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Meinung und Haltung - Gendergerechte Sprache Sprachkosmetikstudio Ostniedersachsen

Vielerorts wurden aus Studentenwerken bereits Studierendenwerke. Das Studentenwerk Ostniedersachsen stellt sich allerdings quer. Anna-Maria Daub mit einer Glosse über das Bewerkstelligen sprachlicher Gleichberechtigung.

Studentenwerk oder Studierendenwerk?(Quelle: iStock/gerenme)

Diskussionen um die sprachliche Geschlechtergleichberechtigung sind ein alter Zopf – mindestens so lang wie der von Rapunzel – auch an deutschen Universitäten. Bereits 2014 hat man im Maultaschen -Bundesland, wo die Bewohner bekanntlich alles außer klares Hochdeutsch können, offenbar im weltmeisterlichen Überschwang 60.000 Euro für die Umbenennung von Studentenwerk in Studierendenwerk rausgehauen. Das Studentenwerk Ostniedersachsen schläft dagegen immer noch seinen 100-jährigen Dornröschenschlaf ohne jegliche Anzeichen einer Aufwachphase. Wie lange das so bleibt? Unklar. Für Vertreter der sprachlichen Gleichberechtigung ein Ding der Unmöglichkeit. Die Verantwortlichen schweifen locker flockig auf die gewohnte Bezeichnung Studentenwerk ab. Zwei Worte, null Zusammenhang. Eine gar nicht so üble Erkenntnis nach fast 96-jährigem Bestehen!  Dabei gibt es doch so viele Werke. Sei es die Mona Lisa des Herrn Da Vinci (Kunstwerk), das Bergwerk Rammelsberg im wunderschönen Harz oder das Volkswagenwerk 50 Kilometer um die Ecke. Nicht zu vergessen, das Diakonische Werk, als werklich gemeinnütziger Wohlfahrtsverband. Wohin man auch schaut, überall werkt und werkelt es gewaltig. Warum nicht also auch der Hochschulpopulation ihr Werk gönnen - frei nach dem Motto ‚werk kann mehr‘?

Grundsätzlich stellen sich Fragen zur Wirkung von Sprache sowie der sozialen Konstruktion von Geschlecht. Was bewerkt das eigentlich in unserem Köpfen? Würde uns so eine stilvolle Partizipialkonstruktion (Studierende) nicht zur Lösung des Problems der einseitig, überaus männlichen Ansprache verhelfen? Immerhin schüfe es einen sattweiblichen Sound, als hätte man einen sprachlichen Rougepinsel, samt Lipgloss aufgelegt. Oder würde nicht doch eher das Studentinnen-Rouge und Studenten-Kajal dem Teint ein strahlendes Aussehen verleihen? Schließlich sind nicht alle Studentinnen und Studenten immer nur Studierende, sondern auch Essende, Schlafende, Radfahrende – man muss ja auch mal was anderes machen. Kochen etwa, auch wenn sich dann nur der Thermomix ans Werk macht. Ja, so eine sprachliche Zwangsjacke – das hätte was. Dann könnten sämtliche Sprachwerkler nachts wieder besser schlafen und die Welt der sprachlichen Gleichberechtigung hätte wieder einen Sinn. Allein brauchen, tut man sie jedoch nicht.