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Meinung und Haltung - Corona, Studium, Online-Studium Mein Coronasemester

Wintersemester 2020/21 - aber kein normales an der Ostfalia. Der Campus ist so gut wie leergefegt, Studierende sind kaum zu sehen. Die Covid-19 Pandemie stellt das Leben der Ostfalia-Gemeinschaft auf den Kopf. Während einige die Vorzüge des Homeoffice genießen, können andere den Tag kaum abwarten, an dem Normalität einkehrt.

Unter dem Hashtag #meincoronasemester teilen Studierende und Lehrende der Ostfalia Hochschule ihre Meinung zu diesem außergewöhnlichen Semester und berichten über Sorgen und Freude.

Studieren in Zeiten von Corona stellt viele Studierende vor neue Herausforderungen. (Foto: Ulrike Polaski)

#meincoronasemester Zusammenhalten ist die Devise

Autor: Prof. Andreas Kölmel

Jetzt läuft also schon das zweite Corona-Semester. Fast vollständig online, teils hybrid, mit nur sehr wenig Präsenzveranstaltungen. Das trifft vor allem die praktisch angelegten Fächer hart. Wie will man beispielsweise Kamera- und Tonequipment online erklären? Das geht nur real und durch eigenes Ausprobieren. Also müssen stringente Hygienekonzepte her. Wir gehen, solange es das Wetter zulässt, einfach nach draußen, mit Abstandsregeln, Maske und Handschuhen, versteht sich. Wir haben lange getüftelt, wie wir die Praxiskurse in Präsenz realisieren können. Bitte nicht noch ein weiteres Semester, in dem wir den Studis unsere tolle Technikausstattung vorenthalten müssen. Dennoch wird es extrem schwer, das Semester ohne Härtefälle durchzuziehen. Sobald eine Kamera ausgeliehen wird, muss sie danach sieben Tage in Quarantäne. Das wird zwangsläufig zu Engpässen führen. Deshalb mussten wir auch die Anzahl der potentiellen Drehtage für jeden Studierenden deutlich minimieren. Soweit die schlechten Nachrichten.

Jetzt zum Positiven. In den ersten Wochen habe ich alle Kurse auf die Restriktionen bezüglich der Ausleihe hingewiesen. Die Reaktion der Studierenden hat mich sehr überrascht. Ich hätte gedacht, dass es viel mehr Murren und Nörgeleien gibt. Das Gegenteil war der Fall. Sie haben akzeptiert, das die Situation nun mal so ist, wie sie ist. Sie sind eher dankbar, dass wir den Zugriff auf die Ausrüstung ermöglichen, wenn auch in deutlich eingeschränktem Maß.

Unsere Studierenden sind erwachsene Menschen, verstehen die Situation und akzeptieren die Umstände. Ich würde sogar noch weitergehen. Ich glaube, sie wissen einfach, dass wir alle unser Bestes geben. Und das können wir auch als Kompliment verstehen! Selbst wenn mal etwas schiefgeht (und das passiert leider immer wieder), lässt sich das mit diesem Grund-Verständnis alles viel leichter verzeihen. Oder?

Letztlich schweißt uns Corona noch enger zusammen, trotz räumlicher Distanz und Online-Lehre.

Das finde ich ermutigend und irgendwie auch schön. Lehren auf Distanz ist zwar sehr mühsam, aber es bringt uns irgendwie als Gemeinschaft – uns als Dozenten aber auch die Studierenden und uns – näher zusammen. Soziale Distanz, alles online, keine Kontakte, nur kleine Monitorbildchen. Und trotzdem erzeugt die ganze Situation Nähe und ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Was ich mir wünsche: schaltet Eure Kameras ein, bringt Euch noch mehr mit ein, redet live im Bild, statt nur zu chatten, diskutiert fröhlich mit. Zusammen können wir das Online-Semester so lebendig wie möglich gestalten. Lasst uns als Gemeinschaft das Beste aus diesem Corona-Semester machen. Zusammenhalten ist die Devise. Ich bin überzeugt: unsere Studierenden sehen das genauso. Oder?


#meincoronasemester Corona hat wenig mit Lust zu tun

Autorin: Felina Wellner

Müde von Beschränkungen und endlich wieder leben wollen, ABER ...

In persönlichen Auseinandersetzungen leitet das Wort aber häufig eine billige Ausrede ein: „Ich würde ja joggen gehen, aber die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei satten 40 Prozent“. Im Corona-Kontext nimmt aber jedoch eine brisante Stellung ein. Es eröffnet eine Meinungsspaltung von gesellschaftlicher Relevanz. Vor allem bei jungen Leuten wächst die Ungeduld.

Die wiederkehrende Alltagsroutine hat viel Gutes und doch erlebe ich den Hochschulstart erschöpfter als sonst. Nun startet das Semester wieder so, wie es aufgehört hat: Online, allein, mit dem Gefühl, ich müsse möglichst effektiv sein. Mir fehlt der Präsenzbetrieb, wo es in Vorlesungen und Drumherum auch um Anderes geht, um Persönlicheres, um Spaß. Nun ertappe ich mich häufiger mit dem Gedanken, ein unproduktiver Tag wäre ein verlorener Tag. Ist das nicht absurd? Die jetzige Zeit fühlt sich komisch an. Zwischenzeitlich überfällt mich das Unwohlsein und dann vergeht es wieder. Eigentlich geht es mir gut, meine Probleme sind sicherlich k(l)eine.

„Corona ist nicht schlimmer als die Grippe“, “Es handelt sich nicht um die Pest“, “Als ob Corona nach 23 Uhr ansteckender ist“ – solche und ähnliche Aussagen vertreten vor allem die junge Bevölkerungsschicht und auch ich erlebe sie in meinem Freundeskreis. Mir scheint es wie ein bloßer Kindheitstrotz, der da spricht.

Lockerungen und Beschränkungen, dynamisch verändert sich die Situation und damit einhergehende Entscheidungen. Weltweit, in Deutschland, in Niedersachsen, an Hochschulen und Arbeitsplätzen und bei uns selbst. “Richtig handeln“ wird immer schwerer und der Zwiespalt zwischen Verantwortung übernehmen und einfach normal leben wollen wächst. Keiner hat mehr Lust auf Corona, gerade wir in unserem jugendlichen Freiheitswahn wollen nicht verzichten, wollen wieder unter Menschen sein, feiern gehen, in den Urlaub fahren. Vor allem wollen wir das Gefühl haben, zu dürfen. Zurechtweisungen passen uns nicht in den Kram. Wir sind müde vom Aushalten, manche mehr, manche weniger. Dennoch: Die YOLO-Einstellung bringt uns dieses Mal nicht weiter. Die Suche nach Schuldigen in der Politik schon gar nicht. Aus dem “Du bist schuld“, “Ich will nicht mehr“, “Warum dürfen die und wir nicht?“ sind wir nun doch langsam herausgewachsen, oder? Ich denke Corona hat wenig mit Lust zu tun und schließlich müssen wohl gerade wir uns eingestehen: Wir haben k(l)eine Probleme!


#meincoronasemester Mein "Coronasemester" als Ersti

Autorin: Maren Schartner

Ich bin nun ein Ersti im Studiengang Medienkommunikation. Bewusst habe ich mich gegen eine Uni und für eine Hochschule entschieden, da ich kein Fan vom Anonymen bin. Ich mag es lieber kleiner und gemeinschaftlicher. Natürlich bringt das Online-Semester jetzt doch viel Anonymität mit sich, daher stand ich dem anfangs eher skeptisch gegenüber. Es wird erschwert, neue Freundschaften zu knüpfen, man hat selten ein Gesicht zum Namen in den virtuellen Räumen und auch der Kontakt zu den Lehrenden ist sehr oberflächlich, findet meist nur online im Chat oder über Mails statt.

Ich habe mich eigentlich auch sehr auf das Studentenleben gefreut, was sich eher am Wochenende abspielt ;-) Das funktioniert nun aber angesichts der Auflagen einfach nicht. Das Schöne daran ist, dass wir Erstis alle im selben Boot sitzen und das gemeinsam durchleben!

Es ist also 8 Uhr in der Früh, ich sitze mit heißem Kaffee vorm Laptop, trage Kuschelsocken und einen Oversize-Pulli und höre der Vorlesung gespannt zu. Ich habe die See vor der Tür, bin auf der Insel Rügen und mache hier ein paar Tage Urlaub mit der ganzen Familie. Selbstverständlich bleibe ich aktiv und fleißig dabei! 

Mein Coronasemester macht dies möglich! Es hat wie immer alles seine Vor- und Nachteile. Machen wir also das Beste draus!

Bleibt gesund, Eure Maren


#meincoronasemester Es ruckelt, aber es läuft.

Autor: Prof. Dr. Marc-Christian Ollrog

Salzgitter, Anfang Oktober: Noch nie habe ich die KollegInnen bereits vor dem Semesterstart so angespannt erlebt: Wie wird es wohl werden? Hält die Technik? Machen die Studis mit, stellen Sie Fragen? Bange Fragen, die wir uns alle stellen – bange Fragen insbesondere in den großen Lerngruppen im Medienbereich. Individuelle Ansprache und Eingehen zählt unter normalen Umständen zu den Stärken des Kollegiums – aber im Remote-Szenario? Wie können wir insbesondere die Erstsemester an Bord holen, wenn wir sie kaum an der Hochschule in Empfang nehmen können?

Nach zwei Wochen ein erstes Durchschnaufen, keine Entwarnung. Die digitalen Vorlesungsräume sind voll, der Chat wird in der Regel höchst aktiv bedient. Die Technik funktioniert mit Abstrichen – zugegeben: gestern ist ein Lernraum mit rund 100 Studierenden abgeraucht – zum Glück erst kurz vor Schluss und die Aufzeichnung lief noch. Aber auch Veranstaltungen mit 165 Teilnehmern laufen problemlos durch – natürlich in den Basisfunktionen ohne allzu viele Sperenzchen. Daran traue ich mich erst später.

Befund: Die Stimmung in den Studigruppen ist besser als gedacht, der Chat brummt in der Regel fröhlich. Die Studierenden sind engagiert, wirken bisweilen wacher als sonst – gerade in den wenigen Präsenzveranstaltungen. Viele loben den Vorteil der Flexibilität („spart Zeit und Geld“), schätzen den Vorteil, den Ihnen das nicht-lineare Nacharbeiten der bereitgestellten Mitschnitte bieten. Die Lehrveranstaltungen selbst funktionieren ähnlich wie gewohnt – weniger Interaktion freilich (die verlagert sich v.a. in den Chat). Man spricht vor allem selbst, was Dozenten in der Regel weniger stört (déformation professionelle), erklärt noch mehr, ruhiger. Kürzer sind die Vorlesungen dadurch keinesfalls, eher im Gegenteil.

Auch Neues entsteht: Viele Dozenten machen sich neue Gedanken über die Stoffvermittlung und das Erreichen der Lernziele, die sie sich andernfalls wohl nicht gemacht hätten. Wie kann man den Stoff durch Einsatz der geeigneten Materialien auf Moodle in Lektionen so strukturieren, dass er die Lehrinhalte erschließt und die intendierten Lernziele ermöglicht? Das ist herausfordernd und spannend zugleich. Die Hoffnung: Davon einiges beizubehalten, auch wenn die Pandemie überwunden ist. Die erzwungene Innovation also nutzen und gezielt verstetigen.

Skurril: Oder „Hogwarts-Feeling“, wie eine Studierende so treffend formuliert. Wer hätte gedacht, dass es so schwer ist, sich in digitalen Räumen zu treffen? Derselbe Link kann Dozenten und Studierende im digitalen Raum in unterschiedliche Hörsäle führen, etwa wenn die Studierenden diesen über eine andere Plattform anwählen. Zum Glück sind die Studis auch über StudIP oder andere Kanäle erreichbar. Da geht noch was. Schnittstellenfreie Kommunikation geht anders.

Und dennoch: Das Semester ist gestartet. Ein wenig ruckelig zwar, aber insgesamt besser als befürchtet. Das erste Feedback der Studis ist konstruktiv: „Fast wie eine normale Vorlesung“, sagen viele. Aber doch halt nur fast. Der kleine Scherz, der Schwatz mit den Studis am Rande fehlen, das gemeinsame Abhängen am Campus in den Poolräumen – alles, was irgendwie Gemeinschaft stiftet, fällt weniger aus. Das Kennenlernen der Studierendengruppen untereinander dauert dann sicher länger – ebenso das Kennenlernen von Studis und Lehrenden. Social Distancing auch in der Lehr-Lernbeziehung. Man bleibt auf Distanz – aber wenigstens in Reichweite. Und verabredet sind wir sowieso: Bis morgen dann also, wenn wir alle wieder den Big Blue Button drücken oder uns in den digitalen Hörsaal „zoomen“.


#meincoronasemester Innere Konflikte

Autor: Jonas Giering

Ich habe von der Corona-Situation ein anderes Bild als es in den großen Medien und von der Regierung vertreten und vermittelt wird. Kurz gesagt, ich halte es für einen Fehlalarm und bin der Meinung, es geht schon lange nicht mehr wirklich um die Gesundheit der Bevölkerung.

Daher entstehen oft, wenn ich von den Hygieneregeln und den Einschränkungen betroffen bin, innere Konflikte. Ich sehe kaum einen Raum für Diskussionen im Großen und im Kleinen und fühle mich durch die Ankündigungen des Hausverbotes, bei Nichteinhaltung der Verordnungen, eingeschüchtert.

Ansonsten hatte ich einen schönen Start in das Semester und ich möchte mich bei meinen Dozenten bedanken. Sie haben sich auf die veränderten Bedingungen eingestellt und vermitteln ihr Wissen so gut es geht.


#meincoronasemester Ostfriesen sehen die Dinge mit anderen Augen

Autor: Jan-Ole Smidt

Corona stellt den Hochschulalltag auf den Kopf. Ob und wie wieder regulär vor Ort studiert werden kann, bleibt weiter ungewiss. Ostfriesische Studenten lässt der Trubel um die Pandemie aber kalt. Sie sehen sich zum Semesterstart mit ganz anderen Problemen konfrontiert.

Das Wintersemester ist gestartet. Doch komplett anders, als letztes Jahr. Warum? Corona natürlich. „Die Pandemiebedingungen machen die Vorbereitungen nicht einfacher, aber wir werden ein für Ihre Bedürfnisse gutes Angebot erstellen“, schreibt Prof. Dr. Quack, Dekan des Salzgitter-Campus. Er meint einen Mix aus Online- und vereinzelten Präsenzveranstaltungen. Panik! Schon wieder nur digitale Vorlesungen, von zu Hause aus, im Bett liegend, mit einer guten Tasse Kaffee, gemütlich gekleidet und total entspannt. Das entspricht nun mal so gar nicht den Bedürfnissen eines Studenten. Naja, kann man nichts machen. Höhere Gewalt.

Find sük, sagt der Ostfriese. Also: Es kommt, wie es kommt. Einfach abwarten und Tee trinken. Die Sache aussitzen. Ist auch besser für einen Ostfriesen wie mich. Denn kaum verlässt er die Haustür, ist er auch schon komplett orientierungslos. Wo war noch gleich Salzgitter? Erstmal auf der Landkarte nachschlagen, die mir Opa am Sterbebett verkauft hat. Schon wieder viel zu viel Stress. Und überhaupt. Nicht einmal vernünftig „Moin“ sagen können die da. Dabei ist es ja wohl nicht zu viel verlangt, sich im Vorbeilaufen kurz zuzunicken, ein grimmiges Gesicht wie drei Tage Regenwetter zu ziehen und vier kleine Buchstaben aneinanderzureihen. Und das größte Problem kommt noch erst: das Leitungswasser dort. Der Graus für einen Ostfriesen wie mich. Das durch die vielen Kraftwerke komplett verkalkte und vermutlich sogar völlig verstrahlte Wasser ist eine Beleidigung für jedes Teeblättchen, das den Namen Bünting oder Thiele trägt. Nicht einmal die Teesahne hat richtig Lust, ein Wölkchen zu bilden. Im Gegenteil. Beim letzten Mal deutete ich einen Totenkopf.

Mit Problemen muss man sich rumschlagen, die gibt es gar nicht. Einfach hat man es als ostfriesischer Student sicher nicht. Es gibt nun mal deutlich Schlimmeres, als im Seminarraum mit Maske zu sitzen oder Händedesinfektion zu benutzen. Kumpels werden derzeit einfach mit einem Moin und Ellenbogen-Check begrüßt. Find sük eben alles.

Also: Munter hollen! (Bleibt gesund)