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Politik und Debatte - Brexit Brexit: Das denken "Young British People"

Die Briten wissen seit dem Brexit-Referendum nicht mehr, was sie wollen. Raus – aber wie und wohin? Kaum zu Wort kommen diejenigen, die diese Entscheidung am meisten betrifft. Die Jungen. Wir haben drei von ihnen gefragt.


Roman (19)

Roman ist 19 Jahre alt. Als 2016 über den Verbleib in der EU abgestimmt wurde, durfte er selbst noch nicht wählen. „Kurz vorher hatte das Parlament darüber abgestimmt, das Wählen ab 16 zu erlauben. Es wurde abgelehnt“, erklärt er gegenüber Campus38. Romans Familie lebt in Cardiff, der Hauptstadt von Wales. In seiner Schule seien die Lehrer enttäuscht oder verärgert von den Ergebnissen und machten das auch im Unterricht deutlich. „Wir Schüler hatten die Situation und die Konsequenzen des Ergebnisses zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht verstanden.“ Inzwischen ist er genervt von den Schlagzeilen. Egal welche Internetseite man aufrufe, überall lese man nur Brexit. „Es wird viel diskutiert und Freunde aus dem Ausland kennen nur noch dieses Thema!“ Roman ist seine Frustration deutlich anzumerken. Demonstrationen sind in seinen Augen wenig sinnvoll. „Wir können doch sowieso nichts mehr verändern.“ Vor dem Referendum hatte in seinem Umfeld keiner an einem Verbleib in der EU gezweifelt. Sie hatten geschwiegen. Jetzt würden sich alle nur beschweren.

Kara (24)

 

Kara ist 24 Jahre alt und stammt aus London. Ihre Familie, eine Familie aus der Mittelklasse, hat geschlossen gegen den Brexit gestimmt. „Die Menschen, die für den Brexit waren, wählten aus den falschen Gründen!“, meint Kara. Ihnen sei erzählt worden, dass England durch den Brexit reicher wäre. „Sie wurden belogen und die Risiken wurden ihnen vorenthalten!“ Das einzig Positive für sie dabei: Der Brexit habe junge Menschen das erste Mal dazu bewegt, sich für Politik einzusetzen. Anders als Gary glaubt Kara nicht, dass die Grenzkontrollen verstärkt werden müssen. Sie findet es gut, wie es ist. „Leider glaube ich, dass der Konflikt zwischen Nordirland und Irland durch den Brexit wieder neu entflammt wird“, sagt Kara im Interview. Auch ein Konflikt zwischen England und Schottland könne aufgrund des Wahlergebnisses entstehen. „Unsere Politiker waren einfach nicht bereit für den Brexit und heute weiß keiner von ihnen mehr, was er tut!“

Gary (29)

 

„Ich habe gegen einen Verbleib in der EU gestimmt!“, verkündet Gary überzeugt. „Wir brauchen die Kontrolle über unsere Gesetze und müssen uns nicht von EU-Abgeordneten, die wir nicht einmal selbst gewählt haben, sagen lassen, was wir zu tun haben.“ Gary ist 29 Jahre und kommt aus Coventry. Einer Stadt auf dem Land, in der Nähe von Birmingham. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie und arbeitet als Koordinator auf Ausstellungen und Events. Auch in seinem Umfeld haben die meisten für einen Brexit gestimmt. Weil Brexit-Befürworter oft als Rassisten abstempelt werden, möchte Gary anonym bleiben. „Der harte Brexit ist eine Option, wenn die EU keine vernünftigen Verträge zustande bringt“, meint Gary. Es gäbe ja immer noch viele andere Länder, mit denen man verhandeln könne. „Mit dem Brexit wäre es einfacher, kriminelle Einwanderer auszuweisen, um zu vermeiden, die so- wieso schon knappen Ressourcen in unseren Gefängnissen zu verschwenden“, erklärt Gary seine Argumente. Er wirkt entspannt. Ihm scheint jeder Weg recht, solange Großbritannien die EU verlässt.


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