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Meinung und Haltung - Corona, Digitallehre, Tagebuch Das Corona-Tagebuch April: Fluch und Segen zugleich

Ab Mitte März überschlagen sich die Ereignisse. Das soziale Leben friert ein. Schuld daran ist das Corona-Virus, dessen globale Konsequenzen von Tag zu Tag deutlicher werden. Hier schreiben die Ostfalia-Studierenden, wie sie die Krise erleben.

Alle Beiträge von März und Mai finden Sie unter "Verwandte Links".

Studierende und Dozierende fassen ihre Erlebnisse während der Corona-Krise in Tagebucheinträgen zusammen. (Quelle: iStock)

#Homeoffice Home Office - Fluch und Segen zugleich

Autorin: Naomi Nowak

Tag 49 - Donnerstag, der 30. April. Ich absolviere gerade mein Pflichtpraktikum beim Radio. Seit Mitte März habe ich allerdings meinen Arbeitsplatz in der Redaktion gegen meinen Schreibtisch zu Hause ausgetauscht. Seitdem arbeite ich im Home-Office. „Was für ein Paradies!“ habe ich mir anfangs noch gedacht. Jeden Tag in Gammel-Klamotten mit Assi-Palme chillen – nur ich und mein neuer bester Freund der Kühlschrank. Ja, so ein Büro zu Hause hat wahrlich seine Vorteile. Da mein Vater aus Nürnberg und seine Kollegen nun nicht mehr gemeinsam mittags in der Kantine essen gehen können, veranstalten sie regelmäßig ein Weißwurst-Frühstück per Videocall. Ach, das Leben kann so schön sein.... Je länger ich mich allerdings in dieser Situation befinde, desto öfter frage ich mich, ob denn wirklich alles so toll ist? Nach mehr als vier Wochen im Home-Office muss ich mir diese Frage mit nein beantworten. Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich Zuhause nicht mehr abschalten kann, weil jetzt mein Arbeitsplatz an dem Ort ist, an dem ich mich eigentlich von der Arbeit erholen sollte. Auch Papa, dem sein Weißwurst-Frühstück zwar hammermäßig schmeckt, fehlen im Home-Office seine sozialen Kontakte und die Gespräche mit den Kollegen am Kaffeeautomaten. Mal mag das Arbeiten im Home-Office ja ganz nett sein, aber ich freue mich auch, wenn langsam wieder Normalität in unseren Arbeitsalltag einkehrt.


#GartenvsUni Lassen Sie mich durch, ich bin Gärtnerin!

Autorin: Paulina Schneider

Tag 48 - Mittwoch, der 29. April. Diesen Eintrag schreibe ich jetzt mit schwarzen Händen in löchrigen Gartenhandschuhen. Statt Jogginghose, habe ich Farbkleckse auf der Jeanslatzhose.

Dank dem Shutdown der Uni bin ich erstmal zurück in meiner Heimat Schleswig-Holstein. Coronazeit = Familienzeit? Quasi. Aktuell bin ich dank meiner Familie sozusagen eine Aushilfskraft, die bei der Gartenarbeit hilft. Studenten haben doch eh den ganzen Tag nichts zu tun – oder etwa doch? Naja, wer die Wahl zwischen Uni-Hausarbeit und Gartenhaus streichen hat, wählt sicher nicht den Tastatursport. Ich jedenfalls nicht. Und Gartenarbeit ist ja auch irgendwie eine Art Homeworkout. Prokrastination mal anders. Das Hochbeet steht mittlerweile und der frische Anstrich verleiht den Gartenmöbeln einen ganz neuen Glanz. Was nun? Wieder mal zurück an den Schreibtisch oder bekomme ich kurz eine Entspannungspause in der Sonne?

Oh, ich höre grade, dass sie eine neue Terrasse bauen wollen, die Pinsel sind auch noch nicht ausgewaschen. Ich geh dann mal fix. Was man nicht alles für die Familie tut.


#socialdistancingdating Wollen wir mal telefonieren?

Autorin: Marie Bender

Tag 47 - Dienstag, der 28. April. „Wollen wir mal telefonieren? Das ist während dem Social Distancing ja die einzige Möglichkeit, um uns besser kennenzulernen." Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter. Vor paar Tagen erst habe ich mir aus Corona-Langeweile mal wieder ein Tinder-Profil erstellt. Ohne große Erwartungen - nur zum Stalken eben. Nach ein paar Matches kommen wir ins Gespräch. Plötzlich stellt er diese Frage…

Aber was habe ich schon zu verlieren. Wenn es schlecht läuft, könnte ich einfach auflegen und die Schuld auf Netzprobleme schieben.

Dennoch steigt die Aufregung in mir hoch, ein persönliches Gespräch mit einem völlig Fremden zu führen, von dem ich bisher nur einige Bilder und Informationen über Studium und Hobbys kenne. Wie ein richtiges Date eben. Ich schenke mir schnell noch ein (großes) Glas Wein ein und zögere es heraus, den Anruf anzunehmen.

Es macht jedoch richtig Spaß, ihn mir nur durch seine Stimme und sein Lachen vorzustellen und dadurch ein ungewohnt vertrautes erstes Date zu erleben. Der nächste Schritt würde wohl ein Videoanruf sein – aber davor gibt es ja meine 3-Dates-Regel.


#Überreaktion Einkaufen bedeutet Krieg

Autorin: Lamis Amara

Tag 47 – Dienstag, der 28. April. Seit zwei Monaten habe ich nun meine Fahrpappe und meine Mutter wollte herumkutschiert werden. „Ab zum Lidl. Ich muss einkaufen.“ Und das um 12 Uhr. Frech. Meine Schwester, als Beifahrerin selbstverständlich DJ, entscheidet sich für Ariana Grande auf voller Lautstärke. Ein Segen. Beim Lidl angekommen, musste ich also parken, doch anstatt behutsam in die Parkbox zu gleiten, rase ich in einen angrenzenden Busch (mit 5 km/h). Schuld daran ist natürlich die trällernde Stimme, die mich beim Sehen stört. Meine Schwester schreit. Meine Mutter flucht. Ich lache. „Ein Einkaufswagen pro Person!“ steht an der Tür neben dem zierlichen Sicherheitsmann. Nach zehn Minuten Wartezeit kann meine Ma rein. Hinter ihr eine Dame, die den ganzen Wagen desinfiziert und so aussieht, als würde sie Kriegsgebiet betreten. 20 min später kommt meine Mutter zurück (sie sieht noch fertiger aus als nach den Elternsprechtagen an meiner Schule), die nach einem kurzen Blick auf den leeren Beifahrersitz entscheidet, meiner Schwester hinten Gesellschaft zu leisten.


#SCHUTZMAßNAHMEN Achtung - die Maskenpflicht kommt!

Autorin: Rebekka Renk

Tag 46 - Montag, der 27. April. Ab heute gilt auch in meiner Heimat Bispingen die Schutzmaskenpflicht. Ab sofort müssen wir uns alle in Bussen und Bahnen und beim Einkaufen an die Regelungen anpassen. Ob sich wirklich jeder daran halten wird? Noch bin ich skeptisch.

An sich ist die Maskenpflicht eine gute Sache. Sie soll uns in Zeiten von Corona noch einmal mehr vor dem Virus schützen. Trotzdem bin ich unsicher. In meinem Bekanntenkreis glauben viele Leute sogar, das Tragen der Masken könnte im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass die anderen Vorkehrungen vernachlässigt würden. So hätten sie es im Fernsehen gehört. Für mich persönlich sind das schon wieder zu viele undurchsichtige Informationen.

Was mich bei der ganzen Sache aber wieder einmal positiv stimmt: die Menschen helfen einander. Und das nach wie vor. Erst Freitag habe ich einer Bekannten ein paar Stoffreste vorbeigebracht, die sie für das Nähen neuer Masken nutzt. Auch für mich ist eine dabei. 30 Stück – so viele stehen aktuell auf ihrer Bestellliste. Es werden sicher nicht die letzten gewesen sein.


#Dozentensicht Ich vermisse euch

Autor: Marcel Franze

Tag 44 – Samstag, der 25. April. Nicht nur für Studierende hat die Pandemie große Veränderung gebracht, auch der Arbeitsalltag von uns Dozierenden ist jetzt ganz anders. Wobei ganz anders eigentlich nicht stimmt. Als Dozent arbeitet man in der Regel auch unter normalen Umständen öfter von zu Hause aus. Meist zwei Tage die Woche. Der Arbeitsalltag ist also nicht viel anders, man sitzt nun nur noch mehr vor dem Computer, als sonst ohnehin schon. Was aber neu für uns ist, ist, dass wir unsere Lehre nun online halten. Anfangs hat das noch etwas gehakt, dass habt ihr vielleicht auch gemerkt, aber mittlerweile haben wir die Videokonferenz-Tools im Griff. Der ein, oder die andere findet es bestimmt auch ganz cool, dass man seinem Dozenten jetzt auf Telegramm schreiben, oder mit ihm Videosprechstunden haben kann. Ich denke, dass hiervon einiges bleiben wird, nach der Krise. Bisher habe ich auch noch keine betrunkenen, nächtlichen Sprachnachrichten oder Anrufe bekommen, das könnte sich mit Öffnung der Bars und Kneipen vielleicht ändern. Das würde ich aber billigend in Kauf nehmen, denn das würde heißen, dass wir uns auch in der Hochschule wiedersehen könnten. Denn das fehlt. Fernuni funktioniert, das wusste man auch vor der Krise schon, aber es macht mehr Spaß, mit euch im Seminarraum zu stehen und euch auf den Fluren zu begegnen. Hoffentlich wird schnell ein Impfstoff gefunden, sodass wir uns bald wiedersehen, ich vermisse euch.

PS: Abgabetermine müssen trotz Corona eingehalten werden.


#sadtimes Corona Times – Zeit für einen Drittjob?

Autorin: Betty Rümmler

Tag 43 – Freitag, der 24. April

Lesen, Malen, Spazieren gehen, Zocken, Unterlagen sortieren und Insta Stories, von irgendwelchen Leuten anschauen, die genau so einen spannenden Alltag haben, wie ich... kann man drüber berichten, muss man aber auch nicht. Mich interessiert gerade viel mehr, warum so wenig über die finanzielle Unterstützung von Studenten gesprochen wird. Ich bin zur Zeit im Praktikumssemester und wie fast alle im Home-Office. Geld bekomme ich beim Praktikum nicht. Deshalb übe ich normalerweise einen selbstständigen Nebenjob aus. Doch nun bleibt auch hier das Einkommen aufgrund der Krise aus. Ohne Bafög auszukommen ist ohnehin schon eine Belastung für viele Studenten. Doch nun weiß zumindest ich nicht, wie es die nächsten Monate weiter geht. Soll ich vielleicht den dritten Job neben dem Bachelor annehmen? Vermutlich schon. Ich hoffe da kommt bald mal was seitens der Politik.

 


#Jogginghosevsjeans Aktueller Stand: 22:0 Jogginghose gegen Jeans

Autorin: Alicia Klawitter

Tag 41 - Mittwoch, der 22. April.

09:02 Uhr morgens in Deutschland.

Mein Blick schwankt hin und her.

Angespannt halte ich die Luft an. Ich konzentriere mich. Rechts, links, rechts...links! Meine Hand greift in die linke Ecke! ...Nein! nicht zu impulsiv wählen. „Das hier ist wichtig, Alicia!“ erinnere ich mich selbst. Ich ringe mit mir. Jeden Morgen das gleiche. Jeden Morgen entscheide ich wer ich bin, wer ich sein will,  wie mich andere wahrnehmen sollen. Ich stelle mir die fundamental wichtigste Frage des Tages:

….Jeans oder Jogginghose?...Jeans oder.... NEIN! Jogginghose. „JA…Jogginghose!“, wiederhole ich nochmal laut. Erleichterung macht sich in mir breit. Gute Entscheidung!

Entschieden greife ich nach der grauen Jogginghose und ziehe ein passendes T-Shirt aus meinem Kleiderschrank heraus. Ein letzter Blick in den Spiegel. "Wow, alles farblich passend! Ich bin eine modebewusste Frau."


#WEIßes Gold Auf der Suche nach dem weißen Gold

Autor: Leon Klein 

Tag 40 - Dienstag, der 21. April. „Wir brauchen Klopapier!“, tönt die Stimme meines Mitbewohners durch die Wohnung. Dass eine derart banale Äußerung mal einen WG-internen Krisengipfel auslösen würde, konnte ich mir noch vor acht Wochen nicht vorstellen. Aber außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen! Also setzen wir uns an den Küchentisch und arbeiten gemeinsam eine Strategie aus, um das weiße Gold von 2020 zu finden. Die Supermarktbestände: ernüchternd. Von Sojamilch bis zum massierten Wagyu-Rinderfilet gibt es alles noch in Massen, aber kein Klopapier!

„Am Donnerstag wird neues geliefert“, meint die nette Dame aus dem Lager. Aber wir sollten vormittags kommen, nach 12 Uhr sei wahrscheinlich wieder alles weg. Alles klar, sollen wir es am besten gleich vorbestellen? Gibt es da ein Formular? Uns bleibt nichts als mit den Achseln zu zucken und es im nächsten Laden zu versuchen. Lang ist der Weg, hart die Konkurrenz, aber wir geben nicht auf! Und wenn wir am Ende eine Zewa-Rolle in drei Teile schneiden müssen!   


#Durchhalten Bachelor of Corona

Autorin: Karoline Steinbock

Tag 40 – Dienstag, der 21. April. Wie fühlt es sich an, während einer Pandemie seine Bachelorarbeit zu schreiben? Ungefähr so, als wäre man Teil der Band, die auf der sinkenden Titanic weiter Musik macht. Natürlich hatte ich Glück, dass meine Abgabe schon kurz bevorstand und ich nicht mehr auf die Bibliothek angewiesen war. Aber gerade nach wochenlangem Stress und Disziplin fühlt sich eine sechswöchige Verlängerung der Abgabefrist an wie ein schlechter Scherz.

Statt mit Rechtschreibkorrektur und Urlaubsplänen, musste ich mich in den letzten Wochen vor der Abgabe mit der Frage auseinandersetzten, ob und wie ich meine Arbeit überhaupt abgebe. Wie lasse ich die Arbeit binden, wenn alle Geschäfte geschlossen haben? Wie kommen die gedruckten Exemplare in die Hochschule, wenn Studierende die Gebäude nicht betreten dürfen?

Die Welt befindet sich im Ausnahmezustand, doch der Abschluss wartet nicht. The show must go on! Die Band spielt weiter!


#Nächstefolge Immernoch Zuhause

Autorin: Isabelle Sorkalla

Tag 39 - Montag, der 20. April. Ein Monat ist vergangen. Und noch immer sitze ich zu Hause rum. Naja. Damit mein Leben nicht ganz aus dem Ruder läuft, klingelt morgens um 9.30 Uhr der Wecker. Weil die Fitnessstudios ja zu sind, bin ich auf Homeworkouts umgestiegen. Es ist ja bald Sommer! Wenn ich dann nach dem morgendlichen Sportprogramm meine Aufgaben für die Uni erledigt habe, bleibt mir immer noch knapp ein halber Tag. Ich langweile mich zu Tode und vermisse meinen Alltag –irgendwann habe ich genug gechillt, meine Serien sind auch alle vorbei. Bis nachts suchte ich Netflix durch, bis der ‚nächste Folge‘-Button nicht mehr auftaucht. Also dachte ich, ich könnte mir doch mal ein Beispiel an Influencern nehmen – no hate, Hallo Humor! Was soll ich sagen? Bananenbrot habe ich gebacken und Tik Tok kenne ich auswendig. Nicht mehr lange, und ich kann diese lächerlichen Tänze nachmachen. Denn je länger die Quarantäne anhält, desto höher wird der Wein Konsum und niedriger die Schamgrenze. Als nächstes werde ich wohl puzzeln – laut Instagram ist das ja der Trend schlecht hin in Zeiten von Corona.


#Kinder Quarantäne mit Kindern

Autorin: Alina Vogt

Tag 35 – Donnerstag, der 16. April.  Ständiger Lärmpegel, Schlafentzug und Rumgebrülle – klingt nach einem gelungenen Festival, ist aber momentan Dauerzustand bei mir. Das ist Quarantäne mit Kindern.

Während andere versuchen, die Quarantänezeit mit neuen Hobbys zu füllen und für die Uni zu lernen, bin ich hin und hergerissen. Einerseits genieße ich die Entschleunigung und den Alltag mit den Kindern. Andererseits hängt die Frage, wie es denn mit dem Studium weitergeht, wie ein Damoklesschwert über mir. Jede Woche kommen neue Vorlesungen dazu, die ich nicht nacharbeiten kann. Nach der gestrigen Bundeskonferenz ist nun auch klar, dass wir alle noch ein wenig länger in der unfreiwilligen Quarantäne verbringen müssen.

Was das für mich bedeutet? Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Und größten Respekt an die Menschen, die diese Fragen beantworten werden. Trotz allem bin ich positiv gestimmt und werde das Beste daraus machen. Jetzt muss ich aber los, der Floor (Kinderzimmer) ruft!


#bleibthumorvoll Das Virus der Titelblätter

Autor: Cedric Habbe

Tag 35 – Donnerstag, der 16. April. Kurzarbeit: Das Wort der Stunde. Wer überhaupt noch zur Arbeit darf, kommt nur mit Mundschutz über die Türschwelle. Klar, mir fehlen meine Kumpels und das Feiern immens. Aber hat man ansonsten als Student bislang großartig zu klagen?

Tatsächlich habe ich erstmals seit Beginn des Studiums einen geregelten Tagesablauf. Zwar sind meine geschriebenen Lernzettel derzeit nur Innendeko der (mittlerweile entstaubten) Ordner, doch immerhin existieren sie  in diesem Semester. Wann habe ich zuletzt in dieser Geschwindigkeit gelesen oder überhaupt ein Buch angerührt? Muss schon die letzten 12 Male How I met your mother durchschauen her sein.

Momentan fühle ich mich morgens wie CR7 nach dem Homeworkout und nicht wie ein zerschossener Böller nach dem Suff in der Elbestraße. Bisher hat Corona meine Alltagsstruktur nicht entschleunigt oder gar zerstört - Corona hat sie mir verliehen! Brauchte es etwa eine weltweite Pandemie, den sonst oftmals verkaterten Schädel vom Sofa an den Schreibtisch zu verlagern?!

Also: Seid fleißig – aber zu Hause!


#machdasbestedraus Auf dem Dorf ist alles anders – zumindest ein wenig

Autorin: Alina FItzner

Tag 33 – Dienstag, der 14. April. Außerhalb der Städte ist die Stimmung definitiv anders. Während die Menschen in der Stadt umherirren, um die womöglich letzte Rolle Toilettenpapier auf Erden zu ergattern, geht es auf dem Dorf etwas gelassener zu. Die Menschen haben Zeit. Für was eigentlich? Für alles.

Meine Tante hat mir stolz von all den Dingen erzählt, die sie endlich in Haus und Garten erledigen kann. Jedes Fenster wird geputzt, der Gartentisch auf Hochglanz poliert und das morsche Gartenhaus abgerissen. Alles Dinge, die man sonst nur ewig vor sich herschiebt.

Und noch etwas ist anders: Wurde man früher beim Waldspaziergang oft nicht einmal richtig angesehen, grinst man sich jetzt wissend zu – denn jeder genießt die kurze Auszeit in der Natur. Auch kurze Gespräche entstehen so, natürlich mit dem gebührenden Sicherheitsabstand.

Von dieser Gelassenheit können sich die Toilettenpapierjäger ruhig eine Scheibe abschneiden.


#Ostern Ostern in Coronazeiten

Autorin: Rebekka Renk

Tag 32 - Montag, der 13. April. Meerblick an Ostern. So sähe mein Ausblick heute aus. Eigentlich. Stattdessen sitze ich gemeinsam mit meiner Familie bei uns zu Hause. Auch schön. Aber die frische Brise fehlt mir trotzdem. Was mich allerdings tröstet: es geht allen so.

Aber nicht nur die Location ist dieses Jahr nicht so, wie geplant. Auch die Themen, die zur Sprache kommen, sind von Corona geprägt. Und alle spekulieren und diskutieren, wann der erste Schritt in Richtung Normalzustand gewagt wird. Ich jedenfalls fiebere dem Tag entgegen, an dem wir wieder neue Informationen erhalten. Mit der leisen Hoffnung, dass es dann heißt: „Die Universitäten und Schulen werden zeitnah wieder geöffnet!“

Fürs Erste bleibt zu hoffen, dass die Menschen sich auch an den Feiertagen flächendeckend an die Regeln gehalten haben und die vielen privaten Osterfeuer wirklich im familiären Kreis veranstaltet wurden. Denn auch wenn viele denken, ihnen würde ansonsten alles entgehen: es wird auch noch ein Leben nach Corona geben.


#HappyBirthdayToMe Ein ungewöhnlicher Geburtstag

Autorin: Livia Mach

Tag 31 – Sonntag, der 12. April. Es ist die Nacht vor Ostersonntag, eine Minute vor Null. Mitten in der Nacht weckt mich das Geräusch meines Handys. Ein Anruf. Mit der Begrüßung, „Mach die Tür auf!“, schreit mir jemand ins Ohr. Als ich die Tür öffne, steht auf der Fußmatte eine saftige Torte und daneben eine kleine zusammengerollte Botschaft sowie eine Geburtstagskarte.

Null Uhr.  „Happy birthday to you, happy birthday to you…“, höre ich jemanden leise aus der Ferne singen. Die Umrisse meiner guten Freundin erscheinen langsam aus der Dunkelheit, die genau drei Meter vor der Haustür stehen blieb. Das Kerzenausblasen meiner Geburtstagstorte gestaltet sich auch ganz anders, als geplant. Umzingelt von zahlreichen mobilen Endgeräten, welche jeweils unterschiedliche Videoanrufe ermöglichten, blase ich die 20 Kerzen auf meiner Geburtstagstorte aus. Im Laufe der Woche erreichen mich mehrere Pakete, auf denen groß geschrieben stand, „Erst am 12. April öffnen!!!“. So habe ich noch nie Geburtstag gefeiert.


#Allein Apokalypse mal anders

Autorin: Tale Schröder

Tag 28 - Donnerstag, der 9. April. Irgendwie habe ich mir die Apokalypse ja anders vorgestellt. Mehr Zombies, mehr Krieg und mehr Bösewichte. Stattdessen ist man jetzt schon ein Held, wenn man einfach nur auf der Couch liegen bleibt. Ich will mich ja nicht beschweren, aber Semesterferien waren gerade erst, das bedeutet, dass ich Netflix mittlerweile auswendig kenne.

Durch das ständige Alleinsein habe ich mich zwischenzeitlich schon ein bisschen wie Gollum gefühlt: Eine gute Seite, die mir sagt, dass ich positiv bleiben soll und eine böse Seite, die ganz laut schreit: „Bring sie alle um!“ Bis jetzt hat die gute Seite gesiegt, aber der Gesang vom Freund meiner Mitbewohnerin stellt mich schon ganz schön auf die Probe. Außerdem steht unsere WG gerade vor einer weiteren Zerreißprobe: Das Klopapier neigt sich dem Ende.

Doch ich bin mir sicher, dass wir auch diese Krise bewältigen werden und unseren täglichen Überlebenskampf weiter durchstehen! So lange werde ich weiter in meinem Bett bleiben und das Haus nicht verlassen, denn wenn selbst Kylie Jenner schon kapiert hat, dass das Corona Virus „a real thing“ ist, dann ist die Lage wirklich ernst.


#EndederKarriere Corona-Projekt: Tanzkarriere (11/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 27 – Mittwoch, der 8. April. Ich habe immer noch einen Muskelkater.


#Glückshormone Lustig, lustig, tralalalala

Autorin: Kassandra Lenser

Tag 27 – Mittwoch, der 8. April. Obwohl ich den ganzen Tag unmotivierter war denn je, meine Finger für auch nur irgendwas zu krümmen, sitze ich jetzt doch hier und schreibe meine Texte für die Uni. Dabei bekomme ich einen ungewöhnlichen Lachflash. Seit Monaten hatte ich nicht mehr so ein lustiges Gefühl im Magen. Eben habe ich mich noch erkundigt, ob es besser ist, kalt oder heiß zu duschen. Jetzt sitze ich dümmlich lachend und alleine in meinem Bett und mein Körper schüttet tausende Glückshormone auf einmal aus. Komisch diese Quarantänezeit!


#immernochMuskelkater Corona-Projekt: Tanzkarriere (10/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 26 – Dienstag, der 7. April. Es war nur eine halbe Stunde…


#Freizeitgestaltung Meine freiwillige Quarantäne

Autorin: Celine Wege

Tag 26 – Dienstag, der 7. April. Am 27. März begann für mich eine freiwillige Quarantäne und so sah sie aus:

5. Tag: Backen ohne Mehl hat sich als schwierig erwiesen. Tipp an mich: Einfach Haferflocken nehmen und klein mahlen. Haben die Leute, die Mehl hamstern, noch nicht entdeckt!

7. Tag: Meine Karriere als Yogalehrerin ist übrigens auch auf diese Zeit zurückzuführen. Nur muss ich damit noch warten, bis sich meine Beine beim Yoga nicht mehr verknoten.

8. Tag: Ach und ich habe überlegt, mich nach dieser Zeit als Friseur selbstständig zu machen. Der letzte Proband ist nicht davongelaufen und ich finde, das ist ein gutes Zeichen.

10. Tag: Undercut und Jutebeutel – Ich trink die Club Mate oder gibt´s den Caffè Latte auch mit Sojamilch? (Kraftclub) Das Motto meiner Quarantänezeit.

11. Tag: Und Netflix ist jetzt auch nicht mehr wirklich gut. Kaum noch Serien und Filme über und dann lädt das Ganze immer so lange.


#Muskelkater Corona-Projekt: Tanzkarriere (9/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 25 – Montag, der 6. April. Ich habe einen Muskelkater.


#Quarantäne Und plötzlich stand die Pandemie vor der Tür...

Autor: Jan-Ole Smidt

Tag 25 - Montag, der 6. April. Erleichterung macht sich breit. Endlich vorbei. Zwei Wochen in absoluter Quarantäne sind zu Ende. Freiheit. Weiterhin eingeschränkt, aber frei.

Das tapfere Schwesterherz leistete täglich ihren Dienst im Rettungswagen. Sie brachte einen Mann ins Krankenhaus. Atemprobleme plagten den Lungenkrebs-Patienten. Tags drauf verstarb er. Diagnose: Corona. Der erste Tote in Ostfriesland seit Ausbruch der Pandemie. „Jeder Erstkontakt steht ab sofort unter häuslicher Quarantäne“, stand im ersten Brief des Gesundheitsamtes. Also: Mundschutz auf und zu Hause bleiben. Kein Kontakt zur Außenwelt – zumindest nicht in Fleisch und Blut.

Und was hieß das jetzt für mich, ihren Bruder, und unsere Eltern? Freiwillige Quarantäne natürlich. Ein seltsames Gefühl, in den eigenen vier Wänden eingesperrt zu sein. Serienmarathon, Online-Games und Zeit zum Pauken. Nur der Tag, meine Jogginghose und ich.

Natürlich war dieser Plan zum Scheitern verurteilt. Und natürlich ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Daher habe ich mir nach dem Lesen unseres Freibriefs sofort den Hund geschnappt und bin eine große Runde gelaufen. Nur mein Hund und ich, aber frei.  


#ersterGehversuch Corona-Projekt: Tanzkarriere (8/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 24 – Sonntag, der 5. April. Die letzten Tage lag ich nur im Bett. So viel konnte ich mit meinem schwerverletzten Knöchel tatsächlich nicht machen. Heute war es besser und ich konnte wieder ohne große Schmerzen und mit Hilfe der Schiene auftreten und gehen. Es waren um die 20 Grad und ich wollte raus. Gesagt, getan. Nach 30 Minuten konnte ich nicht mehr und bin nach Hause. Was soll ich mit meinem Leben anfangen?


#Arztbesuch Corona-Projekt: Tanzkarriere (7/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 21 – Donnerstag, der 2. April. Ich musste zum Arzt. Mein Arzt, der von meinen regelmäßigen Besuchen genervt sein muss, durfte mir wieder mitteilen, dass ich mir das Außenband angerissen habe und für fünf/sechs Wochen an eine Schiene gekettet bin. Ob es mir peinlich war ihm mitzuteilen, dass das beim Tanzen passiert ist? Sehr. Vorher durfte ich immerhin erzählen, dass es beim Fußball, kurz vor dem wichtigsten Treffer meiner Schulsport-Fußballkarriere passiert ist. Heute war es beim Nachtanzen von irgendwelchen Choreos eines Konsolenspiels. Ich kann stolz auf mich sein.


#Karriereaus Corona-Projekt: Tanzkarriere (6/11)

Autorin: Lamis Amara

Tag 20 – Mittwoch, der 1. April. Wie mein heutiger Tag war? Ich habe tatsächlich getanzt. Ich war voll dabei und unglaublich motiviert. Bin zur aufstrebenden Tänzerin aufgestiegen und war so stolz auf mich, wie schon lange nicht mehr. Dann passierte es: beim Lied Ugly Beauty (passend) bin ich, ich weiß nicht wie, umgeknickt. An sich nichts Schlimmes, aber ich wusste sofort, dass das das Ende meiner Karriere bedeutete und sah mein noch so junges Leben an mir vorbeizischen. Denn es traf meinen geliebten Dramaqueen-Knöchel: Instabil und unglaublich nervig. Ich kann kaum auftreten und bin verzweifelt.