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Leben und Gesellschaft - Weihnachtsmarkt, Braunschweig, Corona Weihnachtsmarkt-Tagebuch 2020: Adventszeit in Braunschweig in Corona-Zeiten

Der Brauschweiger Weihnachtsmarkt 2020 steht auf der Kippe. Die Ungewissheit wächst. Ist das alljährliche Weihnachtsspektakel aufgrund der derzeitigen Corona-Situation überhaupt realisierbar? Unsere Autorinnen Livia Mach und Lisa Matthies berichten auf dieser Seite kontinuierlich, wie es um den Weihnachtsmarkt steht. Außerdem waren sie auf den Straßen Braunschweigs unterwegs, um die Stimmung der BürgerInnen einzufangen.

Die Schausteller in Deutschland stehen vor einem großen Problem: die Corona-Pandemie sorgt aktuell dafür, dass unklar ist, ob Weihnachtsmärkte- und feste stattfinden können. (Quelle: Lisa Matthies)

Donnerstag, der 22. Oktober 2020 Tag 1 der Recherche

Eigentlich sollte der Weihnachtsmarkt Ende November wie gewöhnlich stattfinden, doch auch diesem Event kommt die Corona-Pandemie in die Quere. Nachdem in den letzten Monaten ein Rückgang der Infektionszahlen zu verzeichnen war, infizierten sich in den letzten Wochen wieder mehr Menschen mit dem Virus. „Die Beschlüsse auf Bundesebene wirken sich leider auch auf unseren Weihnachtsmarkt aus. Das Veranstaltungsverbot ist eindeutig und bindend für uns als Veranstalter des Braunschweiger Weihnachtsmarktes. Der Markt kann deshalb nicht wie geplant im November starten. Ob der Weihnachtsmarkt überhaupt stattfinden kann und in welcher Form, ist derzeit unsicher“, erklärt Gerold Leppa, Geschäftsführer des Stadtmarketings.„Wir haben uns dazu entschieden, die Option offen zu halten, im Dezember mindestens ein vergleichbares Angebot zu haben. Aber auch dafür gilt es, die dann geltenden Regelungen abzuwarten. Wir werden jetzt so schnell wie möglich alle Beteiligten entsprechend informieren“, so Leppa in der Pressemitteilung der Stadt Braunschweig vom 29. Oktober 2020.


Donnerstag, der 5. November 2020 Tag 15 der Recherche

Ungewiss ist immer noch, ob Braunschweig auch in diesem Jahr seine BürgerInnen mit einem Weihnachtsmarkt auf die Festtage einstimmen und für den nötigen Weihnachtszauber in der Innenstadt sorgen kann. Anlässlich hierzu begaben wir uns heute einmal selbst auf die Straßen der Braunschweiger Innenstadt und befragten Passanten: „Was sind Ihre Einschätzungen zu der aktuellen Situation?“, „Denken Sie, dass es in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt geben wird und falls ja, gehen Sie ihn besuchen?“, „Wie sieht ihr persönliches Weihnachtsfest dieses Jahr aus?“.

Braunschweigs BürgerInnen stellten sich trotz Corona-Bedingungen als äußerst redselig heraus und lieferten uns spannende Einblicke in ihre derzeitige Gefühlswelt und momentanen Sorgen. Darüber hinaus warfen wir einen Blick in Mandel Meier´s Gourmet Café – das Café des bekanntesten Schaustellers des Weihnachtsmarktes in Braunschweig. Aufgrund der Corona-Landesverordnung ist das Café seit dem 02. November geschlossen.


Freitag, der 6. November 2020 Tag 16 der Recherche

Bis zum 6. November 2020 gab es keine neuen Beschlüsse zum Weihnachtsmarkt. Es bleibt abzuwarten, ob Mandel Meier mit seinen Spezialitäten, insbesondere den leckeren, zuckersüßen Mandeln, und andere Schausteller auf dem Weihnachtsmarkt vertreten sein werden.


Dienstag, der 10. November 2020 Tag 20 der Recherche

Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt 2020. Was gibt es Neues? Herrscht mittlerweile Klarheit zum Weihnachtsmarkt? Ungefähr eine Woche ist vergangen, seitdem wir auf den Straßen Braunschweigs unterwegs waren, um uns ein Stimmungsbild von Braunschweigs Bürgern zu der aktuellen Situation einzuholen. Die Meinungen waren gespalten. Die einen denken, dass es in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt geben wird – die anderen geben sich dagegen noch optimistisch und gehen davon aus, dass die Veranstaltung unter einem strengen Hygienekonzept trotzdem stattfinden wird.

Die Pressereferentin im Bereich Kommunikation des Stadtmarketings, Stephanie Horn, erklärte uns, inwiefern die Corona-Pandemie die Organisation des Weihnachtsmarktes tatsächlich beeinflusst, wie viele Hände und Köpfe derzeit mitwirken und verriet uns ihre Gedanken zur derzeitigen Situation. „Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt ist ein Ganzjahresprojekt. Die Vorbereitungen für den jeweils nächsten beginnen immer schon während des vorigen Weihnachtsmarktes. Die Corona-Pandemie hat dieses Jahr starken Einfluss auf die Vorbereitungen genommen, aktuell ist unsicher, ob und wie ein Weihnachtsmarkt in Braunschweig stattfinden kann“, erklärte Horn. Da sich die Voraussetzungen und rechtlichen Grundlagen laufend verändern, sei eine vorausschauende Planung nur in Szenarien möglich. Laut der Bundesregierung sind mit dem Inkrafttreten der am 2. November neuen Corona-Bestimmungen jegliche Veranstaltungen im November, die der Unterhaltung dienen, untersagt. So betreffe das in der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossene Veranstaltungsverbot auch den Weihnachtsmarkt in Braunschweig. „Ein Beginn des Marktes im November ist damit nicht möglich. Ob und wie der Markt später stattfinden könnte, ist aktuell unsicher“, verdeutlicht Horn. Das weihnachtliche Highlight lässt also noch auf sich warten, die Hoffnung auf einen Weihnachtsmarkt im Dezember bleibt. Der Weihnachtsmarkt müsse den Entwicklungen und geltenden Rechtsvorgaben entsprechend organisiert werden, betont Horn immer wieder. Doch die Entwicklung der Pandemie ist für uns alle nicht konkret vorhersehbar.

Auch das Sicherheits- und Hygienekonzept für den Weihnachtsmarkt werde jedes Jahr in Zusammenarbeit mit den Behörden auf Basis des Vorjahres abgestimmt. Darunter würden verkehrliche Maßnahmen zählen, wie beispielsweise die Sperrung der anliegenden Münzstraße für den Individualverkehr und die Einrichtung von Halteverbotszonen. Komplizierter sehe es allerdings bei dem Hygienekonzept aus, das den jeweils aktuellen Entwicklungen und rechtlichen Grundlagen entsprechen muss, weshalb zum jetzigen Zeitpunkt diesbezüglich noch nichts feststeht. Immer wieder wird deutlich: die Pandemie verursacht Ungewissheit. Von Frau Horn erfuhren wir außerdem, dass das Stadtmarketing in regelmäßigem Kontakt mit den Schaustellern des Weihnachtsmarktes stehe, um diese über die neuesten Kenntnisse in Bezug auf den Weihnachtsmarkt zu unterrichten.

„Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt ist nicht nur für viele BraunschweigerInnen ein fester Bestandteil der Adventszeit, sondern auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor insbesondere für die SchaustellerInnen, deren Erwerbsmöglichkeiten durch die Corona-Pandemie stark beeinträchtigt sind“, fasst Horn ihre Gedanken zum derzeitigen Stand zusammen. Die SchaustellerInnen hoffen natürlich immer noch, dass sie auch in diesem Jahr mit ihren weihnachtlich geschmückten Ständen auf dem Weihnachtsmarkt präsent sein dürfen. Die zahlreichen Hände und Köpfe, die an der Organisation des Weihnachtsmarktes mitwirken, darunter etwa zwei MitarbeiterInnen des Stadtmarketings, die den Braunschweiger Weihnachtsmarkt Jahr für Jahr organisieren, Verantwortliche für die Kommunikation des Veranstaltungsangebots sowie zahlreiche DienstleisterInnen, würde es natürlich auch freuen, wenn über Braunschweigs Innenstadt auch in diesem Jahr der Duft nach frisch gebrannten Mandeln, Glühwein oder Lebkuchen liegen würde. Und seien wir mal ehrlich, die lange Schlange vor dem Stand des Mandel Meier´s gehört doch auch einfach zur Weihnachtszeit dazu. Den Bürgern Braunschweigs bleibt nur die Hoffnung auf den diesjährigen Weihnachtsmarkt. Es bleibt weiterhin spannend.


Mittwoch, der 11. November 2020 Tag 21 der Recherche

Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes in Braunschweig, Stefan Franz, stellte sich uns gerne für ein Interview zur Verfügung. Wie geht er mit der Ungewissheit bezüglich des Weihnachtsmarktes um? Wie ergeht es den anderen Schaustellern? Stefan Franz über das sehr aufwühlende Thema.


Donnerstag, der 12. November 2020 Tag 22 der Recherche – „Die Pandemie geht an einem nicht spurlos vorbei.“

Wir haben einen der bekanntesten Schausteller des Braunschweiger Weihnachtsmarktes, Herrn Markus Karl Meier, bekannt als der Mandel Meier, bei seiner Arbeit getroffen und interviewt. Steht Herr Meier regelmäßig mit den Organisatoren des Weihnachtsmarktes im Austausch? Falls dem so ist, was für Informationen liegen ihm bezüglich eines diesjährigen Weihnachtsmarktes vor und wo kann man im Falle einer Absage trotzdem in den Genuss seiner köstlichen Mandeln kommen?

„Ich bin der Herr Mandel Meier, das ist der Name, den man mir über die Jahre hinweg gegeben hat.“ Mit diesen Worten beginnt Meier das Interview, welches wir an diesem doch sehr kalten Mittwoch mit dem Schausteller führten. Seine Mandeln sind wohl für viele BraunschweigerInnen ein besonderes Highlight auf dem Weihnachtsmarkt. Wir befinden uns vor der Markthalle in Braunschweig, wo Meier momentan seine Mandeln unter die Leute bringt. Auch während des Interviews rührt er die Mandeln zusammen mit dem Zuckerguss in einem Edelstahltopf an. Ein Bild, das sicherlich vielen Menschen bekannt vorkommt – ein Duft von Weihnachtsstimmung liegt in der Luft.

 

Als gebürtiger Braunschweiger hofft er natürlich, dass er seine Mandeln auch in diesem Jahr noch auf dem Weihnachtsmarkt anbieten kann. Die Ungewissheit steht dem Schausteller dabei ins Gesicht geschrieben, während er immer schneller seine Mandeln umrührt. Mit dem Stadtmarketing stehe er diesbezüglich in regelmäßigem Kontakt. „Mitte des Jahres und auch noch einmal im September teilte mir der Projektleiter des Weihnachtsmarktes, Herr Dirk Thönniß vom Stadtmarketing mit, dass der Weihnachtsmarkt regulär geplant wird“, so Meier in Bezug auf den damaligen Informationsstand. Das Sommerstadtvergnügen in Braunschweig sei die Generalprobe für den Weihnachtsmarkt gewesen, dessen Konzept von der Verwaltung und der Politik hoch gelobt wurde. Die Stände wurden damals großflächig und mit Abstand in der Innenstadt aufgestellt. „Eine sehr gute Idee, die in die Tat umgesetzt werden sollte“, so die Einschätzung von Meier. Soweit der Erkenntnisstand vor dem Erlass der Bundesregierung Ende Oktober, mit dem alle Veranstaltungen im November ausdrücklich verboten wurden. Die Kontakte müssten auf das Mindeste beschränkt werden, da „anderenfalls das weitere exponentielle Wachstum der Infiziertenzahlen mit dem Corona-Virus (SARS-CoV-2) unweigerlich binnen weniger Wochen zu einer Überforderung des Gesundheitssystems führen und die Zahl der schweren Verläufe und der Todesfälle erheblich ansteigen würde“, heißt es in dem Schreiben der Bundesregierung vom 28. Oktober 2020. Herr Thönniß sei schließlich dazu gezwungen worden, den Standbetreibern in einem postalischen Schreiben mitzuteilen, dass der Weihnachtsmarkt im November nicht stattfinden darf. In dem Schreiben sei die Rede von einer „Terminverschiebung“ und einer Eröffnung des Weihnachtsmarktes im Dezember gewesen.

„Die Chancen hierauf schätze ich allerdings nur sehr gering ein, da die Stadt Braunschweig mir bereits die gesamte Standmiete zurück überwiesen hat. Ein Zeichen für mich, dass im Grunde genommen niemand daran glaubt“, lauten die ehrlichen Worte des Mandel Meier. Auch an ihm gehe die momentane Situation nicht spurlos vorbei. Die vielen medialen Informationen, die tagtäglich auf ihn einprasseln, würden auch ihn zum Nachdenken anregen. „Es wühlt einen schon auf, aber man muss doch positiv denken“, bringt Meier optimistisch zum Ausdruck. Kurz hält er jedoch beim Rühren des Zuckergusses inne und wirkt sehr nachdenklich. „Wir Gastronomen gehen davon aus und hoffen natürlich auch, dass im Dezember alles normal weitergehen kann. Alles andere wäre eine totale Katastrophe für die Gastronomie“, macht der Schausteller deutlich. Viele seiner Kollegen hätten in diesem Jahr keinen einzigen regulären Arbeitstag wahrnehmen können. Erneut herrscht eine bedrückte Stille, er schwenkt die Mandeln weiter und wird immer langsamer. Er sei froh, dass er zumindest hier an der Markthalle noch länger seine Mandeln verkaufen kann. Solange noch auf den verspäteten Weihnachtsmarkt gehofft und gewartet wird, können die Mandel Meier Fans von Montag bis Samstag, ausgeschlossen Mittwoch, zwischen 11 und mindestens 19 Uhr hier noch auf den Geschmack seiner köstlichen Mandeln kommen.