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Meinung und Haltung - Artikel 13 Soll YouTube gelöscht werden?

Ein Uploadfilter. Damit könnte die EU-Urheberrechtsreform Plattformen wie YouTube in ernste Schwierigkeiten bringen. Ist alles nur Panikmache oder steckt mehr dahinter? Eine Kolumne von Leonie Wenschauer.

Was wird passieren, wenn Artikel 13 in Kraft tritt? (Quelle: Leonie Wenschauer)

Ich habe das Gefühl, dass wir und die Welt regelmäßig vor irgendeinem Zusammenbruch unserer Internetsysteme stehen. Sei es das weltweite Black-Out Szenario zum Jahrtausendwechsel oder das befürchtete Aussterben aller Printmedien im Zuge der globalen Digitalisierung. Und was davon ist wirklich passiert? Genau... Nichts!

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich die Nachricht eines Freundes, in der mit großen Buchstaben steht „YouTube wird gelöscht“, mit einem Schmunzeln auf den Lippen zur Kenntnis nehme. Spürbar amüsiert über diese Nachricht, will ich dann aber doch genau wissen was da los ist. Immerhin habe ich gerade selbst einen YouTube-Kanal erstellt, in dem ich wöchentlich eigene Videos hochlade. Das soll alles für die Katz gewesen sein? Na, das wollen wir doch einmal sehen. Es dauert keine fünf Sekunden und ich werde fündig. Mir werden überall Videos angezeigt mit Titeln wie: „Wehrt euch! Stoppt Artikel 13! Heute!“, „Mein Kanal wird gelöscht“, „Das Ende von YouTube“. Ich wähle ein Video aus, das bereits über 1,3 Millionen Klicks verzeichnet. Ich bin gespannt und drücke zielsicher den Play-Button.

Der Youtuber erzählt davon, dass 2019 eine EU-Maßnahme in Kraft treten soll. Dieser soll dafür sorgen, dass alles, was man ins Internet hochlädt auf Urheberrechtsverletzung kontrolliert wird. Jedes Bild, jedes Video, jeder Kommentar, alles was hochgeladen werden kann, soll gefiltert werden. Die YouTube-Chefin Susan Wojcicki ermutigt auf Twitter ihre Follower dazu, etwas gegen den Artikel 13 zu unternehmen und Aufmerksamkeit mit dem Hashtag #saveyourinternet zu schaffen. Der Höhepunkt: Die Aussage, dass unter Umständen 35 Millionen Kanäle in Europa gelöscht werden sollen, da Sie keine Chance darin sehen, jedes kleine potenziell urheberrechtlich geschützte Ding zu finden.

Langsam bekomme ich Panik. YouTube ist so wichtig. Täglich werden Videos mit einer Gesamtdauer von über einer Milliarde Stunden wiedergegeben und Milliarden Aufrufe generiert.  Es gibt zu fast jedem Thema ein Video, und das soll alles weg?

Nein, das kann nicht sein!

Die EU-Abgeordnete Julia Reda von den Piraten nimmt Stellung zu dem Thema und will „Licht ins Dunkle“ bringen. Im Großen und Ganzen geht es im Artikel 13 um einen Uploadfilter, der verhindern soll, dass die Urheberrechte verletzt werden. Denn sobald etwas gegen die Urheberechte verletzt, haftet nicht der Herausgeber, sondern die Plattform selbst.

Nun ist klar, was der Artikel 13 beinhaltet. Aber was das für mich bedeutet, leuchtet mir noch nicht ein. Julia Reda erklärt, dass die Uploadfilter alles überprüfen müssen, was auf Sozialen Netzwerken wie Instagram, YouTube, Snapchat, Facebook, Tumblr, WordPress.org und Co. hochgeladen werden soll, bevor diese online erscheinen dürfen. Die Folge wäre, dass der Filter die Unschuldsvermutung verdrehe. Du giltst als schuldig, solange nicht bewiesen ist, dass du unschuldig bist. Das würde dazu führen, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, da jeder Beitrag eine Überprüfung überstehen muss. Wir müssen uns die Frage stellen, ab wann die Urheberrechte verletzt werden. Beginnt dies, wenn im Hintergrund Kakao von der Marke Nesquik zu sehen ist oder erst dann, wenn über ein Produkt gesprochen wird? Darf im Hintergrund nichts zu erkennen sein? Darf auf der Kleidung keine Marke zu sehen sein? Ist es dann überhaupt noch möglich ein Video zu drehen?

Mit all diesen Informationen im Kopf, bin ich hin und hergerissen. Wie das EU-Parlament abstimmt, erfahren wir endlich morgen. Dann wissen wir mehr darüber, was genau passiert, wenn der Artikel 13 in Kraft treten sollte. Aber ich bin davon überzeugt, dass sich das Internet dann verändern wird.