Insgesamt flossen knapp 1,5 Milliarden Euro und damit 68 Prozent des investierten Risikokapitals an Jungunternehmen aus der Bundeshauptstadt. Niedersachsen landet mit einem Investitionsvolumen von 17 Millionen auf Platz 10.

Fakt ist: Start-ups sind Träger der Innovation und für den Wirtschaftsstandort Deutschland unerlässlich, doch an vielen Stellen fehlt den jungen Unternehmen die nötige Unterstützung. Vor allem im Bereich Risikokapital muss Deutschland als Standort für Venture Capital-Investoren und junge Unternehmen attraktiver werden – denn im europäischen Vergleich liegt Deutschland noch immer auf einem der hinteren Plätze. Um neuen Ideen weiterhin in Produktion und Beschäftigung umsetzen zu können, ist es deshalb von elementarer Bedeutung, gerade in puncto Wagniskapital aufzurüsten, um den Start-up-Standort Deutschland zu stärken.