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Studium und Arbeit - Doping Lernst du noch oder dopst du schon?

Wer Doping hört denkt an Leistungssportler. Aber auch Studierende betreiben Gehirndoping. Aber helfen Pillen wirklich um die nächste Prüfung zu schaffen? Campus 38 hinterfragt die Wirkung der illegalen Hilfsmittel.

Während der Vorlesungs- und Prüfungszeit lastet bei vielen Studierenden ein enormer Druck auf den Schultern. Deshalb greifen einige auf Konzentrationshelfer zurück. (Quelle: iStock)

Welcher Student oder welche Studentin kennt es nicht? Vorlesungen von morgens bis abends. Präsentationen und Hausarbeiten. Zu wenig Schlaf. Nebenbei müssen viele noch arbeiten, um sich ihr Studium zu finanzieren. Wenn es gut läuft, bleiben tatsächlich auch mal wenige Stunden für freizeitliche Aktivitäten. Ist die Vorlesungszeit geschafft, ist trotzdem noch kein Durchatmen in Sicht, denn das schlimmste steht noch bevor: die Prüfungsphase. 

Kurz gesagt: Viele StudentInnen geraten an ihre Grenzen. Wer wünscht sich in diesen Momenten kein Wundermittel, um den Stress zu bewältigen? 

„Gehirndoping“ im Studium 

Es ist wenig überraschend, dass immer mehr StudentInnen zu Medikamenten greifen, denen eine leistungssteigernde Wirkung zugesprochen wird, um dem Leistungsdruck Stand zu halten. Laut einer Umfrage der Deutschen Angestellten-Krankenkasse haben rund 22 Prozent der Deutschen schon einmal zu solchen Mitteln gegriffen. Die Tabletten sind klein, rund und tragen die Farbe der Unschuld – weiß. Das Angebot reicht von verschreibungspflichtigen Mitteln wie Ritalin über Modafinil bis hin zu Vigil und Antidementiva.

Aber welche Wirkungen sollen die einzelnen Tabletten eigentlich erzielen? Vigil helfe beispielsweise bei Schlafstörungen und soll wacher machen. Ritalin aktiviere den Hirnstoffwechsel und fördere die Konzentration. Doch erzielen die Tabletten tatsächlich ihren gewünschten Effekt? 

Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Bislang ist nicht geklärt, ob das sogenannte „Gehirndoping“ tatsächlich die Leistung steigert oder das Schlafbedürfnis senkt. Das Phänomen ist bislang wenig erforscht und es liegen kaum Studien zu diesem Thema vor. Nichtsdestotrotz verbergen sich hinter diesen Aufputschmitteln gefährliche Risiken. Zwar machen sie nicht körperlich abhängig und verursachen nach dem jetzigen Forschungsstand auch keine strukturellen Hirnschäden. Dennoch haben sie negative Auswirkungen auf die Psyche: Wir fangen an zu glauben, unseren Stress nur noch durch solche Medikamente bewältigen zu können. Somit besteht die eindeutige Gefahr, psychisch von Ritalin, Vigil und Co. abhängig zu werden. Ferner können mit der Einnahme unerwünschte Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit einhergehen. Schlimmstenfalls können sogar Angststörungen auftreten. Deshalb gilt: Finger weg von solchen Mitteln!  

Ist eine Änderung des Studiensystems nötig? 

Die gesundheitlichen Risiken sind nicht das einzige Problem des „Gehirndopings“. Dauerhafter Stress, der nicht mit Tabletten behandelt wird, geht ebenso auf die Psyche. Ist das Studiensystem die Ursache? Sollte man also besser die Ursache bekämpfen und das Studiensystem ändern, sodass StudentInnen gar nicht erst zu solchen Mitteln greifen müssen? Ganz so einfach ist es nicht. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, dem Bildungssystem die Schuld zu geben wäre zu einfach. Und: Stress kann auch ganz ohne Medikamente abgebaut werden, etwa mit Entspannungsmethoden. Die Studierenden werden häufig mit dem Vorurteil sie seien faul konfrontiert. Sogar auf Google gibt es dazu etwa 669.000 Ergebnisse. Doch bei solchen Behauptungen wird gerne vergessen, dass ein Studium nicht nur aus dem Besuch der Vorlesungen besteht. Vielmehr das Drumherum, etwa das Vor- und Nachbereiten der Vorlesungen und Seminare, Hausarbeiten, Präsentationen, sorgen für zusätzlichen Stress. Deshalb sollte über eine Anpassung der Studienbedingungen nachgedacht werden, um dem Zeit, Leistungs- und Erwartungsdruck entgegenzuwirken. 

Keine Macht den Pillen

Die Wirkung der leistungssteigernden Medikamente wird häufig überschätzt, die Nebenwirkungen meist unterschätzt. Der Rat an die StudentInnen lautet deshalb: Keine Macht den Pillen!                                                                                                                                       Lieber sollte die Regelstudienzeit von meist drei Jahren verlängert werden, als die Gesundheit durch Aufputschmittel zu gefährden. Betroffene sollten sich Freunden und Kommilitonen, gegebenenfalls auch den DozentInnen anvertrauen, um eine Lösung zu finden. Viele Universitäten und Hochschulen bieten Sprechstunden, Studiengruppen und Schreibberatungen an, um individuelle Schwächen in Stärken zu verwandeln und den Stressfaktor für StudentInnen so zu minimieren.