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Meinung und Haltung Liebe auf Distanz

Jedes 10. Paar in Deutschland führt eine Fernbeziehung. Grund dafür ist oftmals das Studium. Was hält Paare in dieser Zeit zusammen und was passiert, wenn das Vertrauen fehlt? Zwei Studenten berichten von ihren Erfahrungen.

Jedes Liebespaar geht mit der Distanz anders um. (Quelle: iStock)

„Die Distanz stärkt unsere Beziehung“

Svenja & Cedric, Hamburg - Salzgitter


Mehr als die Hälfte unserer Beziehung verbrachten wir schon getrennt voneinander. Nach dem Abi, wir waren zu diesem Zeitpunkt schon eineinhalb Jahre zusammen, ging ich für ein Jahr nach England, um dort als Au Pair zu arbeiten. Natürlich hatte ich Angst, ob unsere Beziehung die Entfernung überlebt und ob wir für eine Fernbeziehung „gemacht sind“. Wir haben uns nur einmal in diesem Jahr gesehen, doch Dank der modernen Technik haben wir oft geskypt und das befürchtete Heimweh blieb aus. Nachdem ich wieder zurück in Deutschland war, kam meine Zusage für einen Studienplatz im zwei Autostunden entfernten Salzgitter. Die nächste Fernbeziehung stand vor der Tür. Wichtig ist, nicht aus den Augen zu verlieren, wofür man die Liebe auf Distanz in Kauf nimmt. Ohne Perspektive funktioniert es nicht. Ich denke, wenn die Liebe wirklich stark genug ist, ist eine Fernbeziehung auch dank modernster Technik wirklich machbar. Die Kunst ist es, sie nicht als Ballast zu sehen, sondern als Chance. Gerade in Bezug auf den Aspekt Selbstverwirklichung und Selbstständigkeit. Jeder kann sich voll und ganz auf sein Studium konzentrieren und an den eigenen Herausforderungen wachsen. Durch das gegenseitige Vertrauen wird die Beziehung gestärkt. Wenn man sich dann wieder sieht, wird die gemeinsame Zeit genossen und es bleibt kein Platz fürs Streiten. Man lernt die kleinen Dinge, wie nebeneinander einschlafen, die für zusammenlebende Paare ganz selbstverständlich sind, zu schätzen. Nichts wird als selbstverständlich hingenommen und die Beziehung bleibt frisch und besonders. Dafür lohnt es sich, eine Fernbeziehung einzugehen.

„Das Vertrauen hat gefehlt“

Finja & Tobias, Hamburg - Marburg


Ich lernte Tobias im Sommerurlaub auf Ibiza kennen. Es war wirklich Liebe auf den ersten Blick. Doch einen Haken gab es: Er wohnte in Marburg, ich in Hamburg. Trotzdem wollten wir es probieren, obwohl ich schon ein wenig Bauchschmerzen dabei hatte. Ich kannte viele Negativbeispiele aus meinem Freundeskreis und hatte Angst, dass es mir auch so ergehen würde. Doch das erste halbe Jahr lief toll. Wir telefonierten und skypten so oft es ging und besuchten uns jedes zweite Wochenende. Wir genossen die Zeit zusammen, lernten uns jedes Mal besser kennen und ich war überrascht, wie gut unsere Beziehung, trotz Entfernung, lief. Doch mit der Zeit flachte die Anfangseuphorie ab. Wir waren beide mit unserem Studium sehr eingespannt und konnten uns meistens nur noch einmal im Monat sehen. Wir stritten viel und die Beziehung entwickelte sich immer mehr zu einem Ballast. Er schrieb tagelang nicht zurück und ich hatte das Gefühl, nicht mehr eine aktive Rolle in seinem Leben zu spielen. Das Anfangsvertrauen nahm immer mehr ab und es gab keinen Nährboden mehr für unsere Beziehung. Nach einem Jahr trennten wir uns dann im gegenseitigen Einvernehmen. Rückblickend war das Problem, dass wir keine stabile Grundlage hatten und uns nicht so gut kannten, wie Paare, die erst nach längerer Zeit Zusammensein, eine Fernbeziehung führen mussten.

 
 

Kniffe für eine Fernbeziehung


Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor und unterstützt seit 15 Jahren Singles und Paare. Campus38 verrät er seine drei Tipps für eine glückliche Fernbeziehung.

1. Entwickelt und pflegt Rituale: Dank moderner Technik sind Videokonferenzen vor dem Schlafengehen kein Problem mehr. Aber ihr dürft euch auch beim getrennt-gemeinsamen Fernsehen eurer Lieblingsserie SMS schreiben. Findet etwas, das ihr gerne tut und mit dem ihr gute Gefühle verbindet und macht daraus ein Ritual.

2. Seht die Vorteile: Das Gegenmittel bei Sehnsucht und Zweifeln: Macht euch bewusst, dass ihr genießen könnt, was manchen Paaren fehlt: Spannung, Begehren - und auch Sehnsucht. Dass sich in eurer Partnerschaft lähmende Routine einschleicht, müsst ihr so schnell nicht befürchten.

3. Vertrauen schenken: Wenn euer Partner nicht ans Telefon geht, ist noch nichts mit ihm passiert und er ist auch noch nicht untreu gewesen. Gebt euch Freiraum und denkt daran, dass Eifersucht Kontrolle bedeutet. Dazu ist nötig, dass ihr einen Vertrauensvorschuss gebt. Je nach eurer Beziehungserfahrung kann das schwierig sein, doch euer Partner kann nichts für die Fehler eures Exfreundes.