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Leben und Gesellschaft - Secondhand Wenn Nachhaltigkeit schick wird

Manchmal passiert es - die Kauflust überfällt uns, ob wir wollen oder nicht. Doch einmal gekauft, verlieren neue Kleidungsstücke ihren Glanz und werden bald ersetzt. Kleidungsretter wie Tanja Hahn geben den Dingen eine zweite Chance.

Das Secondhand-Geschäft "Jette Second Hand" in Braunschweig. (Quelle: Janina Meyer)

„Jette Second Hand“ steht in elegant geschwungener Schrift auf dem Ladenschild. Freundlich heißt Inhaberin Tanja Hahn ihre Kundschaft und alle, die nur schauen möchten, in ihrer kleinen Welt willkommen. Hier ist alles persönlich, detailreich verziert und gemütlich. „Es gibt ausgefallene Sachen und der Laden ist nicht so voll. Man hat hier Platz, es ist nicht alles zu zugestellt“, sagt sie. Ihr Geschäft befindet sich in der Braunschweiger Innenstadt, umzingelt von großen Modeketten.

Tanja Hahn nimmt sich für jeden Zeit, der das Geschäft betritt. Das tut sie gern, denn „Secondhand-Kunden sind auch einfach anders, die sind einfach netter.“ Weiter erklärt sie: „Zu mir kommen die Kunden, weil sie gerne die Kleidung anfassen und anprobieren möchten. Manche Freundinnen treffen sich hier auch und machen eine richtige Session. Die nehmen sich dann Zeit und das ist ein richtiges Erlebnis.“ Spaß und Erleben im kleinen Laden, statt Stress und Eile im großen Kaufhaus.

Secondhand wird gern präsentiert


Die Kleidung, die bei „Jette Second Hand“ angeboten wird, stammt ausschließlich von Privatkunden, die ihre Kleidung, die sie nicht mehr tragen, zum Weiterverkauf anbieten. Das Erlebnis des Einkaufens und Benutztem eine zweite Chance geben – damit treffen Secondhand-Anbieter wie Tanja Hahn den Puls der Zeit. Nachhaltigkeit ist schick und das Stöbern in Secondhand-Läden im Trend. Allein auf Instagram findet man über vier Millionen Treffer unter dem Stichwort „Secondhand“. Man präsentiert hier gern, was gebraucht geshoppt wurde – Gebrauchtes ist heute also wieder salonfähig.

Auch Daniela Kaminski von Secondhand Vernetzt e.V. berichtet: „Wir merken den Abbau der Vorbehalte und den Schwung, den die jungen Leute haben, quer zu denken.“ Der Verein, der den Gebrauchtwarenhandel in Deutschland fördert, trifft in drei Worten den Kern des Konzepts: „Unser Slogan in den 90er Jahren war: Ökonomisch, ökologisch, originell. Ökologisch liegt auf der Hand. Ökonomisch - Secondhand ermöglicht auch sozial schwächeren Leuten Zugang zu Waren. Zudem erspart es dem Staat Entsorgungskosten. Und originell auf jeden Fall, denn da findet man Unikate und Besonderes jenseits von H&M-Mode und anderen Billigketten oder auch populären Marken.“ Es ist laut Karminski normal geworden, Gebrauchtes zu kaufen und zu verkaufen. Dieser Entwicklung habe die Online-Plattform Ebay einen zusätzlichen Schub gegeben. Auch „Kleiderkreisel“, eine Internetseite, auf der man gebrauchte Kleidung kaufen und verkaufen kann, boomt mit bereits zwanzig Millionen Nutzern in zehn Ländern.

Online-Plattformen geben Vintage-Mode Schub


Jochen Benneker, Vorsitzender des Verbandes Secondhand Vernetzt e.V., sieht die steigende Beliebtheit der Online-Gebrauchtwarenhändler allgemein positiv: „Je mehr Leute Secondhand kaufen, desto besser.“ Kaminski bestätigt die Entwicklung von Ware aus zweiter Hand zum Modetrend: „Das Streben nach Individualität hat der SH-Modebranche - Vintage heißt das in der Szene - gut getan.“

Ihr Appell an Studierende und junge Menschen lautet: „Ihr seid die Generation, die unsere Konsumwelt jetzt und in den nächsten Jahren maßgeblich bestimmt. Kauft immer Qualität, niemals Kitsch. Kauft Dinge, die man reparieren kann und achtet drauf, dass sie ohne Rest entsorgt werden können. Wenn nicht - setzt die Produzenten unter Druck. Schaut, wer nach euch eure Sachen nutzen kann.“ Die Türen zur Secondhand-Welt stehen offen. Es gibt in Braunschweig eine Vielzahl an Geschäften, wie „Jette Second Hand“, die zum Stöbern und Shoppen im Sinne der Nachhaltigkeit einladen.