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Meinung und Haltung - Lebensmittelverschwendung Ist Nachhaltigkeit noch drin?

Das Studentenhirn – ein bunter Gedankeneintopf aus Uni, Arbeit und Privatleben. Ist da noch Platz für moralische Angelegenheiten wie Nachhaltigkeit? Zwei Studenten-Duos im Vergleich.

Studenten – nachhaltig oder Nachzügler in Sachen Umweltbewusstsein? Beides ist möglich, zeigt der Vergleich. (Quelle: Elena Blume)

Linda (21) & Caro (20), 4. Semester Biologie


Ein Studentenwohnheim im Norden Braunschweigs. Zweiter Stock, dunkelblauer Teppichboden. Das Aroma in der Luft des langen Flurs verrät, dass die letzte Sauerstoffzufuhr durchs Fenster schon eine Weile her ist. Doch Linda und Caro haben sich inzwischen daran gewöhnt. Das Wohnheim ist seit anderthalb Jahren ihr Zuhause. Die zweite Etage teilen sie sich mit 18 weiteren Akademikern.

„Hier ist unsere Gemeinschaftsküche“, sagt Linda und deutet in den kargen, hellen Raum, der eher nach Gemeinschaft als nach Küche aussieht: Ein Dutzend leerer Glas- und Plastikflaschen tummelt sich auf der Ablage in der Mitte des Raumes, am Spülbecken bildet sich eine Warteschlange von schmutzigen Tupperschalen, die Aufnahmekapazität der Mülleimer ist bis aufs Äußerste strapaziert. Bio, Restmüll, gelber Sack und Altpapier treffen in jedem der vier Behälter aufeinander.

In der Schule haben sich Linda und Caro mit dem Nachhaltigkeitsgedanken zwar beschäftigt, an der praktischen Umsetzung scheitert es jedoch. „Mit mehr Zeit, mehr Geld und der Verantwortung für eine eigene Wohnung würden wir sicher nachhaltiger und umweltbewusster leben“, meint Caro. Sie öffnet den Kühlschrank, der auf den ersten Blick mehr Plastik und Verpackungen beherbergt als Lebensmittel. Tiefkühlprodukte, Konserven und günstige Angebote dominieren den Speiseplan der jungen Frauen und ihrer Mitbewohner. Dementsprechend häufig sind Mikrowelle und Backofen im Einsatz.

„Bei Wohnheimversammlungen wird das Thema Nachhaltigkeit oft angesprochen“, erzählt Linda. „Allerdings ändert sich langfristig nichts und irgendwann ist es einem selbst egal.“ Das Resultat: Heizung und Deckenbeleuchtung leisten unnötige Überstunden, Zimmerfenster- und Türen stehen fast den ganzen Tag auf.

Matthias (21) & Alex (21), 6. Semester Medienwissenschaften


Anders sieht es in einer WG in Braunschweig West aus, einer Vier-Zimmer-Wohnung in der ersten Etage: Matthias und Alex lieben und leben die Nachhaltigkeit und alles, was biologisch abbaubar ist – und das nicht erst, seit sie vor zweieinhalb Jahren hier eingezogen sind. „Schon meine Eltern haben immer darauf geachtet, dass wir nicht verschwenderisch mit Ressourcen umgehen“, erzählt Matthias. „Deshalb haben Alex und ich viele unserer Sachen gebraucht gekauft: Regale, Bücher, Kühlschrank, Waschmaschine, CD-Player, Staubsauger und Fahrräder.“

In der Wohnung der beiden Studenten brennt keine einzige Deckenlampe, die Heizungen stehen auf null. „Die Sonne scheint fast den ganzen Tag rein und heizt auf“, schwärmt Alex. Er geht zum Wasserhahn und füllt seine Trinkflasche aus Aluminium auf. Pfandflaschen kommen den jungen Männern nicht ins Haus, auch keine Plastiktüten. Ein Stoffbeutel ist ihr Begleiter beim Einkaufen. „Wir kaufen frische und regionale Produkte mit so wenig Verpackung wie möglich“, sagt Matthias. „Wenn mal Fleisch dabei ist, dann von der Schlachtertheke.“ Entsprechend langsam füllen sich die drei sorgfältig getrennten Mülleimer in der Küche.

Unterwegs sind Matthias und Alex meist zu Fuß oder mit dem Rad, längere Strecken innerhalb Niedersachsens legen die beiden mit dem Zug oder in Fahrgemeinschaften zurück. Dass sie damit eher eine Ausnahme darstellen, ist ihnen bewusst. „Mangelnde Aufklärung und Zeitnot spielen eine große Rolle“, meint Alex. „Aber sicher auch eine gewisse Mir-Egal-Einstellung.“