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Leben und Gesellschaft - Verpeiltheit, Gedächtnis, Neurologie Verpeilt sein bedeutet den Kopf aufzuräumen

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Aus Schaden wird man klug. Und schon wieder den Kopf vergessen? – Sprüche, die man sich anhören muss, wenn man verpeilt ist. Dabei spielt uns unser Gehirn nicht einfach nur einen Streich, dahinter steckt mehr, meinen zwei Forscher.

Und schon wieder etwas vergessen! Aber woran liegt das eigentlich?

Jeder kennt es: Man hat einen Termin versäumt, die Abgabefrist verpasst, den Geburtstag der besten Freundin vergessen. Doch wer ab und an ein Gedächtnis wie ein Küchensieb hat, braucht nicht gleich den Kopf in den Sand zu stecken oder umgekehrt. Denn: Wer vergisst, der räumt sein Gehirn auf. Und das ist nicht unbedingt was Schlechtes!

Im Gegenteil: Wer oft etwas verträumt durch das Leben geht, hat jetzt die perfekte Ausrede parat. Laut den beiden US-Neurologen Blake Richards und Paul Frankland muss unser Gehirn regelmäßig unwichtige Erinnerungen oder Details aussortieren, um neue Informationen aufzunehmen. Dadurch ist das Gehirn in der Lage, bessere und überlegtere Entscheidungen zu treffen. Demnach sind verpeilte Menschen gewissermaßen gedanklich besser organisiert als die anderen, da sie sich auf die wirklich wichtigen Dinge fokussieren können. Gerade Menschen, die viel um die Ohren haben, können gar nicht anders, als kleinere Details zu vergessen. Schon allein deshalb, weil sich ihr Gehirn an die sich ständig verändernde Umwelt anpassen muss. Um dabei mithalten zu können, ist es eigentlich ganz logisch, dass unser Gehirn regelmäßig Informationen ausmistet.

Und wenn wir mal alle ehrlich mit uns sind, waren wir doch alle schon mal geistig abwesend: Du gehst in einen Raum und hast vergessen, warum oder wie du überhaupt erst dorthin gekommen bist. Du suchst minutenlang das Handy und hältst es dabei in der Hand. Du fährst panisch zurück nach Hause, weil du dich nicht mehr erinnern kannst, die Haustür abgeschlossen zu haben und kommst dadurch zu spät zu einer Verabredung (die Haustür war natürlich die ganze Zeit abgeschlossen).

Auch diese Umstände vermeintlicher Verpeiltheit sind nicht deine Schuld. Laut einer Studie der University of Notre Dame aus den USA neigen wir dazu, Dinge schneller zu vergessen, wenn wir einen Raum verlassen, also unsere Umwelt verändern. Zählt man eins und eins zusammen, dann liegt der Grund dafür auf der Hand: Unser Gehirn vergisst die alte Information, um mehr Informationen über die veränderte Umwelt aufzunehmen.

Also denke daran: Du bist nicht allein und dein Gehirn ist nachweislich einfach aktiver als das von anderen! Zu blöd, dass die Ausrede wohl kaum von dem Dozenten akzeptiert wird, sollte man mal wirklich eine Abgabefrist verpasst haben. Entschuldigung, mein Gehirn hat leider diese Information gelöscht, um wichtigere Dinge wahrzunehmen.