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Meinung und Haltung - Corona, Studium, Onlinelehre Mein Coronasemester

Wintersemester 2020/21 - aber kein normales an der Ostfalia. Der Campus ist so gut wie leergefegt, Studierende sind kaum zu sehen. Die Covid-19 Pandemie stellt das Leben der Ostfalia-Gemeinschaft auf den Kopf. Während einige die Vorzüge des Homeoffice genießen, können andere den Tag kaum abwarten, an dem Normalität einkehrt.

Unter dem Hashtag #meincoronasemester teilen Studierende und Lehrende der Ostfalia Hochschule ihre Meinung zu diesem außergewöhnlichen Semester und berichten über Sorgen und Freude.

 

(Quelle: Ulrike Polaski)

#meincoronasemester Not macht erfinderisch

Von Jan-Ole Smidt

Glück auf! So sagt man das doch als Bergsteiger. Zumindest feiere ich gerade Bergfest. Die Hälfte meines Bachelorstudiums an der Ostfalia ist geschafft. An das dritte Semester im Studiengang Medienkommunikation kann ich nun einen Haken machen. Und wir haben eine Menge gelernt, will ich behaupten. Danke Corona! Und das meine ich nicht ironisch.

Jedes Jahr werden im dritten Semester im Rahmen einer Lehrredaktion crossmediale Beiträge für Campus38 produziert. In einer Welt, in der es kein Corona gibt, bedeutet das: Thema suchen, Kamera ausleihen, Drehtermine vereinbaren und wahrnehmen, in den Computerräumen der Hochschule schneiden, dann noch einen Textbeitrag schreiben und fertig. Unter Corona-Bedingungen war der Ablauf gar nicht so anders, abgesehen davon, dass man sich ausschließlich online über Arbeitsabläufe abstimmt, die Hochschule nicht betreten soll und Kameras in Quarantäne sind. Ja, ok … War doch etwas anders. Wer also eine von den raren Filmkameras bekommen konnte, hatte Glück. Alle anderen mussten improvisieren.

Props an unsere DozentInnen, die uns einfach haben machen lassen. In der Not geht’s auch mit dem Handy oder einer normalen Fotokamera. Ist im Arbeitsalltag manchmal nicht anders. Auch dort werden TV-Beiträge zum Teil mit dem Handy gedreht. Mein Glück: Ich fotografiere und habe daher eine Kamera. Mein Thema: Gefängnisausbruch. Der 25. Jahrestag des Ausbruchsdramas in Celle war für zwei Kommilitonen und mich der Anlass, einen ausführlichen Bericht zu produzieren. Mein Problem: Wie machste das jetzt? Eigentlich bräuchte ich ein TV-Studio mit Greenscreen, denn eigentlich wollte ich eine Moderation à la „MrWissen2go“ drehen. Also: Do it yourself.

Ein grünes Laken, ein Eimer voll Wäscheklammern, ein paar Lampen und die Kameraausrüstung. Mehr brauchte ich letztlich nicht. Sogar ein relativ guter Ort mit viel Platz war schnell gefunden. Das improvisierte Studio baute ich im Dezember bei meiner Oma im Stall auf. Vorteile eines Dorfkindes. Der Dreh war anstrengend, hat aber auch riesig Spaß gemacht. Es war arschkalt, ein Nachbar machte während des Drehs Party und die Glocken des nahegelegenen Kirchturms läuteten alle halbe Stunde. Aber hey! Ohne Corona hätte ich wahrscheinlich nie so viel über die Arbeit im TV-Studio gelernt. Denn mit Greenscreen zu filmen ist gar nicht so einfach. Doch das Ergebnis darf sich sehen lassen. Demnächst auf Campus38.

Schöne Semesterferien und bleibt gesund!


#meincoronasemester Optimismus schadet nie

Von Daniel Johannes Kalis

So schnell kann es gehen: Das erste Semester ist so gut wie vorbei und die Zeit, bestehend aus Online-Vorlesungen und einigen Präsenzveranstaltungen, verging wie im Flug.

Als Ersti im Studiengang Medienkommunikation, der ja förmlich von persönlicher menschlicher Interaktion lebt, war das erste Semester kurios. Denn ein treffenderes Bild kann man nicht zeichnen: Vom Bett an den Schreibtisch und vom Schreibtisch zurück ins Bett. Wenn es dann doch mal an die Hochschule ging, dann verhüllten Masken unsere Gesichter. Und wenn selbst Kameras in Quarantäne müssen, dann schreiben wir ein weiteres Pandemiejahr.

Die Wohnung bezahlen, wenn der Nebenjob weggebrochen ist. Kaum Kontakt zu anderen Menschen und wenn doch, immer mit dem Risiko im Nacken, sich und seine Liebsten zu gefährden. Leere Hörsäle und keine ausgelassenen Ersti-Partys.  Ich kann das Leid und die Sorgen vieler meiner KommilitonInnen absolut nachvollziehen und könnte die Liste noch lange fortführen. Und trotz aller Strapazen beweist uns die aktuelle Lage doch noch einmal deutlich, dass wir nicht alleine sind und wir die Probleme nur gemeinsam lösen können. Statt zu jammern, wie teils umständlich das aktuelle Leben ist, sollten wir die positiven Aspekte im Auge behalten. Kaum Termine, vermeintlich weniger Stress und mehr Zeit mit der Familie. Es soll ja sogar Leute geben, die Spazierengehen als neues Hobby für sich entdeckt haben. Und ja, ich kenne das: Auch mal völlig verschlafen mit Jogginghose und einem Kaffee der Vorlesung lauschen. Wann, wenn nicht jetzt?

Seien wir doch froh, dass wir die Möglichkeit haben online zu studieren. Was hätten wir gemacht, wenn sich die Technik in den letzten Jahrzehnten nicht so weiterentwickelt hätte? Ohne Videokonferenz-Software und andere Plattformen könnten wir nicht an Vorlesungen teilnehmen oder online arbeiten. Und auch wenn einem wahrlich die Decke auf den Kopf fallen kann, bleiben unsere mobilen Geräte zumindest was das Hochschulleben angeht, unsere einzige Vernetzung.

Bessere Zeiten kommen und ein bisschen Optimismus kann auch in den dunkelsten Zeiten nicht schaden. Ich bin sicher, gemeinsam schaffen wir es durch diese ungewöhnlichen Zeiten. Und statt den Kopf in den Sand zu stecken, vergraben wir auch noch unseren Körper dazu und freuen uns auf mee(h)r.


#meincoronasemester Zum Semesterabschluss ein Winken in die Kamera

Von Janina Possel

Auch wenn man sich so langsam an die Online-Uni gewöhnt hat und ich einfach nur froh bin, dass das Studium trotz allem einigermaßen wie geplant weiterlaufen konnte, gab es doch den ein oder anderen Wermutstropfen.

Zum einen hatte ich mich in diesem Semester sehr auf das Modul Studio gefreut, in dem wir eine eigene Talkshow entwerfen und produzieren durften. Einige Wochen voller Themenrecherche, Gästesuche, struktureller als auch inhaltlicher Planung vergingen. Als es dann endlich so weit sein sollte und wir kurz vor dem Ziel, kurz vor der Aufzeichnung der Sendung standen, hieß es: Lockdown ab 16. Dezember – unser eigentlicher Drehtag. Einfach nur ärgerlich. Die Talkshow wurde nun per Zoom abgehalten, was natürlich nicht ansatzweise an die professionelle Studioaufzeichnung herankommt, man kann aber trotzdem zeigen, was (zumindest inhaltlich) daraus hätte werden können.

Zum anderen ist dieses mein 5. Semester, das eigentlich letzte Semester vor Ort an der Hochschule. Wie ich es mir vorgestellt habe? Mit den KommilitonInnen, von denen in den letzten zwei Jahren einige zu wirklich guten Freunden geworden sind, die gemeinsame Zeit genießen, Projekte und Forschungsarbeiten gemeinsam in der Uni bearbeiten, Weihnachtsmärkte abklappern, jede Feier mitnehmen und das Studentenleben nochmal so richtig auskosten. Die Realität sah leider etwas anders aus. Dafür konnten wir nun, denke ich, alle unsere Vino-Skype-Abende liebgewinnen.

Und hätte ich am Freitag, den 13. März 2020 gewusst, dass es meine letzte Vorlesung in Präsenz ist und es das letzte Mal sein wird, dass ich mit meinen KommilitonInnen den Freitags-Burger in der Mensa esse, vielleicht hätte ich diesen Tag dann noch etwas mehr genossen. Ich weiß, Jammern auf hohem Niveau – wir Studis können uns glücklich schätzen, dass wir unser Studium möglichst unkompliziert von zuhause aus weiterführen können. Doch einen richtigen Abschluss der Uni-Zeit, noch einen Tag in Präsenz, bevor wir alle in unsere Pflichtpraktika starten und sich unsere Wege trennen, den hätte ich gerne noch gehabt. Stattdessen gab es von Dozentenseite liebe Worte über die Kamera (bei denen ich froh war, sie nicht in Präsenz gehört zu haben – wäre mir definitiv zu emotional geworden) und in unserem allerletzten Talkshow-Zoom-Meeting wurde virtuell mit einem gemeinsamen Abschiedsbier angestoßen. Alles etwas anders, aber ich hoffe, dass das Bierchen vielleicht irgendwann in Präsenz nachgeholt werden kann.


#meincoronasemester Und es hat Zoom gemacht!

Von Karoline Steinbock

Seit diesem Semester bin ich wieder Ersti. Master-Ersti. Nach der Abgabe meiner Bachelorarbeit hatte ich mir eigentlich vorgenommen, zunächst etwas zu reisen. Dann wollte ich mir einen Job suchen. Einen Master zu studieren, hatte ich eigentlich nie vor. Doch Anfang Mai befand sich Deutschland, wie der Rest der Welt, im Lockdown. Reisen war wohl erstmal nicht drin. Gleichzeitig war nicht absehbar, wie lange die Krise dauern wird. Wie wohl ein Berufseinstieg in Corona-Zeiten aussieht? Online-Bewerbungsgespräche oder Vorstellungsgespräche mit Mund-Nase-Schutz? Onboarding im Homeoffice? Wer sucht überhaupt MitarbeiterInnen in Zeiten von Kurzarbeit, Einstellungsstopps und Insolvenzen? Vielleicht ist ein Master also doch keine so schlechte Idee. Zumindest hätte ich für die nächsten zwei Jahre erst einmal einen sicheren Plan.

Auch aus meinem Bekanntenkreis kenne ich die Frage Master vs. Berufseinstieg. Eine Bekannte verlängert ihr Masterstudium gerade künstlich. Es lohne sich einfach nicht, jetzt schon die Masterarbeit anzufangen, wenn es nach dem Abschluss keine Stellenangebote gibt. Immerhin bleibt sie positiv: So schnell werde sie nie wieder an kostenlose Weiterbildungen kommen. Bei einem anderen Bekannten sieht es tatsächlich ganz anders aus. Er möchte keinen Master anfangen, denn auf ein Online-Studium habe er keine Lust. Verübeln kann man ihm das nicht wirklich.

Nun habe ich also mein erstes Online-Semester mit allen Vor- und Nachteilen hinter mich gebracht. Ich kenne meine KommilitonInnen kaum und einen Hörsaal habe ich seit der ersten Semesterwoche nicht mehr von innen gesehen. Dafür kenne ich jetzt sämtliche Online-Plattformen – egal ob Zoom, Discord oder BigBlueBotton. Trotzdem bereue ich die Entscheidung nicht.


#meincoronasemester Coronaweihnacht in BBB

Von Prof. Dr. Denise Sommer

Die einzige Präsenzveranstaltung, die im laufenden Semester in meinem Stundenplan stand (1 SWS!), wurde durch den neuerlichen Lockdown abrupt beendet. Das hat die Studierenden und mich wirklich enttäuscht – hatten wir uns doch für die Sitzung vor Weihnachten vorgenommen alle mit Weihnachtsmützen aufzutauchen, um den leeren Campus ein wenig zu beleben. Eineinhalb Tage zuvor mussten wir dieses Vorhaben in den virtuellen Raum verlegen.

Also BBB. Am ersten Lockdown-Tag. Raum betreten, Tontest, kurzer Gruß im Chat, Kamera aktivieren – und täglich grüßt das Murmeltier. Naja, nicht ganz, denn diesmal habe ich mir eine Weihnachtsmütze über den Headset-Bügel gezogen und schaue erwartungsvoll dem schwarzen Bildschirm entgegen. Was folgt, ist unvergesslich. Für die Berichte der Projekt-Zwischenstände haben fast alle Teams jemanden beauftragt sich mit dem Mikrofon zuzuschalten. Die Tonspur füllt sich mit Leben. Immer wieder öffnen sich nun auch Kamerabilder – zuweilen von allen Mitgliedern eines Teams. Es sind weitere Weihnachtsmützen zu sehen, aber auch Lichterketten, eine grüne Grinch-Maske, blinkende Sterne, eine Weihnachtsmann-Figur und sogar ein bunt blinkendes Rentier-Geweih. Aufgeräumt und guter Dinge berichten die Studierenden von ihren Ideen und ihrer bisher erfolgreichen Gruppenarbeit. Es sind Teams von Erstsemester-Studierenden, die sich nur selten persönlich gesehen haben, sich aber in der virtuellen Welt schnell und motiviert organisiert haben. Läuft bei uns!

Dieses Erlebnis steht für mich so kurz vor der Weihnachtspause sinnbildlich für dieses Corona-Semester. Natürlich ist nicht alles prima. Es ist anstrengend und aufwändig, immer wieder gibt es neue Unsicherheiten und Fragen, die wir selbst nicht beantworten können. Zuweilen ist es sehr still im BBB-Raum. Und doch: Die Studierenden ziehen sich nicht zurück. Moodle-WIKIS und Glossare füllen sich, auch nach Wochen der Online-Lehre werden die Aufgaben fleißig und motiviert bearbeitet, Fragen gestellt und Wünsche geäußert. Wir kommunizieren – wechselseitig und mit Bezug aufeinander, so wie es im Lehrbuch steht, nur eben selten von Angesicht zu Angesicht.

Der Berg der Herausforderungen ist inzwischen sogar wieder gewachsen und damit auch die Unsicherheit. In die Weihnachtspause können wir trotzdem guten Mutes gehen. Wir haben so viel geschafft und gestemmt in den vergangenen Wochen und Monaten – das ist einfach nur: WHAM!

Merry Christmas!


#meincoronasemester Ersti sein in der Pandemie: Wann erleben wir endlich das Studium in volleren Zügen?

Von Vanessa Höhnl

Ich bin Vanessa, Erstsemester im Studiengang Medienkommunikation und ja, ich bin virtueller Student, Onlinesemester-Ersti oder auch armes Schwein – wie auch immer man es bezeichnen will.

Den lang ersehnten Start in mein Studium habe ich mir anders vorgestellt: neue Leute kennenlernen, gefüllte Hörsäle, neue Perspektiven und Motivation. Stattdessen kenne ich meine Kommilitonen nur mit Maske im Gesicht, lausche den Vorlesungen alleine in meinem Zimmer und ertappe mich immer wieder dabei, mir sagen zu müssen: „Du bist Studentin! Das ist dein Studium!“ Die Surrealität und Verwirrung, die diese Situation mit sich bringt, raubt einem so manches Mal den Antrieb.

Die Pandemie betrifft jeden. Mich glücklicherweise weder direkt persönlich noch im Bekanntenkreis. Zurzeit fühle ich wie die Einschränkungen der Pandemie auch stark auf mir lasten. Ein normaler Start ins Studium blieb mir dieses Jahr verwehrt. Das macht meinen Jahrgang zu einem ganz besonderen. Meine Mitstreiter kenne ich flüchtig, die Kontaktknüpfung fällt schwer. Wir merken uns keine Gesichter und Namen, wir ordnen unsere Kommilitonen ihrer Beteiligung in WhatsApp- oder Vorlesungschats zu. Zurückhaltende Studierende bleiben eher anonym. Uns bleiben wenige Präsenz-Veranstaltungen in denen man im Herbst draußen – eingepackt in Anorak, Schal und Mütze – dann auch noch Maske und Handschuhe tragen muss. Wiedererkennungsmerkmale? Non-existent. Leute zuzuordnen ist also nur über ihre Instagramprofile möglich.

Positiv gesehen bieten uns diese Umstände die Möglichkeit, uns voraussichtlich nächstes Jahr zum Wintersemester noch einmal ganz neu kennenzulernen und hinter die Nachrichten der Chats, das Instagramprofil gucken zu können. Sozusagen ein zweites Erstsemester… Wer hat das schon?

Momentan besteht ein Studentenalltag also daraus, seinen Dozierenden früh morgens über die Lautsprecher seines Laptops zuzuhören. Dabei wird stets versucht, sich nicht ablenken zu lassen. „Du bist Studentin! Das ist dein Studium!“ Vorlesungen werden nachgearbeitet und dann verbringt man den Abend allein, mit seinen Mitbewohnern oder vielleicht einigen Freunden aus der Heimat, falls man aufgrund der prekären Lage noch nicht umgezogen ist. Kommilitonen kennenlernen, ausgehen, sorglos sein und Spaß haben: nur schwer möglich!

Aber lasst uns doch all das Kennenlernen, zusammen feiern, sich inspirieren und motivieren lassen aufsparen und uns diese Pandemie verantwortungsvoll zusammen durchstehen. Es wird wieder besser! Irgendwann sitzen wir – nicht wieder, sondern zum ersten Mal – in vollen Hörsälen, treffen uns auf dem Campus, führen angeregte Gespräche, probieren uns neu aus und genießen das Studentenleben womöglich in volleren Zügen, als alle Studierenden vor uns.


#meincoronasemester Zusammenhalten ist die Devise

Von Prof. Andreas Kölmel

Jetzt läuft also schon das zweite Corona-Semester. Fast vollständig online, teils hybrid, mit nur sehr wenig Präsenzveranstaltungen. Das trifft vor allem die praktisch angelegten Fächer hart. Wie will man beispielsweise Kamera- und Tonequipment online erklären? Das geht nur real und durch eigenes Ausprobieren. Also müssen stringente Hygienekonzepte her. Wir gehen, solange es das Wetter zulässt, einfach nach draußen, mit Abstandsregeln, Maske und Handschuhen, versteht sich. Wir haben lange getüftelt, wie wir die Praxiskurse in Präsenz realisieren können. Bitte nicht noch ein weiteres Semester, in dem wir den Studis unsere tolle Technikausstattung vorenthalten müssen. Dennoch wird es extrem schwer, das Semester ohne Härtefälle durchzuziehen. Sobald eine Kamera ausgeliehen wird, muss sie danach sieben Tage in Quarantäne. Das wird zwangsläufig zu Engpässen führen. Deshalb mussten wir auch die Anzahl der potentiellen Drehtage für jeden Studierenden deutlich minimieren. Soweit die schlechten Nachrichten.

Jetzt zum Positiven. In den ersten Wochen habe ich alle Kurse auf die Restriktionen bezüglich der Ausleihe hingewiesen. Die Reaktion der Studierenden hat mich sehr überrascht. Ich hätte gedacht, dass es viel mehr Murren und Nörgeleien gibt. Das Gegenteil war der Fall. Sie haben akzeptiert, das die Situation nun mal so ist, wie sie ist. Sie sind eher dankbar, dass wir den Zugriff auf die Ausrüstung ermöglichen, wenn auch in deutlich eingeschränktem Maß.

Unsere Studierenden sind erwachsene Menschen, verstehen die Situation und akzeptieren die Umstände. Ich würde sogar noch weitergehen. Ich glaube, sie wissen einfach, dass wir alle unser Bestes geben. Und das können wir auch als Kompliment verstehen! Selbst wenn mal etwas schiefgeht (und das passiert leider immer wieder), lässt sich das mit diesem Grund-Verständnis alles viel leichter verzeihen. Oder?

Letztlich schweißt uns Corona noch enger zusammen, trotz räumlicher Distanz und Online-Lehre.

Das finde ich ermutigend und irgendwie auch schön. Lehren auf Distanz ist zwar sehr mühsam, aber es bringt uns irgendwie als Gemeinschaft – uns als Dozenten aber auch die Studierenden und uns – näher zusammen. Soziale Distanz, alles online, keine Kontakte, nur kleine Monitorbildchen. Und trotzdem erzeugt die ganze Situation Nähe und ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Was ich mir wünsche: schaltet Eure Kameras ein, bringt Euch noch mehr mit ein, redet live im Bild, statt nur zu chatten, diskutiert fröhlich mit. Zusammen können wir das Online-Semester so lebendig wie möglich gestalten. Lasst uns als Gemeinschaft das Beste aus diesem Corona-Semester machen. Zusammenhalten ist die Devise. Ich bin überzeugt: unsere Studierenden sehen das genauso. Oder?


#meincoronasemester Corona hat wenig mit Lust zu tun

Von Felina Wellner

Müde von Beschränkungen und endlich wieder leben wollen, ABER ... In persönlichen Auseinandersetzungen leitet das Wort aber häufig eine billige Ausrede ein: „Ich würde ja joggen gehen, aber die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei satten 40 Prozent“. Im Corona-Kontext nimmt aber jedoch eine brisante Stellung ein. Es eröffnet eine Meinungsspaltung von gesellschaftlicher Relevanz. Vor allem bei jungen Leuten wächst die Ungeduld.

Die wiederkehrende Alltagsroutine hat viel Gutes und doch erlebe ich den Hochschulstart erschöpfter als sonst. Nun startet das Semester wieder so, wie es aufgehört hat: Online, allein, mit dem Gefühl, ich müsse möglichst effektiv sein. Mir fehlt der Präsenzbetrieb, wo es in Vorlesungen und Drumherum auch um Anderes geht, um Persönlicheres, um Spaß. Nun ertappe ich mich häufiger mit dem Gedanken, ein unproduktiver Tag wäre ein verlorener Tag. Ist das nicht absurd? Die jetzige Zeit fühlt sich komisch an. Zwischenzeitlich überfällt mich das Unwohlsein und dann vergeht es wieder. Eigentlich geht es mir gut, meine Probleme sind sicherlich k(l)eine.

„Corona ist nicht schlimmer als die Grippe“, “Es handelt sich nicht um die Pest“, “Als ob Corona nach 23 Uhr ansteckender ist“ – solche und ähnliche Aussagen vertreten vor allem die junge Bevölkerungsschicht und auch ich erlebe sie in meinem Freundeskreis. Mir scheint es wie ein bloßer Kindheitstrotz, der da spricht.

Lockerungen und Beschränkungen, dynamisch verändert sich die Situation und damit einhergehende Entscheidungen. Weltweit, in Deutschland, in Niedersachsen, an Hochschulen und Arbeitsplätzen und bei uns selbst. “Richtig handeln“ wird immer schwerer und der Zwiespalt zwischen Verantwortung übernehmen und einfach normal leben wollen wächst. Keiner hat mehr Lust auf Corona, gerade wir in unserem jugendlichen Freiheitswahn wollen nicht verzichten, wollen wieder unter Menschen sein, feiern gehen, in den Urlaub fahren. Vor allem wollen wir das Gefühl haben, zu dürfen. Zurechtweisungen passen uns nicht in den Kram. Wir sind müde vom Aushalten, manche mehr, manche weniger. Dennoch: Die YOLO-Einstellung bringt uns dieses Mal nicht weiter. Die Suche nach Schuldigen in der Politik schon gar nicht. Aus dem “Du bist schuld“, “Ich will nicht mehr“, “Warum dürfen die und wir nicht?“ sind wir nun doch langsam herausgewachsen, oder? Ich denke Corona hat wenig mit Lust zu tun und schließlich müssen wohl gerade wir uns eingestehen: Wir haben k(l)eine Probleme!


#meincoronasemester Im Onlinesemester sind wir anonym

Von Marin Schartner

Ich bin nun ein Ersti im Studiengang Medienkommunikation. Bewusst habe ich mich gegen eine Uni und für eine Hochschule entschieden, da ich kein Fan vom Anonymen bin. Ich mag es lieber kleiner und gemeinschaftlicher. Natürlich bringt das Online-Semester jetzt doch viel Anonymität mit sich, daher stand ich dem anfangs eher skeptisch gegenüber. Es wird erschwert, neue Freundschaften zu knüpfen, man hat selten ein Gesicht zum Namen in den virtuellen Räumen und auch der Kontakt zu den Lehrenden ist sehr oberflächlich, findet meist nur online im Chat oder über Mails statt.

Ich habe mich eigentlich auch sehr auf das Studentenleben gefreut, was sich eher am Wochenende abspielt. Das funktioniert nun aber angesichts der Auflagen einfach nicht. Das Schöne daran ist, dass wir Erstis alle im selben Boot sitzen und das gemeinsam durchleben!

Es ist also 8 Uhr in der Früh, ich sitze mit heißem Kaffee vorm Laptop, trage Kuschelsocken und einen Oversize-Pulli und höre der Vorlesung gespannt zu. Ich habe die See vor der Tür, bin auf der Insel Rügen und mache hier ein paar Tage Urlaub mit der ganzen Familie. Selbstverständlich bleibe ich aktiv und fleißig dabei!

Mein Coronasemester macht dies möglich! Es hat wie immer alles seine Vor- und Nachteile. Machen wir also das Beste draus!

Bleibt gesund, Eure Maren


#meincoronasemester Innere Konflikte

Von Jonas Giering

Ich habe von der Corona Situation ein anderes Bild als es in den großen Medien und von der Regierung vertreten und vermittelt wird. Kurz gesagt, ich halte es für einen Fehlalarm und bin der Meinung, es geht schon lange nicht mehr wirklich um die Gesundheit der Bevölkerung.

Daher entstehen oft, wenn ich von den Hygieneregeln und den Einschränkungen betroffen bin, innere Konflikte. Ich sehe kaum einen Raum für Diskussionen im Großen und im Kleinen und fühle mich durch die Ankündigungen des Hausverbotes, bei nicht Einhaltung der Verordnungen, eingeschüchtert.

Ansonsten hatte ich einen schönen Start in das Semester und ich möchte mich bei meinen Dozenten bedanken. Sie haben sich auf die veränderten Bedingungen eingestellt und vermitteln Ihr Wissen so gut es geht.


#meincoronasemester Es ruckelt, aber es läuft.

Von Prof. Dr. Marc-Christian Ollrog

Salzgitter, Anfang Oktober: Noch nie habe ich die KollegInnen bereits vor dem Semesterstart so angespannt erlebt: Wie wird es wohl werden? Hält die Technik? Machen die Studis mit, stellen Sie Fragen? Bange Fragen, die wir uns alle stellen – bange Fragen insbesondere in den großen Lerngruppen im Medienbereich. Individuelle Ansprache und Eingehen zählt unter normalen Umständen zu den Stärken des Kollegiums – aber im Remote-Szenario? Wie können wir insbesondere die Erstsemester an Bord holen, wenn wir sie kaum an der Hochschule in Empfang nehmen können?

Nach zwei Wochen ein erstes Durchschnaufen, keine Entwarnung. Die digitalen Vorlesungsräume sind voll, der Chat wird in der Regel höchst aktiv bedient. Die Technik funktioniert mit Abstrichen – zugegeben: gestern ist ein Lernraum mit rund 100 Studierenden abgeraucht – zum Glück erst kurz vor Schluss und die Aufzeichnung lief noch. Aber auch Veranstaltungen mit 165 Teilnehmern laufen problemlos durch – natürlich in den Basisfunktionen ohne allzu viele Sperenzchen. Daran traue ich mich erst später.

Befund: Die Stimmung in den Studigruppen ist besser als gedacht, der Chat brummt in der Regel fröhlich. Die Studierenden sind engagiert, wirken bisweilen wacher als sonst – gerade in den wenigen Präsenzveranstaltungen. Viele loben den Vorteil der Flexibilität („spart Zeit und Geld“), schätzen den Vorteil, den Ihnen das nicht-lineare Nacharbeiten der bereitgestellten Mitschnitte bieten. Die Lehrveranstaltungen selbst funktionieren ähnlich wie gewohnt – weniger Interaktion freilich (die verlagert sich v.a. in den Chat). Man spricht vor allem selbst, was Dozenten in der Regel weniger stört (déformation professionelle), erklärt noch mehr, ruhiger. Kürzer sind die Vorlesungen dadurch keinesfalls, eher im Gegenteil.

Auch Neues entsteht: Viele Dozenten machen sich neue Gedanken über die Stoffvermittlung und das Erreichen der Lernziele, die sie sich andernfalls wohl nicht gemacht hätten. Wie kann man den Stoff durch Einsatz der geeigneten Materialien auf Moodle in Lektionen so strukturieren, dass er die Lehrinhalte erschließt und die intendierten Lernziele ermöglicht? Das ist herausfordernd und spannend zugleich. Die Hoffnung: Davon einiges beizubehalten, auch wenn die Pandemie überwunden ist. Die erzwungene Innovation also nutzen und gezielt verstetigen.

Skurril: Oder „Hogwarts-Feeling“, wie eine Studierende so treffend formuliert. Wer hätte gedacht, dass es so schwer ist, sich in digitalen Räumen zu treffen? Derselbe Link kann Dozenten und Studierende im digitalen Raum in unterschiedliche Hörsäle führen, etwa wenn die Studierende diesen über eine andere Plattform anwählen. Zum Glück sind die Studis auch über StudIP oder andere Kanäle erreichbar. Da geht noch was. Schnittstellenfreie Kommunikation geht anders.

Und dennoch: Das Semester ist gestartet. Ein wenig ruckelig zwar, aber insgesamt besser als befürchtet. Das erste Feedback der Studis ist konstruktiv: „Fast wie eine normale Vorlesung“, sagen viele. Aber doch halt nur fast. Der kleine Scherz, der Schwatz mit den Studis am Rande fehlen, das gemeinsame Abhängen am Campus in den Poolräumen – alles, was irgendwie Gemeinschaft stiftet, fällt weniger aus. Das Kennenlernen der Studierendengruppen untereinander dauert dann sicher länger – ebenso das Kennenlernen von Studis und Lehrenden. Social Distancing auch in der Lehr-Lernbeziehung. Man bleibt auf Distanz – aber wenigstens in Reichweite. Und verabredet sind wir sowieso: Bis morgen dann also, wenn wir alle wieder den Big Blue Button drücken oder uns in den digitalen Hörsaal „zoomen“.