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Meinung und Haltung - Corona, Digitallehre, Tagebuch Das Corona-Tagebuch März: Tanzkarriere

Ab Mitte März überschlagen sich die Ereignisse. Das soziale Leben friert ein. Schuld daran ist das Corona-Virus, dessen globale Konsequenzen von Tag zu Tag deutlicher werden. Hier schreiben die Ostfalia-Studierenden, wie sie die Krise erleben.

Alle Beiträge von April und Mai finden Sie in "Verwandte Links".

Studierende und Dozierende fassen ihre Erlebnisse während der Corona-Krise in Tagebucheinträgen zusammen. (Quelle: iStock)

#erstmalPause Corona-Projekt: Tanzkarriere (5/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 18 – Montag, der 30. März. Ich war mit meiner Einstellung der letzten drei Tage nicht zufrieden. Also habe ich nach dem Aufstehen (um ca. 13 Uhr) beschlossen, wieder loszulegen und es diesmal auch wirklich durchzuziehen. Ich dachte, dass es zur Abwechslung mal gut wäre, mich mit ein bisschen Sport und ein paar Dehnübungen aufzuwärmen. Nach zwei Minuten konnte ich nicht mehr und musste erstmal acht Stunden Pause machen. Plötzlich und vollkommen unerwartet, war es auch schon 21 Uhr und fast Nachtruhe. Ich wollte natürlich auf keinen Fall die Nachbarn stören und habe beschlossen, übermorgen weiterzumachen, damit ich bis dahin genug Energie sammeln kann.


#Ablenkung Corona-Projekt: Tanzkarriere (4/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 16 – Samstag, der 28. März. Die gestrige Folge von Friends hat mich echt mitgenommen. Ja, zum dritten Mal. Was gibt es besseres, als zur Ablenkung zu Liedern, wie z.B. ,,Baby Shark‘‘ zu tanzen?

Alles. Wirklich alles. Deswegen habe ich weitergeschaut und muss leider wieder enttäuschen… ich habe heute (wer hätte es gedacht) wieder nicht getanzt.


#Lichtblicke Das Leben wäre kein Leben, wenn es nicht doch irgendwie weitergeht (3/4)

Autorin: Lena Isenberg

Tag 15 - Freitag, der 27. März: Ich schreibe kurze Zeit später einen Reporter an, den ich vor ein paar Wochen bei einem Gerichtsprozess kennengelernt habe. Damals sagte er beim Abschied: „Lena, wenn es bei dir brennt und du keine Arbeit mehr hast, melde dich bei mir und ich werde versuchen dir einen Job zu geben.“

Ich habe zwar nicht gedacht, dass dieser Moment schon so schnell kommt, doch dann sitze ich wenige Tage später bei ihm mit im Büro und recherchiere nach Themen für TV-Beiträge, die in unterschiedlichen Sender ausgestrahlt werden sollen.


#Verwirrung Corona-Projekt: Tanzkarriere (3/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 15 – Freitag, der 27. März, 12 Uhr. Nach dem ernüchternden Ergebnis von gestern versuche ich es nochmal. Zur Stärkung gab es zum Frühstück ein supergesundes italienisches Soßenbrot mit Spinat à la Lamis (Pizza). Ich melde mich nochmal nach dem Training.

Ich möchte nicht lügen. Direkt nachdem ich den vorletzten Satz verfasst habe, bin ich ins Bett und habe Friends weitergeschaut. Ob ich die Serie zum dritten Mal schaue? Vielleicht. Hätte Ross mit der alten Schrulle schlafen dürfen, nur weil es zwischen Rachel und ihm gerade nicht so gut lief? (Es folgt eine kurze Analyse). Für Alle: Rachels exakten Worte waren, dass sie und ich zitiere:,,A break from us‘‘ brauchte. Ob sein Verhalten dadurch gerechtfertigt war? Natürlich nicht. Nein. Nur, weil die beiden eine Beziehungspause hatten (und uns war allen klar, dass es eine Frage von maximal 24 Stunden war, bis die beiden wieder zueinanderfinden würden), hätte er definitiv nicht mit der doofen Kuh schlafen sollen. Es war kein ‚,break-up, sondern eine Pause.A break. Hier fehlt definitiv das ,,up‘‘, welches seine Handlung gebilligt hätte. Ob ich jetzt noch verwirrter bin als vorher? Vielleicht. 


#Gedanken Dramatisches Ende

Autorin: Kassandra Lenser

Tag 15 – Freitag, der 27. März. Und ich werde zunehmend wahnsinnig. Die Sonne geht auf und wieder unter. Und ich sitze hier und blicke durch die Fensterscheibe, die die Trennwand zwischen meinem Raum und der Außenwelt ist. Sie erinnert mich daran, dass ich eine Gefangene des Covid19-Virus bin. Mein Kopf drückt sich gegen das kalte Fensterglas. Draußen fliegen Insekten an mir vorbei. Sie verspotten mich. Meine Finger versuchen die Trennwand zu durchbrechen. Aber das Glas will einfach nicht nachgeben. Mein Atem wird schwer. Ich werde panisch. Hinter mir kommt meine Mutter mit unserem Müll in den Raum. Mit einer geschickten Handbewegung schiebt sie die Klinke der Tür nach oben und öffnet sie. „Na Kassandra, mal wieder dramatische Vorstellungen?“

Na gut, vielleicht war die Quarantänezeit gar nicht so schlimm. Und die dramatische Szene hat sich nur in meinem Kopf abgespielt. Ich konnte natürlich auch einfach in den Garten gehen und es mir auf einem Stuhl in der Sonne bequem machen.


#dieErkenntnis Corona-Projekt: Tanzkarriere (2/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 14 – Donnerstag, der 26. März. Heute habe ich mit meiner 11-jährigen Schwester die Just Dance Reihe durchgetanzt. Ergebnis: Ich bewege mich so gut wie ein totes Tier.


#SUPPORT Krankenhausbesuch ganz ohne Corona

Autorin: Marie-Kristin Schildwächter

Tag 14 – Donnerstag, der 26. März. Über die Social-Media-Kanäle der Stadt Wolfsburg hatte ich erfahren, dass das Krankenhaus dringend Blutspenden benötigt. Wegen Corona fallen viele der öffentlichen Spenden zurzeit aus. Die Anweisung ist klar: Kommen Sie allein und halten Sie sich an die Vorgaben des Personals. Ein Satz, von dem ich nie dachte, ihn einmal zu hören.

Die Ärztin versichert mir, vor allem jetzt und auch in den nächsten Monaten seien Blutspenden ganz besonders wichtig. Weil so viele Termine ausfallen, muss das Krankenhaus oft Blutkonserven von Einrichtungen wie dem DRK dazukaufen. Der Unterschied zwischen der Spende beim DRK und im Krankenhaus? Das Blut ist direkt dort, wo es auch dringend benötigt wird und man wird für seine Spende bezahlt.


#derEntschluss Corona-Projekt: Tanzkarriere (1/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 12 – Dienstag, der 24. März. Die vergangenen zwei Tage habe ich damit verbracht, alle Teile von Step Up und diversen anderen Tanzfilmen zu schauen. Ich war so inspiriert, dass ich den Beschluss gefasst habe, meine noch nicht vorhandene Tanzkarriere voranzubringen.


#Lichtblicke Nichts läuft nach Plan (2/4)

Autorin: Lena Isenberg

Tag 11 - Montag, der 23. März: Einige Tage später erhalte ich eine E-Mail von der Redaktion, bei der ich den anderen Teil meiner Praktikumszeit absolvieren will. „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihr Praktikum bei uns nicht stattfinden kann. Etliche Kollegen sind im Home-Office…“ Ich sitze am Küchentisch mit einer Tasse Kaffee und klappe meinen Laptop zu. Ich starre aus dem Fenster. Dunkle Märzwolken sind am Himmel zusehen. Der Regen prasselt gegen die Scheibe und in dem Moment habe ich wirklich keine Ahnung mehr wie es weiter gehen soll.


#unterschätzt Corona lag gedanklich in weiter Ferne

Autor: Tim Wildhofer

Tag 10 - Sonntag, der 22. März. Corona lag für mich gedanklich in weiter Ferne; „Sowas passiert hier doch nicht, überall aber doch nicht in Europa.“. So stand ich bis heute zu dem Thema. Ich habe Corona unterschätzt, habe nicht verstanden, warum die Leute so einen Wind um diese Krankheit machen. Die gesellschaftlichen Auswirkungen, die wir gerade erleben, dürften nur Wenige kommen gesehen haben. Als dann die Mitteilung durch den Seminarraum geraunt wurde, dass die Hochschule zunächst bis zum 19. April schließen würde, fühlt sich das total surreal an.

Von dem, was man zuvor herunterspielt hatte und nicht ernstnahm, war man nun Tag und Nacht umgeben. Das Plexiglas über der Supermarktkasse, die geschlossenen Läden und Spielplätze und all die Väter, denen selbst langweilig ist und ihre Kinder plötzlich auf Radtouren entführen, obwohl die doch einfach nur Fortnite mit ihren Freunden spielen wollen. Und natürlich das Studium, das mehr oder weniger erstmal auf Eis liegt. Denn die digitale Lehre funktioniert zwar, aber es gibt auch Professoren, die die Lehre überhaupt nicht weiterführen. Wie geht es wohl weiter?


#Nachtrag „Verlassen Sie bitte auf der Stelle das Redaktionshaus!“ (1/4)

Autorin: Lena Isenberg

Tag 8 - Freitag, der 20. März: Ich erinnere mich noch zu gut an meine dritte Praktikumswoche bei dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. An einem bewölkten Märztag bin ich auf einem Dreh mit einem Redakteur und einem Kamerateam. Als wir zurück in die Redaktion kommen, erreicht mich die Nachricht, dass der ÖRR mich aufgrund der Pandemie die nächsten Wochen nicht weiter betreuen kann. „Verlassen Sie bitte auf der Stelle das Redaktionshaus!“ Kein wirklicher Abschied. Keine netten Worte. Keine gute Erinnerung.

Ich fahre zu meiner WG und setze mich an den Küchentisch. Ich streichele die Hündin Ayla und erzähle meinem Mitbewohner Hannes das ganze Drama.


#Einschränkungen Vieles hat sich verändert

Autorin: Rebekka Renk

Tag 8 - Freitag, der 20. März. Seit Tag 1 hat sich einiges in unserem Land verändert. Durch die Schließung der Kindergärten, Schulen, Universitäten und Hochschulen hat sich bei mir plötzlich ein Gefühl von Unsicherheit breitgemacht. Da wusste ich: die Lage ist ernst.

Jetzt ergreift die Politik Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, die es so vorher noch nie gegeben hat. Laut Angela Merkel stehen wir aktuell vor einer der größten Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Vom Gefühl der Unberührtheit ist nichts mehr zu spüren. Das merkt man überall. Die Regierung steht aktuell vor Problemen, denen sie sich nicht einfach entziehen kann. Dass das Bekämpfen des Virus aktuell nicht mit dem sozialen Leben, so wie wir es bisher kannten, kompatibel ist, müsste heute eigentlich jeder verstanden haben. Müsste. Leider hält sich nicht jeder an die Vorgaben, die von oben kommen. Dabei sitzen wir doch alle im selben Boot, mit dem gleichen Zielhafen: das Ende von Corona.


#Fokus Die Situation ist neu, auch für Journalisten

Autor: Tim Wildhofer

Tag 8 - Freitag, der 20. März. Die Medien berichten täglich mehrfach über Corona, weil Corona gefährlich ist, weil es Fake News gibt, weil die Situation neu für uns alle ist. Auch für die Medien, das muss man immer im Hinterkopf behalten. Aber es müssen auch andere Themen aufgegriffen werden. Zum Beispiel: Es ist nun einige Zeit her, dass Andreas Scheuer, die Autobahn-Maut so richtig verkackt hat. Seitdem befasst sich ein Untersuchungs-Ausschuss mit der Angelegenheit. Der U-Ausschuss kommt bei seinen Ermittlungen jedoch nicht weiter, weil Scheuers Handydaten aus dem fraglichen Zeitraum gelöscht wurden. Die Tagesschau berichtete davon am 12.März. in einem kurzen Bericht. Na? Mitbekommen?

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Medien, dies aufgreifen, sobald wieder etwas Ruhe eingekehrt ist. Auch wenn das nicht so wichtig klingt, wie eine globale Pandemie, es ist wichtig über die Geschehnisse abseits von Corona auf dem Laufenden zu bleiben. Denn, das ist sicher, wird es nicht nur im privaten und beruflichen, sondern auch im gesellschaftlichen Umfeld viele lose Enden geben, die wir wieder verknüpfen müssen. Für die Politik gilt dasselbe.


#Veränderungen Das Beste draus machen

Autorin: Janina Possel

Tag 8 - Freitag, der 20. März. Ich habe den Eindruck, dass alle versuchen, das Beste aus der Krise zu machen. Einige Hürden sind bereits dank der heutigen Technik beseitigt. Andere Projekte werden an die aktuelle Situation angepasst. So wird aus einer Filmproduktion mit hochschuleigenen Kameras kurzerhand das Erstellen eines Videotagebuches mit der Handykamera. Auch mit der Online-Lehre kann ich mich inzwischen gut anfreunden. Ich betrachte das Ganze einfach als eine gemeinsame Herausforderung. Und wer weiß, vielleicht werden manche der digitalen Lösungen auch nach der Corona-Krise fortgeführt.

Zwar gibt es weiterhin Pflichten zu erledigen, es schleicht sich jedoch trotzdem ein Gefühl von Semesterferien ein. Schnell wird der gedankliche Freiraum aber anderweitig eingenommen. Ob im Radio, im Fernsehen, in der Zeitung oder in sozialen Netzwerken – das Thema Corona beherrscht die Medien. Um nicht von der Informationsflut erschlagen zu werden, informiere ich mich bewusst nur noch zwei, drei Mal am Tag über aktuelle Meldungen. Warum auch 24/7 verrückt machen lassen? Es ist Aufgabe der Medien, uns zu informieren. Inwiefern und wie stark man sich beeinflussen lässt, sollte jede/r selbst kritisch hinterfragen.


#PlanB Auf einmal betrifft es uns alle

Autorin: Janina Possel

Tag 1 - Freitag, der 13. März. Beim Mittagessen in der Mensa scherzt man mit den Kommilitonen noch darüber, wie es wäre, wenn auch unsere Hochschule tatsächlich schließen sollte. Und dann betrifft es plötzlich doch uns alle. Mit sofortiger Wirkung wird unser Präsenzstudium in die eigenen vier Wände verlagert.

Es muss also ein Plan B her. Professoren, Dozenten und Studierende stehen nun vor einer Situation, auf die keiner vorbereitet war. Für uns Studierende heißt es erstmal: Abwarten. Wie geht es jetzt weiter? Wie sollen wir einen Film ohne die entsprechende Technik drehen? Wie beginnen wir unser Projekt, wenn ein Erstbesuch bei den Kunden eigentlich unabdingbar ist? Wie führen wir eine Übung fort, deren Hauptbestandteil die Diskussion und der Austausch mit den Kommilitonen ist? Und finden die Prüfungen wie geplant statt?