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Politik und Debatte - Bundeswehr, Gleichberechtigung, Militär Achtung! Zu Befehl: Gleichberechtigung

Frauen in der Bundeswehr waren lange Zeit ein Tabuthema. Doch seit 2001 dürfen auch sie Dienst an der Waffe leisten. Alle Berufswege der Truppe stehen ihnen offen. Doch ist damit Gleichberechtigung erreicht?

Bildunterschrift: Den aktiven Dienst an der Waffe dürfen Frauen erst seit 2000 antreten. (Quelle: Bildarchiv Bundeswehr / Christian Roedel)

Die Bundeswehr wirbt in den vergangenen Jahren vermehrt um neue Rekruten. Dabei werden verschiedene Kampagnen realisiert, um besonders eine Zielgruppe für eine Karriere an der Waffe zu begeistern: Frauen. Auf sehr vielen Werbeplakaten oder Bannern im Internet sind Frauen im Mittelpunkt zu sehen. Sie sollen dabei unterstützen die Sichtbarkeit und Akzeptanz von Frauen in der Männerdomäne Bundeswehr zu stärken. Die Bundeswehr soll als weltoffene und tolerante Organisation in der Öffentlichkeit angesehen werden. Jede Person, die eine Karriere bei der Bundeswehr starten möchte, soll grundsätzlich auch die Möglichkeit dazu haben. So lautet zumindest die Prämisse der Bundeswehr selbst. Neben Frauen sollen beispielsweise auch Menschen mit Behinderung besonders intensiv angesprochen werden. An der Spitze der Bundeswehr waren zuletzt Verteidigungsministerinnen tätig – zunächst Ursula von der Leyen und aktuell Annegret Kramp-Karrenbauer. Zwei Frauen als Oberbefehlshaberin des deutschen Militärs. Doch wie erfolgreich ist die Integration von Frauen in die Bundeswehr?

Frauen sind auf dem Vormarsch

Zwölf Prozent der aktiven SoldatInnen sind Frauen. Das sind insgesamt circa 23.000 Personen. Tendenz steigend. 2010 waren es noch ungefähr 5.000 Frauen weniger. Ursula von der Leyen ist mit dem Ziel in ihre Amtszeit gegangen, den Frauenanteil innerhalb der Streitkräfte auf mindestens 15 zu steigern. Damit ist sie zwar gescheitert, Fortschritte in diese Richtung sind jedoch jedes Jahr erkennbar. In den nächsten Jahren könnte dieses Vorhaben gelingen, möglicherweise sogar besser als gedacht. Ein Grund hierfür ist auch, dass die Zahl der SoldatInnen zwar stetig sinkt, die Anzahl an Frauen jedoch kontinuierlich steigt. Sie machen also Jahr für Jahr einen größeren Anteil der Truppe aus. Dabei haben Frauen auch immer öfter hohe Dienstgrade inne. Im europäischen Vergleich schneidet die Bundeswehr mit diesen Werten tatsächlich ganz gut ab, was jedoch nicht unbedingt einen Erfolg darstellt. In den benachbarten Ländern ist der Frauenanteil in der Armee nur in Frankreich höher. Viele Nachbarn Deutschlands hinken noch weit hinterher. Besonders die Schweiz und Österreich haben sehr geringe Frauenanteile im Militär. Es zeigt sich, dass es in vielen Ländern noch ein weiter Weg zu einer ausgeglichenen Armee ist.

Knapp ein Viertel der in der Bundeswehr aktiven Frauen sind als Offiziere tätig. Offiziell werden sie innerhalb der Bundeswehr dann als Frau Offizier und nicht etwa als Offizierin angesprochen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer erteilte der Einführung von weiblichen Dienstgraden im Herbst dieses Jahrs eine Absage. Eine Offizierin oder Oberleutnantin wird es also auch in naher Zukunft nicht geben. Viele Soldatinnen würden den Vorschlag nicht unterstützen und es gebe wichtigere Themen, so viele Sprecher der Bundeswehr. Eine Frau Oberst gibt es hingegen schon. Erst im Mai letzten Jahres wurde Birgit Czernotsky zur ersten Frau Oberst der Reserve ernannt. Ein Zeichen, dass auch Frauen hohe Dienstgrade erreichen. Einen weiblichen General oder Admiral, die jeweils höchsten Dienstgrade ihrer Gruppe, gab es in Deutschland noch nicht. Zwar haben es einige wenige Frauen bereits in die Dienstgradgruppe des Generals geschafft, dies jedoch meist im Sanitätsbereich und nicht im Heer, der Luftwaffe oder in der Marine.

Viele Dienstgrade können bei der Bundeswehr erst nach einer gewissen Mindestdienstzeit erreicht werden. Um beispielsweise Oberst zu werden, muss ein Soldat oder eine Soldatin 17 Jahre als Offizier tätig gewesen sein. Dies ist auch einer der Gründe, wieso noch wenig Frauen in sehr hohen Dienstgraden vorkommen. Durch die Öffnung der Bundeswehr im Jahr 2001 für Frauen in allen Berufswegen können sie oft noch gar nicht die Mindestdienstzeit erfüllen. In den nächsten Jahren könnten also immer mehr Frauen auch die höchsten Dienstgrade erreichen.

Der Weg zur Waffe

Die Mehrheit der Frauen sind im Sanitätsdienst tätig, dort stellen sie fast die Hälfte der Personenstärke. Das ist historisch bedingt. Bereits 1975 wurden die ersten Ärztinnen in die Bundeswehr aufgenommen. Im Sanitätsbereich werden die SoldatInnen zwar mit einer Waffe ausgebildet, diese soll aber nur im Notfall zum Selbstschutz genutzt werden. An geplanten Kampfhandlungen dürfen weder weibliche noch männliche Sanitäter teilnehmen. Dies gilt noch heute. In allen anderen Abteilungen ist der Weg zu einer ausgeglichenen Geschlechterverteilung noch sehr lang. Dort wurden die ersten Frauen erst Jahre später, zur Jahrtausendwende 2000, zugelassen. Tanja Kreil bewarb sich 1996 als Soldatin und setzte damit alte, verwurzelte Systeme in Bewegung. Der Weg für Frauen an der Waffe war geebnet. Zwar wurde sie zunächst abgelehnt, ihre daraufhin folgende Klage brachte sie jedoch bis zum Europäischen Gerichtshof, bei dem sie schließlich gewann. Seitdem dürfen Frauen nicht nur bei der Bundeswehr anfangen, sondern auch den Dienst an der Waffe antreten.

Im Hier und Jetzt

Inzwischen sind ungefähr 23.000 Frauen bei der Bundeswehr aktiv. Luisa Andermann ist eine von ihnen. Sie ist in der Personalabteilung der Bundeswehr tätig.

Die Skepsis und Angst der Männer beim Bund vor einer „zu weiblichen“ Bundeswehr wächst. Eine 2014 veröffentlichte Studie des Bundesministeriums für Verteidigung zeigt, dass knapp über die Hälfte der Soldaten Frauen für körperlich nicht fit genug halten. Das sind fast zehn Prozent mehr als noch vor ein paar Jahren. Mit steigender Zahl der Soldatinnen wachsen demnach auch die Ablehnung und Vorurteile gegenüber Kameradinnen. Also besonders dann, wenn eigentlich mehr Akzeptanz erforderlich und wünschenswert wäre. Genau diese Akzeptanz braucht es nämlich, damit auch in Zukunft mehr Frauen bereit sind, eine Karriere bei der Bundeswehr anzufangen. Ansonsten sind sie bereits abgeschreckt, bevor sie überhaupt das erste Mal eine Uniform tragen. Der Soldat Dennis Stührk berichtet davon, wie es für ihn ist, mit weiblichen Vorgesetzten bei der Bundeswehr zu arbeiten.

Frauen in der Bundeswehr haben einen langen Weg hinter sich. Waren sie erst nur in bestimmten Bereichen wie dem Sanitätssektor geduldet, sind sie heutzutage in allen Laufbahnen erwünscht. Im Alltag stehen sie jedoch oft den gleichen Herausforderungen wie in der freien Wirtschaft gegenüber. Der Vergleich mit ihren männlichen Kameraden ist unumgänglich und noch tief verankert. Besonders ihre körperliche Verfassung wird oft in Frage gestellt und kritisiert. Dass Frauen jedoch auch in der Bundeswehr Karriere machen und erfolgreich Führungspositionen einnehmen können, zeigen immer mehr Beispiele. Der Weg zur Gleichberechtigung ist also kein Sprint, sondern eher ein Marsch mit Extragepäck.