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Meinung und Haltung Das Corona-Tagebuch Mai und Juni: Ein Semester Home-Uni

Ab Mitte März überschlagen sich die Ereignisse. Das soziale Leben friert ein. Schuld daran ist das Corona-Virus, dessen globale Konsequenzen von Tag zu Tag deutlicher werden. Hier schreiben die Ostfalia-Studierenden, wie sie die Krise erleben.

Alle Beiträge von März und April finden Sie unter "Verwandte Links".

Studierende und Dozierende fassen ihre Erlebnisse während der Corona-Krise in Tagebucheinträgen zusammen. (Quelle: iStock)

#nohomeoffice Home-Office? Schön wär’s

Autorin: Mandy Dziuba

Tag 99 – Freitag, der 19. Juni. Während der Corona-Krise arbeiten? Für viele Berufstätige in Zeiten des Home-Office kein Problem mehr – sie arbeiten mittlerweile ganz bequem von zuhause aus. Doch in manchen Jobs ist das unmöglich: Auch ich zähle zu denjenigen, die jeden Tag zur Arbeit fahren. In meinem Fall ist das eine Apotheke. Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten müssen nach wie vor mit Arzneimitteln versorgt werden, angefangen bei fiebrigen Kleinkindern über Schwangere mit Sodbrennen bis hin zu von Bluthochdruck geplagten Managern – sie alle finden den Weg in die Apotheke. Meine Arbeit lässt sich nicht bequem vom Sofa aus erledigen, ich stehe Tag für Tag hinter einer Plexiglasscheibe, bediene Kunden im vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 m und trage während der gesamten Arbeitszeit selbstverständlich meinen Mund-Nasen-Schutz.

Die eigentliche Herausforderung besteht für mich aber nicht etwa darin, für die Einhaltung des Katalogs an Hygiene- und Abstandsvorschriften zu sorgen, sondern die Kunden überhaupt erst zu verstehen. War es eine Rezeptbestellung, eine Beleidigung oder tatsächlich ein freundliches Wort, das der Kunde gerade in seinen Mundschutz gebrabbelt hat? Alles ist bereits vorgekommen, auch die Kunden werden verständnislos und teilweise sogar richtig unfreundlich – dabei zählen viele von ihnen zur Risikogruppe.

Zum Glück ist ein Großteil der Kunden nach wie vor freundlich und weiß es zu schätzen, dass meine Kollegen und ich nicht bequem von zuhause aus arbeiten, sondern wie gewohnt täglich in der Apotheke stehen und Arzneimittel ausgeben. Das muntert uns auf, ganz besonders am Ende eines 8-Stunden-Tages in dem Moment, in dem wir die Masken abnehmen und jedes Mal aufs Neue erstaunt darüber sind, wie viel Luft man normalerweise bekommt.


#wecandoit Geschafft: ein Semester Home-Uni

Autorin: Sandra Winter

Tag 98 – Donnerstag, der 18. Juni. Das Sommersemester hatte gerade erst begonnen – dann kam Corona und stellte uns alle vor riesige Herausforderungen. Hand aufs Herz: dieses Semester hat mich einige Nerven gekostet. Was am schlimmsten war? Für mich persönlich war es das Aushalten von Ungewissheit. Es gab Tage, da hätte ich am liebsten im Fünfminutentakt mein Ostfalia-Postfach aktualisiert, in der Hoffnung neue Informationen über den aktuellen Stand zu bekommen. Ich hatte tausend Fragen, aber keine Antworten. Wie lange müssen wir noch in der Onlinelehre bleiben? Wie schreibe ich ein Forschungsprojekt mit quantitativer Erhebung in Zeiten von Corona? Wie produziere ich einen Beitrag mit strengen Kontaktbeschränkungen, aber ohne Equipment? Wann war nochmal die nächste Onlinekonferenz für die Marketing-Vorlesung? Werden wir unsere Prüfungen ablegen können? Wie kann ich das alles schaffen, obwohl die Welt um mich herum gerade im Ausnahmezustand ist? Und welcher Tag ist heute eigentlich?

Aus dem gemeinsamen Lernen in Präsenzlehre wurde das Lernen allein zu Hause. Auf all das war niemand vorbereitet. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich meinen Rhythmus in diesem sonderbaren Semester gefunden hatte. Ich bin es zwar gewohnt, eigenverantwortlich zu lernen und zu studieren, aber mit dieser neuen Situation musste ich erstmal warm werden. In diesem Semester kam eine ordentlich Portion „Bring es dir selber bei!“, Geduld und Selbstdisziplin zu meinem Workload hinzu. Mit der gestiegenen Verantwortung kamen aber auch mehr Freiheiten: Studieren wann ich will, auch nachts um halb zwei. Die Vorlesung von Freitag später nacharbeiten, ist ja aufgezeichnet worden. Dem Dozenten noch schnell eine Frage via Telegram schicken und zeitnah eine Sprachnachricht mit Feedback bekommen. Ein Referat online halten. Vom Sofa aus. Ganz entspannt.

Wann wieder Normalität in die Hochschullehre kommt, das steht noch nicht fest. Vielleicht wird auch das kommende Wintersemester wieder ein digitales Semester. Das wäre zwar jammerschade, aber wir hätten einen großen Vorteil: wir wären darauf vorbereitet.


#auchkinderwerdendepressiv Wer denkt an die Kinder (und Familien)?

Autor: Prof. Dr. Marc-Christian Ollrog

Tag 76 - Mittwoch, der 27. Mai. Meine Söhne sind wütend. Schon seit Wochen. Wütend, weil ihnen ihr Leben genommen ist – die Schule, ihre Freunde, die KiTa, der Sport, das Schwimmen und jede Aussicht auf baldige Verbesserung der Lage. Der eine leidet still, der andere laut – Papa und Mama lassen sie ihre ganze Wut spüren. Und da hat sich einiges aufgestaut. Warum sollten Sie morgens aufstehen? Wozu sich noch an Regeln halten? Die Ordnung ist doch ohnehin dahin. Als die Spielplätze vor drei Wochen wieder öffnen, ist das ein kurzes Aufatmen. Ein Strohfeuer. Nun öffnen Shoppingmalls, Fitnessstudios, Spielhallen und vielleicht sogar Bordelle vor KiTas, obwohl sich die Zeichen verdichten, dass Kinder eher keine Rolle als Virusüberträger spielen. Es ist verstörend, wie wenig an die gedacht wird, die später mal Verantwortung übernehmen sollen in diesem Land. Der Eindruck, der bleibt: Kinderrechte spielen in diesem Land keine Rolle. Das Grundrecht auf Bildung – offenbar ausgesetzt. Das macht mich wütend.


#GLÜCK Glück in der dunkelgefärbten Pechsträhne (4/4)

Autorin: Lena Isenberg

Tag 76 - Mittwoch, der 27. Mai: Die Monate April und Mai vergehen so schnell wie noch nie. Ich recherchiere für neue, spannende Themen und bin auf den Drehs dabei. Auch wenn nichts nach Plan läuft, ist doch alles nochmal gut gegangen. Ich hatte Glück – verdammt viel Glück – in der dunkelgefärbten Pechsträhne.

(Anmerkung der Redaktion: die Beiträge 1-3 finden sich im Corona-Tagebuch März)


#UNIENTZUG Ich vermisse die Uni

Autor: Moritz von Haken

Tag 76 – Mittwoch, der 27. Mai. Dieser Tag wird genau wie der Tag davor… und wie der Tag davor…. und wie der Tag davor.

Selten hat eine Aussage aus einer Fernsehserie meinen Gemütszustand so treffend dargestellt. Dieser Spruch hier kommt von Nelson Muntz von den Simpsons.
Denn mittlerweile bin ich so in diesem Trott aus aufstehen, essen, Uniaufgaben, Videospiele spielen und wieder schlafen gehen gefangen, dass ich erst Mitte Mai gemerkt habe, dass der April schon wieder vorbei ist.

Mein ohnehin schon zerschossener Schlafrhythmus hat sich nun final dahingehend entwickelt, dass ich vor 2 Uhr morgens einfach nicht mehr müde werde. Sollte ich doch versuchen, früher zu schlafen, ist es so, als versuche man eine Eiche mit einer Laubsäge zu fällen. Kann dauern.

Und so vorteilhaft es doch ist, sich beim Onlineunterricht in seiner Bettdecke und hinter der Kamera-aus-Taste zu verstecken, so wenig kommt das Gefühl auf, dass man gerade tatsächlich etwas lernt. Ich dachte nie, dass ich das einmal sage, aber: Ich vermisse die Uni.


#Zombiesundzuvielfreizeit Lieber Alfred (5/5): Ich mag Zombies nicht!

Autor: Kerem Acin 

Tag 75 - Dienstag, der 26 Mai. Apropros Zombies: Ich bin bei The Walking Dead bei Staffel sieben und finde Zombies sehr unlogisch. Tote, die aufgrund eines Parasiten, der sich im Gehirn ansetzt, wieder zum Leben erweckt werden und unbändigen Appetit auf Menschenfleisch bekommen.

Hier eine Liste der unlogischen Sachen:

  1. Der Parasit müsste in der Lage sein, die komplexen motorischen, als auch sensorische Fähigkeiten des Menschen zu übernehmen, was sehr unwahrscheinlich ist.
  2. Warum gelten biologische Regeln nicht für Zombies? Blutverlust (und Blut ist wichtig, da Sauerstoff Lieferant, was gebraucht wird, um ATP zu ADP zu synthetisieren, was Muskeln, also auch das Gehirn, brauchen, um zu funktionieren) ist für Zombies komplett irrelevant. Sie laufen mit Verletzungen umher, die für soviel Blutverlust sorgen, dass jeder normale Mensch, in wenigen Minuten bewegungsunfähig wäre.
  3. Warum essen sie überhaupt Menschenfleisch …?

Ich habe viel zu viel Freizeit. Montag öffnen zum Glück die Fitnessstudios wieder. Ansonsten komm ich noch mit einem Knacks aus der Quarantäne.


#nachtrag Lieber Alfred (4/5): Von Impfgegnern zu Influencer, Teil 2

Autor: Kerem Acin

Tag 74 - Montag, der 25. Mai. Nachtrag zu gestern: Ähnliches gilt aus meiner Sicht für Klimawandel-Leugner, Veganer, Rechtspopulisten, Flacherdler und vielleicht auch für Kanye West. Auf jeden Fall für Leute, die denken, Yoga und Wasser-Aerobic sei richtiger Sport. „Ich habe so einen Muskelkater vom Wasser-Aerobic“, einen Satz, den noch niemand gesagt hat. Influencer, die denken, das sei ein echter Beruf, Selfie-Stick-Nutzer und Leute, die ihr Handy im Straßenverkehr benutzen und über die Straße watscheln wie Zombies.


#duning-kruger-effekt Lieber Alfred (3/5): Von Impfgegnern zu Donald, Teil 1

Autor: Kerem Acin

Tag 73 - Sonntag, der 24. Mai. Ach, wenn wir schon bei Impfgegnern sind - Stichwort: Duning-Kruger-Effekt. David Duning und Justin Kruger untersuchten, warum meist dumme Menschen so stark von sich selbst überzeugt sind (bspw. Trump). Sie stellten fest: Diesen Personen fehlt die Fähigkeit der Metakognition. Also die Fähigkeit, Gedanken und Erkenntnisse zu reflektieren. Von außen wirkt es wie Selbstvertrauen, doch eigentlich herrscht im Kopf nur Durchzug, gähnende Leere, absolutes Vakuum. „We need a wall! Between the U.S and Mexico to stop the illegal immigration“, eine Idee, die zu Zeiten von Passagierflugzeugen irgendwie doch sehr, sehr blöd ist, nicht wahr? Wenn Intelligenz fliegen könnte, dann wäre dieser Donald ein Fisch.


#sprechendegegenstände Liebes Tagebuch (2/5): Ich bin Belle, aus die Schöne und das Biest

Autor: Kerem Acin

Tag 72 - Samstag, der 23. Mai. Mittlerweile rede ich mit den Gegenständen in meiner Wohnung. Teeo (Meine Teetasse) ist aber auch ein ausgezeichneter Zuhörer. Nicht so wie die Mikrowelle. Blöde Mikrowelle. Sie meinte zu mir: „Noch eine Tafel Schokolade? Schon mutig, bei diesem Bauch.“ Den Rest der Schokolade verzehrte ich weinend in der Toilette. Langsam fühle ich mich wie Tom Hanks in Cast Away (dt. Verschollen). Außerdem finde ich Impfgegner lächerlich. Eine fehlende Impfung sorgt für ein komplettes gesellschaftliches Aus. Und sie erzählen von einer weltweiten Verschwörung aller politischen Organe und Medien. Anstatt einfach anzusehen, dass sie falschliegen. Übrigens: mein Tagebuch ist benannt nach dem Kellner von Batman.


#keinsport Liebes Tagebuch (1/5): Ich bin nicht schwanger

Autor: Kerem Acin

Tag 71 - Freitag, der 22. Mai. Mann, bin ich fett geworden. Ich schaue in den Spiegel und ziehe mein Shirt hoch. Mein Bauch springt raus und begrüßt mich. Ich hüpfe häufiger leicht auf und ab, um den Speckanteil anhand der Schwabbelqualität festzustellen. Als Frau könnte ich erzählen, dass ich schwanger bin. Von sechsmal die Woche Fitness- und Kampfsporttraining runter auf null. Seit zehn Wochen kein Sport. Heimtraining ist nicht dasselbe. So wie Tofu für einen Fleischfresser. Dafür hatte ich viel Zeit zum Lesen. Khalil Gibrans „Der Prophet“ kann ich Poesiefans empfehlen. „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman für alle, die eher Fachbücher mögen.

 


#fluchtandienordsee Urlaub in Deutschland macht sich bezahlt

Autorin: Marie-Kristin Schildwächter

Tag 69 – Mittwoch, der 20. Mai. Stets wurde man im Freundes- und Bekanntenkreis nur belächelt. „Wie, ihr macht Urlaub in Deutschland? Ja, selbst schuld.“

Aber jetzt in verdutzte und neidische Gesichter zu blicken, wenn man erzählt, dass man dem Homeoffice Ade sagt und in den Urlaub fährt, macht alles wieder wett. Und zwar doppelt. Irgendwann musste es sich schließlich einmal lohnen, ein Nordseeurlauber zu sein.

So ganz entkommt man Corona zwar leider nicht: Auch hier gelten Abstandhalten und Maskenpflicht. Aber mit den Füßen im Sand, dem Wind um die Nase und einem Bierchen in der Kralle ist der ganze Mist doch viel besser zu ertragen.


#leinenlos Alltagshunger

Autor: Dennis Geldmacher

Tag 68 Dienstag, der 19. Mai. Was haben sich meine desinfektionsmittelgezeichneten Hände danach gesehnt, endlich wieder die Karte einer Gaststätte aufzuschlagen. Nach Wochen des Abwaschs in Jogginghosen folgen nun die Tage der klassischen Gemütlichkeit. Das verspricht zumindest der Plan, der auf dem Papier so einladend klingt wie ein frisch bezogenes Bett: Naherholung im Harz mit anschließendem Gaumenschmaus bei bayrischer Blockhütten-Atmosphäre. Das klingt nach Normalität!

Aber hätte ich nicht schon vor Tagen den Tisch reservieren müssen? Jetzt, wo die Leine etwas lockerer sitzt, rennen all die Isolationsgeplagten mit Sicherheit einem kleinen Familienbetrieb die Bude ein. Vor meinem geistigen Auge bilden sich Schlangen bis zum Parkplatz. Doch im Restaurant begrüßt mich eine gespenstische Leere. Nachdem mir der maskierte Kellner das Formular zuschiebt, auf dem ich meine Kontaktdaten hinterlasse, wird mir klar, dass Normalität keine Regierungsentscheidung ist. Sie kommt mit der Zeit. Vielleicht ist es in ein paar Wochen schon so weit.


#socialdistancetraining Endlich wieder Feldhockey!

Autorin: Karoline Steinbock

Tag 67 – Montag, der 18. Mai. 20:30 Uhr. Mit dem Hockeyschläger in der Hand stehe ich auf dem Kunstrasenplatz. Seit über zwei Monaten habe ich auf diesen Moment gewartet. Seit einer Woche ist das Mannschaftstraining unter freiem Himmel wieder erlaubt. Doch auch hier ist Social Distancing das Gebot der Stunde. Heißt: zwei Meter Abstand zueinander, keine Zweikämpfe, keine Wettkampfsimulation. Trainiert wird in festen Fünfergruppen, um im Zweifel Infektionsketten nachzuvollziehen. Der Ligabetrieb ist bis August ausgesetzt und es gibt noch keinen konkreten Plan, wie er wieder aufgenommen wird. Außer Techniktraining steht also im Moment nicht viel auf dem Plan. So schön es auch ist, das Team wiederzusehen und Bälle aufs Tor zu schlagen, wie ein richtiges Mannschaftstraining fühlt sich das am Ende nicht an. Was fehlt, ist der Kontakt zu allen Mitspielern und die Vorbereitung auf Punktspiele. Mit Blick auf die aktuelle Situation ist das wohl aber die mit Abstand beste Lösung.


#NeueWege Nichts ist unmöglich

Autorin: Sandra Winter

Tag 67 – Montag, der 18. Mai. Die letzten zwei Monate kommen mir vor wie ein halbes Jahr. Die Welt scheint eine andere zu sein. Sie ist unsicherer und unvorhersehbarer geworden. Plötzlich kommen Dinge in Bewegung. Digitalisierungsschübe an Schulen und Hochschulen, Home-Office und ein Nachdenken über das, was systemrelevant ist. Wissenschaftler stehen jetzt im Rampenlicht. Fakten, Informationen und journalistischen Medien kommt besondere Aufmerksamkeit zu. Wir fragen uns, was wirklich wichtig ist. Wir erinnern uns, wie wichtig Debatten innerhalb einer Demokratie sind und denken über die Welt nach Corona nach. Kommt nach der Sorge ums Klopapier nun die Sorge um unsere Demokratie? Hoffentlich nicht. Diese neue, auf gefühlten Wahrheiten basierende Empörungskultur besorgt mich.

Was in zwei Monaten ist? Ich weiß es nicht. Aber ein paar Dinge sind mir klar geworden. Ich möchte unbesorgter sein. Ich möchte mich mehr einmischen und nicht den ohnehin schon lautesten das Wort überlassen. Ich möchte geduldiger sein. Mit mir und dem, was ich von mir erwarte. Ich möchte unaufgeregter sein. Die kleinen Momente mehr wertschätzen. Jede Krise bietet Chancen. Chancen, die wir ergreifen können. Neue Wege, die wir gehen können.


#DIYFUN Pinterestlover

Autorin: Frederike Hagedorn

Tag 66 - Sonntag, der 17. Mai. 20:32 Uhr. Ich sitze am Schreibtisch. Links von mir ein Gläschen Wein, rechts von mir Bastelutensilien. Ich öffne den Laptop und rufe Pinterest auf. Pinterest ist mittlerweile mein bester Freund… Wir verbringen viele Abende miteinander und immer kommt etwas Tolles dabei raus!

Ob Geburtstagskarten, Kerzen oder Fotoalben, seit der Quarantäne bin ich irgendwie auf dem DIY-Trip gelandet. Um ehrlich zu sein, überlege ich schon, ob ich nicht mal etwas bauen will. Ein Regal oder so. Oder ein Palettenbett? Pinterest sagt, das ist ganz leicht.

Was für die Uni tun? Ja, ne also manchmal mache ich das auch… ich habe zum Beispiel meine Uni-Ordner endlich mal schön beschriftet und verziert. Ach, und einen Kalender habe ich gebastelt mit To-Do-Listen, aber die sind noch nicht ganz fertig. Sobald ich mein Zimmer von dem ganzen Bastelzeug befreit habe, setze ich mich auch sofort an die Hausarbeit. Aber erst muss ich noch diese Foto-Box ausprobieren. Da gibt’s eine ganz einfache Anleitung für. Habe ich übrigens auf Pinterest gefunden. Sieht echt toll aus!


#Familienchaos Die ganze Familie zu Hause

Autorin: Anna Schorlemer

Tag 65 - Samstag, der 16. Mai. Als große Schwester steht bei mir als erstes die Verpflichtung auf dem Programm – also ab nach Hause! Im Gepäck? Natürlich die gute Laune!

Die Grundschule geschlossen und meine Eltern im Home-Office: Schlüsselpersonal-Chaos. Zuhause angekommen, muss ich meinen Geschwistern schnell verklickern, dass das die aufregendste Zeit ihres Lebens wird! Nach den morgendlichen Schulaufgaben verwandeln wir den Keller in einen Tanzraum. Leider stellt meine Schwester schnell fest, dass ich kein guter Ersatz für ihre Ballettlehrerin bin. Also behelfen wir uns mit YouTube – super! Wir unternehmen Entdeckungstouren durch den Wald, bauen ein Tipi und basteln Dekoration für meine Mutter, die jeden verkümmerten, gebastelten Schmetterling voller Freude ins Küchenfenster hängt. Mein Bruder übt sich im Bogenschießen und Weitwurf. Alles läuft super, bis er meine Schwester mit einem Stock auf den Kopf trifft. Dabei habe ich doch ausdrücklich durch den Garten geschrien: „Aber nicht auf uns oder die Katze zielen!“. Halb so wild, außer dass meine Schwester nun behauptet, sie sei jetzt immun gegen Corona.


#Bundesligaamstart Leidenschaft vs. Vernunft

Autor: Linus Burkel

Tag 63 - Donnerstag, der 14. Mai. Die Wiederaufnahme der Bundesligasaison startet an diesem Wochenende. 66 Tage mussten Fans ausharren (auch ich), um endlich wieder mit ihrem Lieblingsteam mitzufiebern. Als sich letzte Woche die Nachricht verbreitet, dass die Bundesliga wieder los geht, habe ich mich zuerst sehr gefreut. Mein erster Gedanke: Ablenkung in der tristen Zeit von Corona. Nicht gerade tiefsinnig, wenn man bedenkt, was alles dahintersteckt.

Geisterspiele. Trainer und Auswechselspieler mit Masken am Rand. Aber hey, der Trainer darf die Maske wenigstens zum Schreien absetzen. Aus den Boxen im Stadion sollen Fangesänge eingespielt werden und auch Fanpappaufsteller sind im Gespräch. Was uns letztendlich erwarten wird, werden wir sehen. Aber ob ich mich nach meiner anfänglichen Euphorie überhaupt freuen sollte? Ich denke nicht. Alle zwei Tage werden die Spieler auf Corona getestet. Ethisch vertretbar? Nein. Die Tests wären anderswo deutlich effektiver einzusetzen. Und trotzdem werde ich es mir ansehen.


#bananenbrot Homeworkout oder der Gang zum Kühlschrank?

Autorin: Angelique Domke

Tag 59 - Sonntag, der 10. Mai. 9:30 Uhr – Zeit zum Aufstehen. Erstmal Instagram checken; nachschauen, was Carmushka, Novalanalove & Co heute so machen. Wie jeden Morgen. Das ist mittlerweile zum Ritual geworden. Irgendjemand muss mir schließlich sagen, was man in der Quarantäne so alles machen kann. Resultat: Bananenbrot hier, Bananenbrot da. Wohin man auch schaut… Corona scheint eine klare Nebenwirkung mit sich zu bringen: Das Bananenbrot-Syndrom.

14 Uhr – Update: Das Bananenbrot ist fertig. Was nun? Schnell Instagram um Rat fragen. Neue Accounts – neue Lieblingsbeschäftigung: das Dance-Workout von Pamela Reif. Ihre Workouts gehen in der Quarantäne voll durch die Decke. Meine Motivation dafür hält sich heute aber ehrlich gesagt in Grenzen.

20 Uhr – Fazit: Die Gesellschaft scheint sich in zwei Lager zu spalten: Die einen bekommen mit dem Weg zum Kühlschrank gerade so ihre 100 Schritte am Tag zusammen, die anderen machen ein Homeworkout nach dem anderen. Es gibt scheinbar nur zwei Arten, wie man aus der Quarantäne kommt: fit wie Pamela Reif oder man kugelt sich eben raus. Ich bin mir noch nicht sicher, welcher Gruppe ich angehören werde. Heutiger Stand: 1:0 für das Bananenbrot. Aber Morgen ist ein neuer Tag. Das Workout gibt sich sicherlich nicht so leicht geschlagen.


#Aufdistanz Abends gibt es nur noch Uni

Autorin: Kassandra Lenser

Tag 57 – Freitag, der 8. Mai. 21:35 Uhr und ich liege in meinem Bett und bin unmotivierter denn je. Gerade stelle ich mir vor, wie ich mit meinen Freunden in einem Raum sitze mit einem Glas Wein vor mir. Wir warten nur darauf, dass es 00:00 Uhr wird und wir uns auf den Weg in die Braunschweiger Innenstadt machen können.

Nachtrag: 00:32 Uhr... Jetzt bin ich dabei, Aufgaben für die Uni zu erledigen – vergeblich, verzweifelt, verpflichtet.


#coronatanz Corona-Tanz-Elfchen

Autorin: Natascha Jastrzemski

Tag 56 – Donnerstag, der 7. Mai.

Rechts
Links rechts
Links rechts links
Rechts links rechts links
Rechts

Schritt 1: Tanzpartner schnappen
Schritt 2: Tanz Elfchen verinnerlichen
Schritt 3: Dabei hüpfen und die Füße zueinander  bewegen
Schritt 4: Immer schneller und schneller werden


#NERVENKITZEL Illegal, legal, egal

Autor: Jan-Ole Smidt

Tag 55 – Mittwoch, der 6. Mai. Dürfen Studenten ihren Zweitwohnsitz aktuell besuchen oder nicht? Grauzone? Ehrlich sagt: Keine Ahnung. Solche Fragen scheinen noch nicht genau beantwortet zu sein. Zumindest gibt es kein offizielles Statement des Studentenwerks Ost-Niedersachsen.

Investigativ-Journalisten tanzen im Rahmen ihrer Recherche manchmal auf dem Drahtseil zwischen Legalität und Illegalität. Medienstudierende der Ostfalia hören davon nur in Vorlesungen, können aber laut Vorschrift darin keine praktischen Erfahrungen sammeln. Außer, Corona bestimmt das Alltagsleben. Wer zurzeit einen Reportagetermin in der Nähe seines Studienortes vereinbart und deshalb aus der Heimat zur Zweitwohnung fährt, könnte illegal unterwegs sein. Ein Glück, dass in Niedersachsen noch nicht überall Kennzeichen kontrolliert werden.

Reportage mit Nervenkitzel. Auch, wenn vermutlich keine Polizeistreife die Harzer Wälder durchkämmt, um Nachwuchsredakteure auf frischer Tat zu ertappen.


#Profsimhomeoffice Unfreiwillig Bastelmutter - aus dem klebrigen Alltag einer Professorin

Autorin: Prof. Dr. Denise Sommer

Tag 54 – Dienstag, der 5. Mai. Es begann mit dem Roboter. Bastelbogen heruntergeladen, Teile bunt angemalt und auf Pappe geklebt. Ausgeschnitten, gefaltet, zusammengesteckt, fertig: Ein lustiger, bunter Papp-Roboter aus der Steckwelt von enemenebu. KIKA sei Dank. Noch ein Handyfoto von Sohnemann und Roboter – das war in Woche 1 der Corona-Zeit.

Danach kamen die Pinguine. Dann die Maus. Und die Eule. Der Koala. Das Auto und der Bus. Affe, Löwe, Frosch, Drache und Fische. Sie stehen aufgereiht auf der Küchenablage. Die Krise als Chance für neue Hobbies? Prokrastination? Mitnichten! Familien-Home-Office mit Kita- und Grundschulkind. Bastelprojekte und Tuschfarben, Pflanzensamen und Grundrechenarten, Bälle und Bobbycar rund um die Uhr.

Wie? Online-Vorlesungen und virtuelle Seminare? Telefonsprechstunden und Studierendenmails? Forschungsbericht und Team-Telko? Kommissionsarbeit? Ach, das schüttele ich aus dem Ärmel, während ich mit Klebestift die Pappe bestreiche, um den Kopf vom Steckmonster aufzukleben. Sie ist eben nicht systemrelevant, die Hochschule. Deshalb tun wir das jetzt nebenbei.

Und als nächstes? Den Bastelbogen für das Steckboot haben wir schon ausgedruckt. Und den für das Stinktier. Enemenebu und raus bist Du!


#moria Leave No One Behind

Autorin: Emily Mae Walter

Tag 53 – Montag, der 4. Mai. Am Wochenende hat mich das zweite #stream4water-Festival von VIVA CON AGUA ziemlich zum Nachdenken gebracht. Gemeinsam mit deutschen Künstlern wie Bela B oder AnnenMayKantereit sammelten sie Spenden für ihre gemeinnützigen Projekte.

Viele thematisierten dabei die furchtbaren Verhältnisse im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos. Klar, ist es nervig, zu Hause zu bleiben, sich nicht mit seinen Freunden treffen zu können und im Sommer nicht in den Urlaub oder auf die geplanten Festivals zu können. Verstehe ich alles - geht mir genauso. Aber so viele Menschen verbringen diese Zeit in für uns unvorstellbaren Verhältnissen. Und das, unabhängig von der aktuellen Pandemie. Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn sich das Virus dort ausbreitet. Durch konkrete und lebhafte Beispielerzählungen wurde mir immer wieder bewusst, wie sehr man seine eigene Situation schätzen muss, solange man gesund ist. Wir können die Zeit in unseren eigenen vier Wänden verbringen, haben Netflix und Menschen, mit denen wir online in Kontakt bleiben können. Und ja, wir haben auch genug Klopapier und Nudeln, so lustig es auch klingen mag.


#schnippschnapphaareab An die Schere, fertig, los!

Autorin: Natascha Jastrzemski

Tag 53 - Montag, der 4. Mai. Es ist so weit: tagelang, ach was, wochenlang habe ich auf diesen Moment gewartet. „Ich halte das nicht mehr aus! Schau mal, wie ich auf‘m Kopf aussehe“, hallt es aus dem Bad. Vorfreude steigt in mir auf. Mein Einsatz. Wer wollte dem Freund nicht schon immer mal einen super fetzigen Haarschnitt verpassen? Nun gut, dass es nicht so einfach ist, habe ich schon vermutet. Aber was soll’s! Wie oft habe ich nach misslungenen Friseurbesuchen schon von Mutter, Freund und Co. gehört: „Ach, stell dich nicht so an, das sind doch nur Haare. Das wächst doch auch wieder!“ Voller Tatendrang greife ich erst zum Rasierer und dann zur Schere. Nach einigen Zentimetern weniger, zahlreichen YouTube-Tutorials und einem aufheulenden Rasierer bleiben mir nur noch folgende Worte an meinen Prinz Eisenherz: Das sind doch nur Haare!


#Abnachhamburg Für einen Spaziergang nach Hamburg

Autorin: Leonie Wenschauer

Tag 52 – Sonntag, der 3. Mai. Ein Sonntag wie jeder andere in der Quarantäne. Als ich die ersten zwei Aufgaben des Tages beendet habe, ist es mittlerweile 10:30 Uhr. Dann ruft meine Mutter an. Sie spricht mit doppelter Geschwindigkeit und fragt mich: „Hast du Lust in zehn Minuten los nach Hamburg zu fahren?“. Überfordert mit der Information willige ich ein und sitze zehn Minuten später im Auto.

Mein großer Bruder wohnt mit Frau und Kind in Hamburg. Seit der Quarantäne haben wir uns nicht mehr gesehen. Nun sind wir auf dem Weg zu ihnen. Nur um ein paar gemeinsame Stunden zu verbringen. Aber wir wollen nur draußen spazieren und ein bisschen am Hamburger Strand sitzen, natürlich alles mit Abstand. Mein zwei Jahre alter Neffe freut sich riesig, uns zu sehen. Zuerst gehen wir ein wenig und dann sitzen wir am Elbstrand, wo mein Neffe stundenlang Steine ins Wasser wirft. Nach einiger Zeit machen wir uns wieder auf den Weg nach Salzgitter.

Bilanz: 4 Stunden im Auto, um für 3 Stunden die Familie zu sehen. Hat sich trotzdem gelohnt, denn ich hatte sie vermisst und wir hatten alle ein wenig Abwechslung vom langweiligen Corona-Alltag.


#Geburtstagswinker Party Nein - Konfetti Ja!

Autorin: Sarina Obert

Tag 51 - Samstag, der 2. Mai. Zum Glück ist Konfetti noch erlaubt. Und dieses Jahr mit Maskenschutz atmet man die kleinen Einzelteile vielleicht auch mal nicht ein. Schon ein bisschen verrückt. In meinem Semester MK4 bin ich sowieso die Studenten-Omi, aber mit der 3 morgen am Anfang, fühlt es sich dann auch so richtig danach an. Aber gut, ich kann es nicht ändern und so richtig alt fühle ich mich ja auch nicht. Aber eins muss ich mal sagen: die Planung und Taktung eines Geburtstages zu Corona- Zeiten gleicht einem Timetable eines Festivals. Ich war kurz davor, meine Freunde und Familie zu bitten, sich die Kalender- und Termin-App Lopping zu installieren, damit wir die Treffen kleiner Gruppen zum Gratulieren besser organisieren können. Kleine Zeit-Slots, damit bloß nicht zu große Gruppen aufeinandertreffen. Und wie wird das so sein, wird sich dann zum Gratulieren zugewunken, statt umarmt? 


#positivevibes Jackpot - trotz Corona

Autorin: Ronja Rohlf 

Tag 51 - Samstag, der 2. Mai. Statt Händeschütteln Abstand halten, statt Meetings virtuelle ViKos und TelKos, statt Berufsverkehr leere Straßen. Mein Pflichtpraktikum bei der Techniker Krankenkasse habe ich mir eigentlich etwas anders vorgestellt. Doch ich muss sagen: Jackpot – trotz Corona! Denn während einer Gesundheitskrise bei einer Krankenkasse in der Internen Kommunikation zu arbeiten, ist echt spannend! Jetzt weiß ich auch praktisch, was Krisenkommunikation wirklich bedeutet. Zwar lerne ich die meisten KollegInnen nur virtuell kennen, doch kann ich anhand der Stimmen erkennen, wer mit mir spricht – das ist doch auch etwas. Das vorherrschende Thema – wer würde es anders vermuten – Corona, Corona und noch einmal Corona. In dieser besonderen Zeit bleiben Intranet und Telefon niemals still: denn MitarbeiterInnen und Führungskräfte wollen über alle neuen Maßnahmen informiert werden. Über Arbeitsmangel kann ich mich also zum Glück nicht beklagen. Und wie es auch nach jedem Telefonat so schön heißt: Tschüss und bleibt gesund!


#hörstdumich? "Hallo, hörst du mich?" - das Mantra meiner Quarantäne

Autorin: Valerie Hamann

Tag 50 - Freitag, der 1. Mai. Ein Satz hat mich in den letzten Wochen in allen Lebenslagen begleitet. Er gehört dazu wie neuerdings die Maske im Gesicht oder das Toilettenpapier im Einkaufswagen.

„Hallo? Hörst du mich?“ ­– schallt es im täglichen Zoom Call aus dem Laptop. Egal, ob Besprechung oder gemeinsame Mittagspause – alles funktioniert digital. Besonders schön ist das Home-Office, wenn man sich an den Strand der Bahamas setzt. Auch virtuell, versteht sich.

„Hey! Hört ihr das?“ ­Das sind meine Freunde. Wenn wir uns abends für einen ‚Virtual Vino‘ treffen und einer für die passende Hintergrundmusik gesorgt hat. Denn obwohl wir im Moment so nah beieinander sind wie seit Jahren nicht mehr, sehen wir uns nur auf dem Bildschirm, statt zusammen den Sommer einzuläuten.

„Hört ihr mich denn nicht?!“ – so ruft meine Mutter durch das elterliche Zuhause, wenn das Abendessen fertig ist. Komisch, plötzlich wieder da zu sein. Wenn die Brüder wieder zu Spielkameraden werden (aktueller Stand im Kniffelduell: 3:1 für mich) und die Wäsche wieder gewaschen wird.

„Wo bleibst du? Hörst du mich nicht?“ Das ist dann wohl meine Bachelorarbeit, die nach mir ruft, wenn ich schon wieder nicht am Schreibtisch sitze. Stattdessen backe ich Bananenbrot, mache Home Workouts oder putze begeistert die Küche. Alles, was einem eben einfällt, wenn man plötzlich (gezwungenermaßen) so viel Zeit hat…