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Politik und Debatte - Gesundheit, Diskriminierung Aids – Überschätzte Gefahr?

Diskriminierungen gibt es sehr häufig im Alltag. Auch Personen mit Aids oder HIV werden immer wieder Opfer. Warum aber werden Betroffene aufgrund ihrer Krankheit so behandelt?

Das „Red Ribbon“ steht symbolisch für HIV, AIDS, Brust- und Gebärmutterhalskrebs. (Quelle: i.stock)

Wie gefährlich Aids ist und wie das Virus übertragen werden kann ist wohl jedem bekannt. Selbst in den 80er und frühen 90er Jahren wusste man bereits, dass der HI-Virus das Immunsystem schwächt und schließlich zum Tod führt. Damals gab es eine gewisse Furcht vor dem Virus und Personen mit dem ansteckenden Virus wurden benachteiligt und diskriminiert Diese Angst war auch gut begründet, denn erst mit den verbesserten Medikamenten ab Mitte der 90er Jahre sank die Ansteckungsgefahr enorm und ein normales Leben war möglich. Wieso aber gibt es auch heutzutage noch Diskriminierungen gegenüber HIV-positiven Menschen, wenn der Virus doch so gut wie heilbar ist?

Die Diskriminierung entstehe aus Angst vor einer Infektion. Man möchte sich und andere schützen, damit sie nicht auch unter dem Virus „leiden“. Diese Angst kann durch die Berichterstattungen in Massenmedien noch weiter verstärkt werden. Wenn zum Beispiel über die Todeszahlen von an Aids erkrankten Personen berichtet wird, steigt die Furcht bei Personen, die ohnehin schon besorgt sind. Dasselbe würde auch bei einer Berichterstattung über andere tödliche Krankheiten, wie zum Beispiel Aids, so passieren. Zusätzlich werden HIV und Aids noch als sehr schmutziges Thema angesehen, denn die Krankheit wird oft in Zusammenhang mit dem Sexualverhalten in Zusammenhang gebracht.

Wie genau lebt es sich jetzt aber mit HIV? Wie reagieren die Mitmenschen, wenn sie von der Krankheit erfahren? Vor einer Kamera erzählt uns Dirk, wie er mit dem Virus umgeht, was sich für ihn nach der Diagnose geändert hat, aber auch warum man mit ihm noch völlig normal umgehen kann.

Infektionsrisiko geht gegen null Prozent

87.900 Menschen sind deutschlandweit mit HIV infiziert (Stand 2018). Der größte Teil davon sind homosexuelle Männer. Rund 11.000 Personen haben sich durch heterosexuellen Kontakt und 8.000 durch Drogengebrauch infiziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass man in Kontakt mit einer HIV-positiven Person kommt, ist somit schonmal sehr gering. Zusätzlich besteht keine Gefahr sich im Alltag oder der Öffentlichkeit anzustecken. Denn der HI-Virus befindet sich zwar in den unterschiedlichsten Körperflüssigkeiten, jedoch in unterschiedlich großen Mengen. Nur in Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Blut ist die Menge hoch genug für eine Übertragung. Bei medizinisch behandelten HIV-Positiven geht die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung gegen 0 Prozent. Hierfür ist aber wichtig, dass die betroffene Person auch weiß, dass sie den Virus in sich trägt. Wenn der Virus im Körper nicht mehr nachweisbar ist, besteht selbst beim Sex kein Risiko einer Übertragung. Die Angst vor einer Infektion ist unbegründet.

Leben mit HIV und Aids

Bisher wird immer nur von HIV und Aids gesprochen. Personen, die sich nicht mit dem Thema auskennen, fragen sich möglicherweise: „Ist das nicht das Gleiche?“.  Es ist insofern das Gleiche, als dass aus dem einen das andere entsteht. Aids ist die Folge eines unbehandelten, positiven HI-Virus. Eine Person infiziert sich mit dem Virus und wird somit HIV-Positiv. Der Virus breitet sich im Körper aus und schwächt das Immunsystem. Aids ist eine Krankheit, die durch den Virus entsteht, wenn das Immunsystem so stark geschwächt wurde, dass es als „defekt“ angesehen werden kann. Dieser „Defekt“ muss jedoch nicht direkt nach einer HIV-Infektion stattfinden, sondern kann mehrere Jahre dauern. Personen, die das HI-Virus mit sich tragen, sind nicht automatisch in Lebensgefahr, da mit der modernen Medizin durchaus ein völlig normales Leben möglich ist. Die Voraussetzung ist aber, dass die Person auch weiß, dass sie den Virus in sich trägt. Die Medikamente verringern bei täglicher Einnahme die Konzentration des HI-Virus in den unterschiedlichen Körperflüssigkeiten bis unter die Nachweisgrenze. Das hat zur Folge, dass die infizierte Person ein Leben führen kann, ohne sich vor schweren Erkrankungen zu fürchten. Zusätzlich sinkt auch das Infektionsrisiko auf 0 Prozent. Dadurch ist beispielsweise ungeschützter Sex mit einem HIV-Positiven Menschen möglich, ohne dass ein Risiko an einer Übertragung des Virus entsteht.

(0-)90-90-90

Aids und HIV sind nicht nur ein Problem für Deutschland, sondern für den gesamten Globus. Die Welt geht gemeinsam gegen das Virus vor. Das UNAIDS Programm unterstützt Länder im Kampf gegen den Virus. Bis zum Jahr 2030 soll das 90-90-90 Ziel erreicht werden, das bedeutet, 90 Prozent aller infizierten Personen sollen von ihrer HIV-Diagnose wissen; 90 Prozent davon sollen medizinisch behandelt werden; wiederum 90 Prozent davon sollen eine nicht nachweisbare Virus-Konzentration im Blut haben. Dies ist das Ergebnis einer erfolgreichen HIV-Therapie. Deutschland möchte diese Zahlen bereits 2020 erreichen und ist sehr nah dran: 88 Prozent sind diagnostiziert, 93 Prozent davon erhalten Medikamente, von denen 95 Prozent keine Nachweisbarkeit mehr aufweisen. Zusätzlich soll auch die Diskriminierungen gegenüber Aidskranken Menschen zurückgehen. Die 90-90-90 Ziele sollen mit einer 0 erweitert werden, die für null Diskriminierung stehen soll. Ohne Diskriminierung seien die Ziele leichter zu erreichen. Potentielle Betroffene gehen womöglich einmal mehr zum Aids-Test und wissen dadurch, ob sie HIV-Positiv sind oder nicht.

Aids-Phobie

Extreme Angst vor HIV und Aids kann zu einer Aids-Phobie führen. Personen, die unter der Aids-Phobie leiden, sind davon überzeugt, dass sie bereits den Virus in sich tragen und behandelt werden müssen. Die Betroffenen sind selbst nach wiederholten negativ ausfallenden Aids-Tests davon überzeugt, den Virus in sich zu tragen.  Demnach ist die Aids-Phobie eine extreme Variante der Angst vor Aids – eine Angststörung. Diese Phobie wird ausgelöst, wenn man sich zum Beispiel nach dem Geschlechtsverkehr mit einer unbekannten Person bei einem One-Night-Stand oder mit einer Prostituierten, dem Aids-Risiko ausgesetzt hat. Im Gegenteil zur allgemeinen Furcht vor HIV sorgt die Aids-Phobie nicht für Diskriminierungen.

HIV-Selbsttest

 

Einen Test zur Überprüfung, ob man den HI-Virus im Körper trägt, kann man ganz klassisch beim Arzt machen. Seit über einem Jahr, gibt es außerdem einen HIV-Selbsttest für zu Hause. Dieser kann in der Apotheke für knapp 25 Euro gekauft werden oder bei der Aidshilfe, mit zusätzlicher Beratung, auch kostenlos gemacht werden. Der Test dient besonders Personen, die sich nicht wohl fühlen, offen über das Aids-Thema mit einem Arzt zu sprechen. 30.000 solcher Tests wurden im letzten Jahr gemacht. Die Aids-Hilfe empfiehlt dennoch, bei einem positiven Testergebnis, einen Arzt aufzusuchen. Erst zwölf Wochen nach einem Infektionsrisiko funktioniert der Selbsttest auch richtig. Der Selbsttest hilft somit auch Personen mit Aids-Phobie sich zumindest kurzzeitig sicher zu sein, dass sie kein HIV haben, ohne gleich den Arzt besuchen zu müssen. Und so wird der Test ausgeführt:

 

So macht man den HIV-Selbsttest

HIV und Aids sowie die Angst vor Aids sind ernste Themen. Eine gute Aufklärung hilft gegen Diskriminierung. Und selbst das Leben mit Aids ist bei weitem nicht mehr so wie es vor 30 Jahren war, vielmehr ist es so „normal“ wie das Leben von jedem anderen auch. Genau so normal sollte auch der Umgang mit HIV-Positiven oder Aidskranken Menschen sein.