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Meinung und Haltung - Pornosucht Männer, Pornos zerstören euer Liebesleben!

Je öfter ihr Sexvideos im Internet schaut, desto weniger erlebt ihr selbst echte Sexualität. Von weiteren Einschränkungen des Liebeslebens ganz zu schweigen. So einfach ist das. Aber warum? Campus38-Autor Kerem Acin erklärt es uns.

Häufiger Pornokonsum wirkt sich negativ auf die Einstellung, Emotion und das Verhalten von Männern aus. (Quelle: iStock/Marcos Calvo)

Beginnen wir mit einer Anekdote aus meinem Leben: Ich arbeitete kurzzeitig in der Autoproduktion am Band. Einer meiner damaligen Kollegen, 24 Jahre alt und noch Jungfrau, war pornosüchtig. Für ihn war es normal, bereits um 9 Uhr morgens im Pausenraum Pornos zu schauen und zwar mit Ton. Nicht zur sexuellen Befriedigung, sondern zur Unterhaltung. Er meinte immer, dass er eine „geile Nymphomanin“ bräuchte und bis zu dreimal täglich masturbiere. Eines Tages erzählte er, er habe ein Date. Für seine Verhältnisse war sie ein Topmodel. Nach dem Tag des Treffens, kam er angeschlagen zur Arbeit. Für ihn war es nicht wie geplant gelaufen. Sie sähe zum einem nicht gut genug aus und zum anderen wäre sie zu prüde. Er habe sie gefragt, wie oft sie täglich Sex haben wolle, welche Stellung sie bevorzuge usw. Sie habe angewidert reagiert. Er meinte dazu so etwas wie: „So hässlich wie die ist, soll sie sich freuen, wenn die überhaupt ein Typ anfasst.“ Ein Extrembeispiel, doch spiegelt es die Folgen von Pornosucht wider: Realitätsverlust und Misogynie.

Stetiger Pornokonsum sorgt für Gewöhnung an die Medieninhalte. Dadurch benötigt man mit der Zeit stärkere Reize also extremere Filme, um die anfängliche Erregung zu erreichen (Habitualisierungshypothese). Beim Schauen schüttet der Körper das Glückshormon Endorphin aus. Ein Suchtverhalten entsteht. Gleichzeitig wird die Attraktivität von möglichen, aber auch festen Partnern im echten Leben als niedriger eingestuft. Die Lust sinkt, das gilt für Mann und Frau. Beim Mann sorgt es auch noch wegen der Steigung der Reizschwelle für Potenzstörungen. Außerdem wird promiskuöses Verhalten als natürlich wahrgenommen. Die gewünschte Anzahl von Sexualpartnern und -praktiken wird überschätzt. Irgendwann übernimmt der Vielnutzer das vermittelte Weltbild aus diesen Filmen (Kultivierungshypothese). Die Frau wird als jederzeit williges und willfähriges Sexobjekt wahrgenommen. Die Anzahl an frauenfeindlichen Aussagen steigt. Männer werden gefühlskalt und rücksichtsloser Frauen gegenüber. Letztlich sorgt es sogar für die Verharmlosung von Vergewaltigungen. Also, Ihr Söhne Adams: Könnt Ihr euch vorstellen, wie viele Frauen mit solchen Typen ausgehen wollen? Bis auf die masochistisch veranlagten, keine Einzige.

Selbsttest: Willst du wissen ob du pornosüchtig bist? Versuche zwei Wochen ohne Erotikfilme und -inhalte auszukommen. Solltest du es nicht schaffen, bist du süchtig. Wenn dieser Test für dich absurd scheint und du nicht verstehst, warum man auf Pornos verzichten sollte, dann bist du bereits durchgefallen.

Mein Tipp: Es gibt genug Singles, und genügend sind auf der Suche nach einem Partner. Der Grund, warum Tinder und Co. erfolgreich sind. Also macht euch schick, geht aus, seid spontan, lernt neue Menschen kennen, macht Erfahrung und mit ein bisschen Glück, findet ihr, was ihr sucht.