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Leben und Gesellschaft - Teenagerschwangerschaft Plötzlich erwachsen: Mutter mit 17

Windeln, Schnuller und Muttermilch – damit kennt sich Melena aus. Die heute 21-Jährige bekam ihre Söhne mit 17 und 19 Jahren. Obwohl sie so jung war und noch keine Ausbildung angefangen hatte, bereut sie die Entscheidung nicht.

Ihre Kraft schöpft Melena bei ihren beiden Söhne Jonah (links) und Henry. (Quelle: Privat)

„Ich war durchgehend nur müde, lustlos und hatte ein unwohles Gefühl im Bauch…“, erst in der neunten Schwangerschaftswoche machte Melena allein, ohne an eine Schwangerschaft zu glauben, einen Test. Denn sie nahm wie vorgeschrieben die Antibabypille und auch ihre Regelblutungen waren regelmäßig. Doch das Ergebnis des Tests war eindeutig: „Als er dann positiv ausfiel, war ich erstmal etwas panisch meinem Freund davon zu erzählen. Denn für mich war sofort klar, dass ich das Baby behalten würde.“ Der werdende Vater war zunächst vollkommen geschockt und konnte sich mit der Situation nicht besonders gut anfreunden – entschied sich dann aber für die Familie. Auch die Eltern waren alles andere als begeistert. Mit gerunzelter Stirn fügt Melena hinzu: „Allen von der Schwangerschaft zu erzählen, war tatsächlich die heftigste Zeit für mich. Die meisten äußerten große Zweifel und stellten unsere Entscheidung immer wieder in Frage.“ Doch auch die werdenden Großeltern gewöhnten sich mit der Zeit an die Situation und unterstützten die jungen Eltern. Das tun sie heute noch, wo sie nur können.

„In meiner ersten Schwangerschaft spürte ich oft komische Blicke, aber das war mir ziemlich egal. Ich war so stolz darauf, meine Kugel zu zeigen. Das einzige, was mich verletzt hat, war meine damalige Hebamme: Sie hat mich behandelt, als wäre ich eine schlechte Mama und hätte keine Ahnung“, erzählt Melena mit fester Stimme. „Es sind auch einige Freundschaften in die Brüche gegangen, aber da bin ich inzwischen nicht mehr traurig.“ Während der ersten Schwangerschaft absolvierte Melena ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung. Aufgrund ihrer Schwangerschaft erfolgte ein Beschäftigungsverbot und so ging sie vorzeitig in Elternzeit. Der zweite Sohn von Melena kam geplant, da sie nicht so einen großen Altersunterschied zwischen den Geschwistern haben wollten. Als ihr zweiter Sohn etwas über ein Jahr alt war, fing die mittlerweile 20-Jährige zunächst in einer Bäckerei an zu arbeiten. Aktuell macht Melena eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin. Am Wochenende arbeitet sie zusätzlich noch beim Bäcker. Viel Zeit für sich, ihren Freund und Hobbies bleibt ihr nicht: „Die Omas helfen zweimal die Woche aus, damit die Jungs nicht so lange im Kindergarten sein müssen“, erzählt Melena. „Zeit für unsere Beziehung bleibt im Alltag häufig auf der Strecke. Wir versuchen uns abends oder mal am Wochenende, wenn die Kinder bei den Omas sind, Zeit für einander zu nehmen.“ Kraft für ihren anstrengenden Alltag mit zwei kleinen Kindern und mitten in der Ausbildung tankt sie beim Spazieren gehen mit dem Familienhund.

Ähnlich wie schon Rosalie, die mit 15 ihre Tochter bekommen hat, empfindet auch Melena. Sie gibt anderen jungen Müttern einen vergleichbaren Ratschlag: „Traut euch, Hilfe anzunehmen und hört auf euch selbst und achtet nicht auf die Verurteilungen von außen.“ Durch schwere Zeiten helfen Melena immer ihre Kinder, die ihr zeigen wofür es sich lohnt zu kämpfen.