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Meinung und Haltung - Generation Y Lisa (19) for future?

Lisa war ein Jahr in Australien, hat eine harte Zeit auf einer Schildkrötenauffangstation hinter sich und ein Album perfekter Sonnenuntergangsfotos im Gepäck. Jetzt hat sie sich neu erfunden als vegane, Avocado-verschlingende Umweltaktivistin und selbstverständlich Anglizismen und Rügen für alle Andersdenkenden parat.

Was für eine tolle Aussicht – da darf das Selfie nicht fehlen. (Quelle: i.Stock)

Lisa ist jetzt unter die Umweltschützer gegangen. Der neueste Schrei: Fridays for future. Mit Blumenkranz im Haar, Plakaten unterm Arm, Wachsmalstiften im Halfter, ist sie bereit, ein Feuerwerk an umweltorientierter Dichtkunst abzubrennen. Vegan is(s)t sie jetzt, weil man so schließlich die Emissionen der Treibhausgase verringern kann, habe sie gehört. Lisas Lieblingsfrucht ist die Avocado, die macht sich auf Fotos immer gut. Dass für zweieinhalb Avocados 1000 Liter Wasser verbraucht werden, nimmt sie aber für den #health gerne in Kauf.

Dieses ganze freitägliche Gerenne durch die Innenstädte bei Wind und Wetter ist auf Dauer doch ganz schön anstrengend. Plakate malen sich ja schließlich nicht von alleine – „just saying“. Eine Auszeit hat sie sich redlich verdient. Warum nicht wieder nach Australien, ist ja schließlich ihr #secondhome. Wohltäterisch wie Lisa ist, teilt sie ihre Urlaubseindrücke mit ihren Followern. Ein ganz spontaner Handstand in der untergehenden Sonne am Bondi Beach, #schnappschuss #collectmomentsnotthings.

Unsere Generation hat zwei Persönlichkeiten. Auf der einen Seite Doktor Jekyll, der Hand in Hand mit Greta Thunberg die Welt verbessern will, der grüne Aktivist, der Wachsmalstiftkäufer. Auf der anderen Seite der like-geile, Avocado-fressende Mister Hyde. Als #travelholic nimmt er 8.621 Kilogramm CO2 leichtsinnig in Kauf. Immer speichelleckend dem perfekten Foto auflauernd, das ihm die Bewunderung seiner Follower beschert, die er für sein Ego braucht. Wem diese CO2 Zahlen nichts sagen: Davon könnte Baba Hafti vier Jahre lang mit seinen Besten rollen.

Obacht an alle Sünder! Wer mit dem ganzen Umweltgeschisse nichts am Hut hat, kann ausgleichend für die verbrauchten Emissionen Geld spenden. Von dem Geld werden dann Bäume gepflanzt, die dann genau den Betrag an CO2 ausgleichen, der durch die Flüge ausgestoßen wurde. Freies Sündigen ganz ohne schlechtes Gewissen. Moderner Ablasshandel. Funktioniert. Doch ein schaler Geschmack bleibt. Genauso wie bei einer Avocado.


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