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Leben und Gesellschaft - Feuerwehrmann Er brennt für seinen Beruf

Früher haben seine Mitschüler Martin belächelt, wenn er mit seinem Pieper in der Hand aus dem Klassenzimmer rannte. Heute ist Martin Zugführer der Berufsfeuerwehr in Braunschweig. Was macht den Beruf Feuerwehrmann so reizvoll?

Für Martin stand schon früh fest: Er will Feuerwehrmann werden. Heute ist er Zugführer. (Quelle: David Hilarius)

„Alarm für den Löschzug der Hauptwache! Unklare Rauchentwicklung in der Siegfriedstraße!“ Vom ersten Alarmruf auf der Feuerwache der Berufsfeuerwehr Braunschweig bis zum Ausrücken des Löschzuges dauert es keine zwei Minuten: Stange runterrutschen, Hose und Schuhe an, Jacke überwerfen, Helm schnappen und los! Für Martin aus Seesen ist das Alltag. Er ist Berufsfeuerwehrmann und trägt in rund sechs Monaten als Zugführer die Verantwortung für den kompletten Löschzug der Berufsfeuerwehr Braunschweig – bis dahin war und ist es aber ein harter Weg.

Schon früher bei der Freiwilligen Feuerwehr in seiner Heimat Seesen war der 28-Jährige immer einer der Schnellsten: „Auch wenn mich meine Klassenkameraden teilweise dafür belächelt haben, war mir das egal. Ich bin dann halt Hals über Kopf aus dem Klassenzimmer gestürmt, wenn der Pieper losging. Ich habe schon sehr dafür gebrannt, habe immer versucht, alles an Einsätzen mitzunehmen.“ Seit seinem zehnten Lebensjahr ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Seesen. „Ab da gab es nur noch das eine“, erzählt er. Heute hat er seinen Traum wahrgemacht und ist sich sicher: „Feuerwehrmann ist der beste Beruf der Welt.“

Feuerwehrmännern trauen Deutsche am meisten


Ursprünglich wollte er gar kein Zugführer werden, sondern im mittleren Dienst anfangen, um an „vorderster Front zu kämpfen“. In verqualmte Treppenhäuser vorpreschen, loderndes Feuer löschen, Menschen retten. Die körperliche Herausforderung suchen, das Adrenalin spüren, den Kick erleben. Später entscheidet er sich dann doch für ein Studium zum Rettungsingenieur an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg – auch wenn er heute froh ist, dass das Studium vorbei ist. Er arbeitet lieber praktisch als in der Theorie, ist „mehr so der Macher“. Wenn er von seinem Beruf und der Ausbildung spricht, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Ein bisschen Stolz schwingt in seinen Erzählungen mit – immerhin belegt der Job Feuerwehrmann in einem Vertrauens-Ranking des Marktforschungsinstituts GfK den ersten Platz unter allen Berufen. Gleichzeitig ist es ihm fast unangenehm, dass sein Beruf so hoch gelobt wird. „Letztendlich ist es auch nur mein Job. Irgendwie.“

Ein Job, für den er viel tun muss: Nach dem Studium folgen zwei Jahre Laufbahnausbildung. Voraussetzung ist natürlich, dass die Anwärter bei einer der insgesamt 107 Berufsfeuerwehren in Deutschland angenommen werden. Allein in Braunschweig haben sich rund 100 Anwärter für den gehobenen Dienst beworben. Nur 60 von ihnen werden überhaupt zum Auswahlverfahren eingeladen, 48 dürfen zu den Tests antreten. Höhentauglichkeit, Kraft-Ausdauer und ein Parcours unter Atemschutz – die Bewerber müssen sich beweisen. „Als Feuerwehrmann muss man kurzzeitig auch über seine Grenzen hinausgehen. In Ausnahmesituationen kann einem das das Leben retten“, weiß Martin.

Es müssen nicht immer Brände sein“


Während eines Auslandsaufenthalts am Strand von Thailand bereitet er sich für die Aufnahmeprüfung vor; Training bei 42 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit – „in Deutschland konnten die Bedingungen nur besser sein“, lächelt Martin. Gemeinsam mit drei anderen Männern darf er seine Ausbildung in Braunschweig schließlich beginnen. Ein halbes Jahr Grundlehrgang in Braunschweig, dann drei Lehrgänge zum Gruppen-, Zug- und Verbandführer an der Feuerwehrschule in Celle. Zum Abschluss jedes Lehrgangs stehen immer wieder Prüfungen an. Zwischen den verschiedenen Lehrgängen werden die Anwärter auf drei verschiedene Ausbildungsabschnitte in unterschiedliche Städte deutschlandweit geschickt. Martin ist im vergangenem Jahr schon in Neumünster, Essen und Mannheim gewesen.

Erlebt hat er schon einiges – nicht nur bei Bränden. „Wir werden eben auch dann gerufen, wenn es mal nicht brennt“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Dann wird er ernster: „In Neumünster sollten wir eine Tür öffnen. Ich hatte da die Verantwortung für die Gruppe und einen Praktikanten. Nachdem wir das Schloss der Tür zerstört hatten, stand dort eine Frau mit einer gezogenen Waffe. Es müssen also nicht immer Brände sein, die am gefährlichsten sind.“ Passiert ist zum Glück nichts. Es sind nicht nur die extremen Situationen, die Martin reizen. „Es ist vor allem die Schnelligkeit in dem Beruf, dieser schnelle Wechsel zwischen dem normalen Alltag und außergewöhnlichen Einsatzsituationen.“ Das fand er auch früher schon besonders reizvoll, als er noch aus dem Klassenzimmer losgelaufen ist. Heute hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.