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Leben und Gesellschaft - Corona, Gastronomie, Existenz Support your Locals! Hilferuf der Gastronomen

Gastronomie in Pandemiezeiten ist ein bittere Kampf ums wirtschaftliche Überleben. Nach mehreren Lockdowns sind viele Restaurantbetreiber nicht nur finanziell, sondern auch emotional und psychisch am Ende ihrer Kräfte.

Aufgrund des Corona-Virus fürchten die Restaurants um ihre Existenz. (Quelle: Pexels)

Ein kurzer Blick in die Speisekarte vom Stammlokal, gefolgt vom Smalltalk mit der Kellnerin und anschließend das Speisen vor Ort. Für viele Menschen gehört die Gastronomie zu einem festen Bestandteil ihres Alltags.

Doch in Deutschland verschärft sich die Situation für Restaurants durch Covid-19 immer mehr. Laut Guido Zöllick, Präsident vom Bundesverband DEHOGA, stehe das Überleben einer gesamten Branche auf dem Spiel. Von den 220.000 Gastronomiebetrieben solle einem Drittel der Untergang bevorstehen, wenn nicht ausreichende Hilfe vom Staat geboten wird. Natürlich leidet nicht nur die Gastronomie unter der Pandemie, jedoch ist sie wohl eine der am härtesten von Corona betroffenen Branchen. Am 22. März 2020 mussten erstmals deutschlandweit alle Restaurants schließen, um die Verbreitung des Virus zu stoppen. Etliche Betriebe haben durch die fehlenden Umsätze nicht überlebt und mussten dementsprechend Insolvenz anmelden.

Aus einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass die Umsätze der Gastronomie-Branche durch die Pandemie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von März bis August 2020 um 40,5 Prozent gesunken sind. Diese extremen Umsatzeinbrüche sind das Resultat des ersten Lockdowns. In den folgenden Monaten wurden die Corona-Schutzmaßnahmen langsam gelockert und dementsprechend sind die Einnahmen wieder gestiegen. Unter strengen Auflagen durften die Restaurants wieder öffnen. Doch der Lockdown ist in die zweite Runde gegangen: der Lockdown-Light. Die Gastronomen mussten erneut ihre Betriebe auf Lieferdienste und Außer-Haus-Geschäfte umstellen, damit sie überhaupt Einnahmen erzielen können.

 

Die Bundesregierung bietet in dieser Krisenzeit finanzielle Unterstützung an, um den Umsatzeinbrüchen entgegenzuwirken. Im November 2020 hat der Staat für den Lockdown-Light eine sogenannte Novemberhilfe bereitgestellt. Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie haben betroffene Betriebe einen Zuschuss von 75 Prozent ihres durchschnittlichen Umsatzes aus November 2019 erhalten. Es sind bereits befristete Überbrückungshilfen bis Ende Juni 2021 in Planung. Die Regierung versucht zwar den Gastronomen möglichst weit unter die Arme zu greifen, doch langfristig gesehen wird das Hilfsprogramm vom Staat den Gastronomen nicht ausreichen.

Vom Restaurant zum Hol- und Bringdienst

Maskenpflicht, Abstandsregelung, Hygienevorschriften, Kontaktnachverfolgung und viele weitere Maßnahmen: All das wird eingehalten und trotzdem müssen die Betriebe zwangsmäßig schließen. Ein Schlag ins Gesicht für alle Gastronomen, die ihr Bestes versuchen dem Virus entgegenzuwirken. Phan Do Duy, der Restaurantinhaber vom Hanayuki Sushi Restaurant in Braunschweig, hat sich letztes Jahr ebenfalls von Mai bis November vorbildlich an alle Vorschriften gehalten. Seit drei Jahren steht Duy leidenschaftlich an der offenen Sushitheke von Angesicht zu Angesicht mit seinen Gästen. Durch den Lockdown-Light darf er aber nur noch einen Abhol- und Lieferservice anbieten. Huong Do, eine Mitarbeiterin, arbeitet seit der Eröffnung des Restaurants im Jahre 2017 für Phan Do Duy und erlebt hautnah die Veränderungen in der Gastronomie-Branche durch Corona mit.

 

 

Azubi sehnt sich nach Normalität

In Zeiten von Corona leiden nicht nur die Restaurantinhaber, sondern auch das ganze Team an Köchen, Servicemitarbeitern und Barkeepern. Diese und viele weitere Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Laut dem Bundesverband DEHOGA gibt es mehr als 220.000 Betriebe mit über 2,4 Millionen Arbeitsplätzen im Gastgewerbe, die nun durch den Lockdown gefährdet sind. Niklas Künnen gehört zu den Betroffenen. Er ist mittlerweile im zweiten Jahr seiner Ausbildung als Restaurantfachmann. Die Pandemie beeinflusst seine Zukunft immens, jedoch bleibt ihm keine andere Wahl, als abzuwarten und auf das Beste zu hoffen.

 

 

 

 

Jetzt ist Kreativität der Gastronomen gefordert

Zurzeit reichen Außerhaus- und Liefergeschäfte knapp für das Überleben von Restaurants aus. Viele Gastronomen werden in dieser Krisenzeit kreativ und versuchen, mit einer anderen Möglichkeit ihr Geld zu verdienen. In der Region 38 gibt es bereits ein paar neuartige Konzepte. Beispielsweise im Raum Braunschweig verbreitet sich die Idee eines Live-Koch-Events über Instagram. Es ermöglicht den Nutzern, gemeinsam mit einem Koch von zuhause aus zu kochen. Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Interessenten bestellen sich über die Webseite www.deine-region-kocht.de eine Kochkiste, in der alle Zutaten für die jeweiligen Gerichte für zwei Personen enthalten sind. Mittwochs um 19 Uhr findet über die Instagram-Live-Funktion eine Kochsession mit einem regionalen Chefkoch statt. Durch diese Idee wird coronakonform die Gastronomie nach Hause gebracht.

Ein weiteres Konzept zur Überbrückung der Corona-Zeit in Deutschland ist der Lieferservice zur Wohnmobiltür. Die Idee dahinter: Die Gerichte werden von einem Kellner an die Wohnwagentür serviert. Hier gelten vorab Rahmenbedingungen des Ordnungsamtes an die sich die Gastronomen rechtskonform halten müssen, sowie an die momentan vorherrschenden Corona-Schutzmaßnahmen. Das italienische Restaurant VidaLoca in Wolfsburg berichtete in einem Interview mit dem NDR bereits von einem gewinnbringenden „Wohnmobil-Dinner“-Konzept, das dem Restaurant ermöglicht in der Corona-Krise zu überleben.

Die Kreativität der Gastronomen wird in dieser Zeit auf die Probe gestellt. Sie müssen darum kämpfen, um ihrer Berufung auch zukünftig nachgehen zu können.