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Studium und Arbeit "Gründen ist wie eine Ehe"

Bei Gründungen von Start-Ups denkt man sofort ans Silicon Valley. Allerdings gibt es auch in der Region 38 Start-up-Unternehmen, die von jungen Menschen während oder nach dem Studium aufgezogen wurden. Eine gute Idee?

Den Spagat finden zwischen Studium und Start-Up erfordert Planung. (Quelle: iStock)

„Es ist sehr sinnig, während des Studiums zu gründen“, sagt Chris Töppe. Er ist 31 Jahre alt und hat vor gut einem Jahr das Protohaus in Braunschweig gegründet. Das Protohaus ist eine offene Hightech-Werkstatt, in der kostengünstig digitale Produktionsmaschinen wie 3D-Drucker bereitgestellt werden. „Das Studium ist die beste Zeit zum Ausprobieren. Später im Arbeitsleben hat man keine Zeit und keinen Kopf mehr dafür.“ Eine gute Idee müsse dabei nicht neu sein, ergänzt Jasper Brünnette. Der 23-Jährige ist Mitgründer von „Spoonbox“, einem Start-up für individualisierte Schubladeneinsätze. „Sie muss nur gut vermarktet werden, damit der Kunde nicht denkt, es sei rausgeschmissenes Geld.“

Das eigene Start-up biete eine gute Möglichkeit, Praxiserfahrung während des Studiums zu sammeln, findet Chris. Dennoch sei Gründen ein Fulltime-Job. Die Balance zwischen Studium und Start-up zu finden sei daher sehr wichtig, erzählt er aus Erfahrung. Deshalb sollte man sich vor dem Gründen im Klaren sein, dass das Studium länger dauern könne. Chris hat sein Maschinenbau-Studium sogar für knapp drei Jahre auf Eis gelegt, um sich ganz aufs Gründen zu konzentrieren.

Jasper dagegen studiert seinen Bachelor in Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen noch in Regelstudienzeit. Er ist im sechsten Semester. Ihm ist aber klar, dass es länger dauern wird. „Ich lege mir jetzt weniger Klausuren, um diese auch zu schaffen“, sagt der 23-Jährige. „Sonst ist das Studium ein Faktor, der Druck macht.“

Hochschulen unterstützen junge Gründer


Als größte Herausforderungen sieht Jasper vor allem Zeit und Finanzierung. Dass Gründen eine teure Angelegenheit ist, weiß auch Daniel Steinhauß. Er ist Gründer-Coach am Entrepreneurship Center der Ostfalia in Wolfenbüttel. Die Frage, wie viel Gründen koste, könne man jedoch nicht pauschal beantworten. „Die Kosten können von null bis ein paar Million Euro gehen“, sagt der 27-Jährige. „Allein für das formale Gründen müsse man schon mit Kosten bis etwa 2.000 Euro rechnen.“ Das sind zum Beispiel Gebühren für die Gründung einer Gesellschaft sowie Anwälte und Notare. Alle weiteren Kosten hängen vom letztendlichen Produkt ab. Gründen dürfe jedoch nicht am Kapital scheitern, findet Steinhauß. „Es gibt gerade für Studenten Möglichkeiten die Kosten zu deckeln“, erklärt er. Beispielsweise durch Förderprogramme wie das EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie oder durch Unterstützung des Entrepreneurship Center in Form von kostenlosen Büros, Coachings, Materialien oder Kontakten.

Auch Angst ist gerade am Anfang ein ständiger Begleiter. „Es ist immer ein Auf und Ab. Die Gewissheit, dass es funktioniert, hat man erst spät“, erklärt Chris. „Es gibt immer wieder Momente, wo man zum Beispiel sieht, dass es Konkurrenz gibt“, sagt Jasper. „Trotzdem schlagen sich Leute da durch und schaffen es.“ Natürlich könne es auch nicht funktionieren. Das sollte man nur früh genug erkennen. „Man lernt aus seinen Fehlern“, sagt Jasper. „Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln.“

Hochschulen unterstützen mittlerweile Studierende beim Gründen. An der TU Braunschweig und der Ostfalia gibt es einen extra Lehrstuhl für Entrepreneurship. Er soll Kenntnisse und Kompetenzen über die Gründung von Unternehmen vermitteln und gleichzeitig die Gründung von Start-ups fördern. Jasper hat eines der Module belegt. Er sieht die Seminare als gute Möglichkeit, um neben neuen Bekanntschaften auch Rückmeldung und Reflexion über Gründungsideen zu bekommen.

Gerade die Bekanntschaften seien wichtig, da es sich mit mehreren besser gründen ließe als allein. „Alleine ist es schwierig, da man Rückschläge auch alleine einstecken muss“, sagt Chris. Zudem fehle die gegenseitige Kontrolle. Zwei Personen sehen beide als ideale Größe. Von Vorteil sei es auch, wenn beide unterschiedliche Kompetenzen mitbringen. Aber auch menschlich muss es stimmen. „Gründen ist fast wie eine Ehe, um es knallhart zu sagen“, lacht Chris. „Es muss passen, sonst klappt es nicht.“