Direkt zu den Inhalten springen

Meinung und Haltung - Disney Spieglein, Spieglein an der Wand...

…wer ist die Emanzipierteste im ganzen Land? Disneyfilme begleiten uns von klein auf. Für die meisten Kinder sind sie Teil der ersten Fernseherfahrung. Zwar sind die Disney-Prinzessinnen meist makellos, jedoch macht sie genau das zu schlechten Vorbildern.

Nicht selten kommt bei Mädchen, wenn sie gefragt werden was sie mal werden möchten, die Antwort: „Wenn ich groß bin möchte ich Prinzessin werden. (Quelle: IStock/EnchantedFairy)

Die meisten Disneyfilme handeln von Liebe auf den ersten Blick. Wie romantisch! Wenn man sich an die alten Disneyfilme zurückerinnert, wird man schnell nostalgisch. Doch schaut man sich die Filme erneut an, merkt man schnell: Irgendwas stimmt da nicht! 

1937 debütierte das schöne, zerbrechliche Schneewittchen als erste Disneyprinzessin. Ihr gutes Aussehen ist Grund genug für die böse Stiefmutter sie ermorden zu lassen. Jedoch entkommt sie und findet als Hausfrau Unterschlupf bei den sieben Zwergen. 13 Jahre später (1950) tauchte Cinderella auf der Bildfläche auf, die zum Vorbild vieler Kinder wurde. Mit ihrer strahlenden Schönheit raubte sie nicht nur den kleinen Mädchen den Atem, die kurze Zeit später so sein wollten wie sie, auch dem edlen Prinzen, der sich nach einem einzigen Tanz ziemlich sicher war, dass sie die Eine ist.

Vermarktung falscher Wertvorstellungen

Wie schön, romantisch und unterhaltsam die Filme auch sein mögen, sie haben alle eines gemeinsam: Der größte Wunsch einer jeden Disneyprinzessin ist es, ihren Traumprinzen zu finden. Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit sind nebensächlich, oder werden erst gar nicht angesprochen. Wer braucht schon eine Ausbildung oder einen Job, wenn man wunderschön ist und einen reichen Prinzen heiraten kann? So wird fast in jedem Disneyprinzessinnenfilm der Fokus auf ein schönes, schwaches und wartendes Prinzesschen gelegt, das stets auf die Hilfe anderer angewiesen ist und dessen Happy End von der großen Liebe abhängt. In den häufigsten Fällen rettet sie ein edler Prinz, der sie kaum kennt, aber von ihrer Schönheit geblendet ist. In anderen Fällen sind es Tiere, sprechende Möbelstücke oder Feen, die mit Hand anlegen müssen. 

Auswirkung auf Selbstbewusstsein 

Wir wachsen in einer Zeit auf, in der uns Filme, Serien und Fernsehen Ideale einer Frau vorgeben. Ideale, die scheinbar eingehalten werden müssen, um geliebt zu werden. Junge Mädchen sehen in Filmen wie Schneewittchen oder Cinderella, dass Aussehen für Frauen Priorität hat und dass es normal ist, andere um ihre Schönheit zu beneiden. Eine unnatürlich schmale Taille, große Brüste, und ein makelloses Gesicht mit überdimensionalen Augen – die unrealistische Darstellung des Frauenkörpers kann einen negativen Effekt auf Kinder haben. Eine neue Studie der Professorin Sarah M. Coyne von der Universität Brigham zeigt, dass Mädchen, die sich mehr mit Disneyprinzessinnen beschäftigen, geringeres Selbstwertgefühl haben und das langfristige Folgen haben kann. Sie schreibt, dass Frauen ihr Leben lang dem dünnen Körperideal ausgesetzt sind und es im Alter von drei bis vier Jahren mit Disney-Filmen beginnt. Mädchen tragen aus Spaß die gleichen hübschen Kleider und schminken sich, um ihren Vorbildern mehr zu ähneln. Dadurch lernen sie sich früh mit anderen zu vergleichen. Heute ist es noch die Disney-Prinzessin, die so schönes langes Haar hat, morgen ist es die Freundin aus der Schule mit den langen schlanken Beinen. Die Stereotypen, mit denen Kinder in der realen und fiktiven Welt immer wieder zusammenstoßen, werden tief in ihnen verankert und können so letztendlich auch ihre Entfaltungsmöglichkeiten einschränken.

Mehr Emanzipation in Disneyfilmen

Aber Disney hat den Warnschuss gehört. Auch, wenn sie sich mehr oder weniger aus wirtschaftlichen als feministischen Gründen bemühen, ist eine Emanzipation der Protagonisten deutlich zu erkennen.  Weg vom eindimensionalen Frauenbild hin zur modernen Prinzessin. Vaiana macht es vor: Eine Prinzessin mit Kurven, die keine Angst vor Abenteuer hat. In „Frozen“ ist die romantische Liebe auch eher nebensächlich und die Schwesternbeziehung zwischen Elsa und Anna steht im Mittelpunkt. Und Tiana von „Küss den Frosch“ ist die erste afroamerikanische Prinzessin und berufstätige Protagonistin in der Disneywelt. Diese Prinzessinnen kämpfen sich ihren Weg selbst frei und warten nicht auf die Rettung ihres Traumprinzes. Früher noch ausschließlich für ihr Aussehen reduziert und heute für ihre Fähigkeiten bewundert.

Mit der Frauenbewegung in den 70er Jahren hat sich nicht nur hinter den Kulissen das Frauenbild verändert. Auch in den Disneyfilmen spiegelt sich das neue, moderne Bild der Frau in den Protagonisten wieder. Somit haben Prinzessinnen wie Tiana und Vaiana nicht mehr viel Ähnlichkeit mit den „alten“ Disneyprinzessinnen. So spiegelt jeder Film die konventionellen weiblichen und männlichen Rollen in der Gesellschaft zu jener Zeit wider. Demnach versuchte Disney nie sexistische und traditionelle Frauenbilder zu polarisieren, sondern schlicht und ergreifend die Puppe an das Kind zu bringen. Ob das wiederum ethisch vertretbar ist, ist eine andere Frage.