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Meinung und Haltung - pokemon, karten, spiel Gotta Catch ‘Em all – oder doch nur die teuren?

Pokémon erlebt zurzeit seinen zweiten Frühling. Das Kartenspiel ist so beliebt wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig feiert Pokémon heute am 27. Februar seinen 25. Geburtstag. Ist jetzt der Zeitpunkt, seine Karten zu verkaufen? Schließlich kosten einige von diesen so viel wie ein Haus.

Pokémonkarten sind zurzeit beliebter denn je. Sammler zahlen zum Teil horrende Preise. (Quelle: Jan-Ole Smidt)

Ein Glurak der ersten Edition ging Anfang Februar für knapp 70.000 Euro über die Ladentheke. Eine Karte des Sammelkartenspiels Pokémon. Ein Stück Pappe, mit Glitzerfolie verziert. Genauer handelt es sich bei dem Exemplar um eine Glurak-Karte, First-Edition, PSA-10, verkauft auf eBay. Damit ist sie eine der wertvollsten, deutschsprachigen Pokémonkarten. Ein englisches Pendant wurde im Dezember 2020 für knapp 370.000 US-Dollar verkauft – selbige Eigenschaften. Sogar ein Lottogewinn ist wahrscheinlicher, als solche Karten aus einem Booster-Pack zu ziehen. Daher bezahlen Sammler auch so immens hohe Preise. Und weil Pokémon derzeit wieder ein Hype ist.

Das Sammelkartenspiel ist seit einigen Monaten beliebter denn je. Die meisten, die zwischen 1998 und 2008 selbst Pokémonkarten hatten, entdecken derzeit ihre alte Sammelleidenschaft wieder. Die neuesten Produkte sind deutschlandweit vergriffen und überhaupt explodieren die Preise für neue, aber vor allem für ältere Karten. Verrückt.

Ihren Anteil an den Preisen haben auch Grading-Services, also Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, Sammelgegenstände wie Spielkarten mit Noten zu bewerten. Zehn ist die Höchstnote. Weil die Spielkarten von Firmen wie Professional Sports Authenticator, kurz PSA, in den USA professionell bewertet und in eine Schutzhülle mit der Benotungsskala versiegelt werden, ist es nicht selten, dass sich der Wert der Karte plötzlich verfünf- oder versechsfacht.

Neben Glurak, eines der Pokémon, dass man zu Beginn der allerersten Gameboy-Spiele bekam, ist auch ein anderer Fanliebling hoch im Kurs: Pikachu. Bestimmte Karten des mausähnlichen Elektro-Pokémons, besonders bekannt durch die Anime-Adaption, sind mittlerweile ebenfalls tausende Euro wert. Mitverantwortlich für diesen Hype ist der amerikanische YouTuber und Streamer Logan Paul. Zuletzt kaufte dieser Karten für zwei Millionen US-Dollar. Seine Booster-Opening-Streams zogen Millionen Menschen vor den Bildschirm. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis deutsche Streamer auf den Zug aufspringen würden.

Ob strategische Inszenierung oder nicht: Zufällig feiert Pokémon heute am 27. Februar, dem sogenannten Pokémon-Tag, seinen 25. Geburtstag. Daher können sich Fans dieses Jahr auf einige Überraschungen gefasst machen. Nicht nur auf das nächste Riesen-Opening von Logan Paul. Ab März gibt es zum Beispiel in jedem Happy-Meal bei McDonalds Karten mit einem Jubiläumsstempel auf dem Bild. Sehnsüchtig wird auch die neueste Karten-Erweiterung (das Jubiläums-Set), die im Herbst erscheinen soll, erwartet. Wer ein Stück vom Kuchen abhaben möchte, sollte sich nun bereits den ein oder anderen Penny auf die hohe Kante legen. Das Set wird teuer, könnte sich aber lohnen. Besitzer eines ungeöffneten Kartons mit Boostern haben auf lange Sicht die Chance, eine Menge Geld zu machen.

Aber mal ehrlich: Ist es das? Ist das der Sinn? Die Jagd nach den Euros? Es ist nichts Verwerfliches daran, dass man sich über eine wertvolle Karte freut, zieht man sie aus einem Booster. Doch früher war es das Ziehen selbst. Der Moment, wenn man mit seinen Eltern im Einkaufsladen endlich an die Kasse kam und Mama und Papa davon überzeugt hatte, zwei Booster-Päckchen zu kaufen. Noch während der Heimfahrt wurden die Tütchen aufgerissen und die Karten bestaunt. Ein wahnsinnig gutes Gefühl, wenn die letzte Karte im Pack glitzerte. Vor allem dann, wenn es eines der Lieblingspokémon war. Wer hat sich bitteschön nicht über die ikonischen Bildchen von Gengar, Turtok, Simsala oder Garados gefreut?

Heute heißt es dann wohl: Das Schöne mit dem Praktischen verbinden. Solange wir Kinder der 90er noch Spaß daran haben, sollten wir sammeln und genießen. Der Tag, an dem es an die Familienplanung geht, kommt früh genug. Spätestens dann kann man immer noch einige seiner Pokémon gegen etwas Nützlicheres wie das Eigenheim oder ein Auto eintauschen.