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Meinung und Haltung gute|schlechte Medien - Terrorismus Mediale Beihilfe für Terror

Der Terrorismus scheint bedrohlich nahe zu sein – näher als je zuvor in Deutschland. Doch ist das wahr oder erzeugen bloß die Medien ein falsches Bild? Ein Kommentar über die Berichterstattung – den Unterstützer des Terrors.

Die Medien als Treiber des Terrorismus? Es braucht mehr sensitive Berichterstattung, meint Mona Handke. (Quelle: Pexels)

Bereits die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher kritisierte die Berichterstattung und sagte, dass Aufmerksamkeit und Publizität der Sauerstoff sei, den terroristische Organisationen atmen. Das war 1985 und auch heute ist dies noch der Fall. Die mediale Berichterstattung über Terroranschläge muss sich ändern. Sie erzeugt Angst in der Gesellschaft, vermittelt eine falsche Einschätzung der Situation und fördert den Terrorismus.

Die intensive Berichterstattung über Anschläge bringt Aufmerksamkeit für die Täter und verbreitet Panik in der Gesellschaft. Somit ist ein Ziel von Terroristen weitgehend erreicht. Sie wollen provozieren und genau das wird durch die Medien unterstützt. Ohne eine permanente Verbreitung würde somit ein Anreiz für terroristische Gruppen verloren gehen.

Sensationsjournalismus oder Schweigen? Weder noch!


Doch sollen Medien nun einfach aufhören, über Anschläge zu berichten? Nein. Keine Berichterstattung und somit fehlende Informationen sind auch nicht förderlich für unsere Gesellschaft. Auch ohne Berichterstattung bekommen Menschen einen Anschlag mit. Durch das Totschweigen wird die Angst eventuell nur noch größer. Außerdem wäre es in gewisser Weise auch respektlos den Opfern und deren Familien gegenüber, wenn man in der Öffentlichkeit so tut, als wäre nichts geschehen.

Dennoch muss sich etwas ändern an der Art und Weise, wie berichtet wird. Wie sieht also eine mögliche Lösung des Problems aus? Man muss weg vom Sensationsjournalismus. Der Terrorexperte Alexander Straßner sieht dafür in den französischen Tageszeitungen ein Vorbild. Seit gut einem Jahr wird dort kein Bildmaterial mehr zu Anschlägen publiziert. Dies nimmt ein wenig die von den Terroristen gewollte Publicity. Ohne die zurzeit herrschende Aufgeregtheit und den Alarmismus würde der Terrorismus auch wieder auf das Niveau zurechtgestutzt, welches ihm zukommt. Eine Orientierung an diesem Maßstab wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Die Berichterstattung sollte weniger ausführlich und dafür sachlicher sein. Es sollte keine permanenten Live-Ticker für jedes neue Detail geben, auch Bilder vom Tatort sowie vom Täter sollten nicht veröffentlicht werden und es sollten erst recht keine Spekulationen in Bezug auf Täter, Motive oder Sonstiges verbreitet werden.

Verzerrtes Medienweltbild


Durch die Medien bekommen wir ein völlig falsches Bild von der Sicherheitslage in Deutschland. Wenn man sich die Liste von Terroranschlägen bei Wikipedia anschaut, findet man viele Anschläge außerhalb Europas, über die hier in den Tagesnachrichten gar nicht berichtet wird. In Somalia gab es am 14. Oktober 2017 einen Anschlag in Mogadischu mit mindestens 358 Toten. Im Irak wurden am 14. September 2017 bei einem Doppelanschlag nahe Nassirija 74 Menschen getötet. In Afghanistan starben bei einem Anschlag in Laschkar Gah am 22. Juni 2017 mindestens 36 Menschen. Trotz der schlimmen Ausmaße werden diese Anschläge in den deutschen Medien kaum, oder wenigstens nicht so sehr diskutiert wie Anschläge in westlichen Ländern. Natürlich folgt dies den Nachrichtenfaktoren. Wenn die geografische Nähe nicht gegeben ist, ist es verständlich, dass Nachrichten nicht über alles berichten. Jedoch wird für den deutschen Rezipienten der Eindruck geschaffen, dass Anschläge auf westliche Nationen häufiger sind und die Gefahr unmittelbar nah ist. Wenn man dies allerdings in Bezug zu allen Anschlägen auf der Welt setzt, scheint die Sicherheit in Deutschland vergleichsweise hoch zu sein.

Medien sollten also einerseits ab und zu einen Bezugsrahmen geben, um Anschläge in der Häufigkeit und dem Ausmaß weltweit einordnen zu können. Andererseits sollten Medien Anschläge nicht übermäßig verbreiten. Es sollte sachlich informiert werden, doch nicht in dem übersteigerten Ausmaß und auf die Weise, wie es jetzt geschieht, wo sich die größten Medienanbieter mit News-Tickern und Details geradezu überbieten. Bilder sollten zurückgehalten werden und auch Informationen über die Täter sollten nicht verbreitet werden. Somit wäre der Anreiz der medialen Präsenz für Terroristen nicht mehr so hoch und die Angst in der Gesellschaft könnte eventuell durch die angemessene Beschäftigung mit dem Thema gemindert werden.