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Politik und Debatte - Politik Kaum im Fokus der Politik: Jungwähler

Viele Erstwähler sind nach der Bundestagswahl frustriert, die Politik richtet sich vor allem an der älteren Wählerschaft aus. Haben Politik und Jugendliche den Draht zueinander verloren?

Die Politik drinnen, die jungen Wähler draußen: Wie können beide wieder zueinander finden? (Quelle: iStock/Kavunchik)

Rund drei Viertel der wahlberechtigten Bürger sind 2017 laut Bundestagswahl-2017.com zur Wahlurne gegangen – etwas mehr als bei den letzten beiden Bundestagswahlen. Jedoch ist der Anteil immer noch geringer im Vergleich zu den vorherigen Wahlen. Immerhin findet knapp ein Drittel der Deutschen den Weg zur Wahlurne immer noch nicht. Seit 2002 bleibt die Wahlbeteiligung daher unter 80 Prozent. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung ist der Hauptgrund der Nichtwähler folgender: Weitgehend sind sie mit der Politik zufrieden und gehen deswegen nicht wählen.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen zu beobachten: Die Wahlbeteiligung der Erstwählerschaft steigt stetig an. Die wachsende Zahl hängt zu einem Großteil mit der Digitalisierung und der damit verbundenen Informationsflut zusammen. In den vergangenen Jahren ist die Entwicklung von Social Media-Kanälen und technisierten Kommunikationsformen rasant angestiegen. Diese mediale Entwicklung machen sich auch die Parteien zunehmend zunutze. Eine einfache verständliche Sprache, die Inhalte gut vermitteln kann, ist dabei besonders wichtig. Das bestätigt auch Riko Chmelik, Kommunikationstrainer aus Erfurt: „Vor allem Sprache und zwar einfache verständliche Sprache – keine verschachtelten Sätze, keine zu wissenschaftlichen, zu schwierigen Formulierungen. Ich sage Reduzierungen von Komplexität. Ein Thema, was komplex ist, einfach erklären und zwar so, wie man es jedem Menschen, jedem Freund, jeder Freundin ganz einfach am Tisch erklären würde und ich glaube, da liegt der Schlüssel zum Erfolg.“

Etwa 95 Prozent der 14- bis 29-Jährigen nutzen mobile Endgeräte – Tendenz weiterhin steigend. Dieser Entwicklung und der damit verbundenen Herausforderung, in die Informationsflut mit den eigenen Inhalten durchzudringen, müssen sich künftig auch Parteien stellen. „Jedoch muss die Jugend speziell mehr über Social Media angesprochen werden, denn Digitalisierung ist für sie ein wichtiges Thema. Jeder Jugendliche hat ein Handy, mit dem er im Internet surft, deshalb müssen die Angebote der Parteien immer mehr auch auf diese Bedingungen zugeschnitten werden“, sagt Felix Mönkemeyer, Landessprecher der Linksjugend Niedersachsen.

Die Agenda der Politik zielt auf die Älteren


Doch was hilft es den Parteien, digital auf die junge Generation zuzugehen, wenn die Themen an den jungen Wählern vorbeigehen – Stichwort Mütterrente? Der Stimmenanteil der älteren Menschen ist deutlich höher, da sie gemäß der Bevölkerungspyramide den größeren Teil der Bevölkerung darstellen. Es gibt schlichtweg mehr alte Menschen als junge in Deutschland. Aus diesem Grund richten sich die Programme und Themen der Parteien auch eher an diesen Teil der Wählerschaft. Themen wie zum Bespiel Rentenpolitik sind für junge Wähler eher weniger beziehungsweise noch nicht ansprechend. Das kann auch Johanna Kuhlmann, Postdoktorandin am Lehrstuhl für vergleichende Regierungslehre und Politikfeldanalyse der TU Braunschweig, bestätigen: „Wenn man sich da die verschiedenen Reformen anguckt oder die Politik, die eben von Politikern in den letzten Jahren verabschiedet wurde, dann kann man schon verstehen, warum manche jungen Leute sagen: ‚Die Politik hat nicht so stark etwas mit mir zu tun‘.“

Es bleibt abzuwarten, ob die Entwicklung der kommenden Jahre auch eine Veränderung am Wahlkampf und dem Auftritt gegenüber Jungwählern und Wählerinnen mit sich bringen wird. Doch egal wie die Entwicklung weitergeht, ein Großteil der Erstwähler nutzt bereits das Recht, wählen zu gehen, um an der Politik mitentscheiden zu können. So sagt Josefine Hambsch, die 2017 Erstwählerin war: „Eine weitere Stimme kann immer etwas bewirken. Wir sind die Wähler von morgen und sollten uns jetzt schon positionieren, damit die Zukunft besser werden kann.“