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Meinung und Haltung - Social Media Datenkrake Facebook - und alle machen mit

Der Aufschrei nach der Datenaffäre von Facebook war laut, aber ohne Widerhall: Die Nutzerzahlen der Plattform steigen 2018 weiterhin – nur ein Prozent der User haben sich von Facebook abgemeldet. Unverständlich, meint Lina Kopydlowski.

Die Facebook-App wird von einem iPad gelöscht. Viele NutzerInnen folgen dem Beispiel auch nach der Datenaffäre jedoch nicht. (Quelle: iStock/YMGerman)

Längst haben wir uns daran gewöhnt: Immer wieder werden Daten über Facebook bezogen. Personalisierte Werbung lautet das Geschäftsmodell des Sozialen Netzwerkes. Der Vorfall, der im März bekannt geworden ist, stellt jedoch alle bisherigen Debatten über die Sicherheit der Nutzerdaten in den Schatten.

Noch schockierender ist es, dass Gründer Marc Zuckerberg bereits 2015 von der Schwachstelle gewusst haben soll, seine NutzerInnen allerdings nie darüber informierte. Ein paar Wochen nach dem Skandal hat das Image des Netz-Giganten ein wenig gelitten, die Aktienwerte sind kurzzeitig gefallen und einige wirklich empörte NutzerInnen verließen Facebook. Unterm Strich sind die Nutzerzahlen laut des Quartalberichtes von Facebook 2018 weltweit weiterhin gestiegen. Mithilfe einer großflächigen Werbekampagne versucht das US-Unternehmen nun auch sein beschädigtes Image wieder reinzuwaschen.

NutzerInnen akzeptieren Kontrollverlust


„Ich bin mir sehr bewusst darüber, dass ich keine Kontrolle darüber habe, was mit meinen Daten passiert. Das wird das Löschen meines Facebook Profils auch nicht mehr rückgängig machen.“ Dies scheint für eine schweigende Mehrheit zu gelten. Laut ARD-Deutschlandtrend sehen das 48 Prozent der jungen deutschen Facebook-NutzerInnen so. Nur 17 Prozent nutzen Facebook seltener aufgrund des Datenmissbrauchs. Lediglich ein Prozent der Befragten haben sich von dem Sozialen Netzwerk abgewandt. Da stellt sich die Frage, ob wir nicht alle schon resigniert haben und ob Facebook eigentlich machen kann, was es will. Die Antwort ist Nein. Denn das anfängliche blinde Vertrauen, in die soziale Plattform ist verspielt. Auch das sagt der ARD-Deutschlandtrend. 86 Prozent der 18- bis 34-Jährigen geben an, nur geringes bis gar kein Vertrauen in Facebooks vertrauensvollen Umgang mit ihren Daten zu haben. Dennoch macht eine überwältigende Mehrheit weiter.

Unersetzlicher Nutzen oder Gewohnheit?


Warum ist Facebook weiterhin so beliebt? Fragt man Mediensoziologe Jan-Hinrik Schmidt, halten viele FacebooknutzerInnen das Netzwerk für „unverzichtbar“.Denn zum einen böten Soziale Netzwerke die Möglichkeit, sich mitzuteilen – mit entsprechenden technischen Geräten von fast überall. Außerdem unterstützten soziale Medien die Pflege bestehender und den Aufbau neuer sozialer Beziehungen. Viel schwerer jedoch wiegen laut Schmidt die fehlenden Ausweichmöglichkeiten, die neben dem Giganten zur Verfügung stehen.

Jeder kann für sich entscheiden, ob Facebook aufgrund der Leistung unverzichtbar oder bloß eine liebgewonnene Gewohnheit ist. Am Ende sind es die NutzerInnen, die Facebook mit ihrem Vertrauen stark gemacht haben und die Macht des Sozialen Netzwerkes bestimmen können.