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Leben und Gesellschaft - Fußball, Amateure, Geld Investoren im Amateurfußball - der letzte Ausweg?

Sportlicher Erfolg ohne Investoren? Im Profi-Fußball ist das heute undenkbar. Auch im Amateurbereich macht sich immer öfter bemerkbar: ohne Geld kommst du als Verein nicht weit. Steckt der Fußball in der Krise?

Egal ob 1. Bundesliga oder Bezirksliga: im Fußball spielt Geld eine große Rolle (Quelle: iStock)

„God save TeBe“ hallt von den Rängen des Berliner Mommsenstadions, Heimat des Traditionsvereins Tennis Borussia im Westen der Hauptstadt. In den letzten Jahrzenten haben sich verschiedene Unternehmer und Investoren von diesem Hilferuf angesprochen gefühlt und ihr Kapital in den Verein investiert. Mit im Gepäck waren mäßiger Erfolg und eine Menge Chaos. In den 1990ern wurde der Verein von der Finanzholding Göttinger Gruppe übernommen. Diese lockte zahlreiche namhafte Spieler wie Ansgar Brinkmann an und stattete sie mit hochdotierten Verträgen aus. Das Ziel war klar: Aus dem ehemaligen Bundesligisten, kurz vor der Jahrtausendwende Fahrstuhlmannschaft zwischen Zweitklassigkeit und Oberliga, sollte eine feste Größe im deutschen Fußball werden. Doch die Millionentruppe spielte nicht wie erwartet um den Aufstieg in die 1. Bundesliga, sondern hatte damit zu kämpfen, Abstieg für Abstieg zu vermeiden. Als die Investoren daraufhin die Lust am Projekt verloren und das Geld ohnehin knapp wurde, entzog der Deutsche Fußball-Bund dem Verein die Lizenz für die 2. Bundesliga. Nur die Spitze des Eisbergs. Denn danach fing die turbulente Achterbahnfahrt der Tennis Borussia erst richtig an.

Geschichten wie die von Tennis Borussia schrecken viele Fans ab. In Deutschland sind Investoren stark im Verruf. Die Bundesliga ist deswegen auch die einzige große Liga in Europa, die an der 50+1-Regel festhält. Vereine wie die TSG 1899 Hoffenheim oder Rasenballsport Leipzig sind immer wieder Ziel von Schmähgesängen anderer Fanszenen. Die starke Abneigung gegen Geld von außen, lässt sich oft auf die Wahrung von Traditionsvereinen zurückführen. Der ehemalige Schalker Manager Christian Heidel hatte Hoffenheim genau das vorgeworfen. Fehlende Geschichte, fehlende Zuschauerunterstützung. Es ist nicht zu leugnen, dass ohne Mäzen Dietmar Hopp die TSG aus Hoffenheim heute nicht in der Bundesliga spielen würde. Anders wäre es jedoch auch kaum möglich gewesen. Es gibt keinen modernen Fall, bei dem ein Amateurverein ohne die Finanzspritze eines Investors den Profifußball erreichte. Die Lücke zwischen Profi- und Amateurfußball wird immer größer. Ironischerweise liegt es daran, dass es der Basis an Geld fehlt. Der Ehrenpräsident der Sportvereinigung Unterhaching Engelbert Kupka wirft dem DFB seit Jahren vor, den Amateurvereinen Geld zu verwehren und stattdessen den Profifußball zu subventionieren.

Genau hier liegt die Ursache, warum es nur Vereine wie Hoffenheim schaffen, aus den unteren Ligen auszubrechen. Clubs aus kleineren Städten geraten oft bereits bei der Beschaffung von Bällen in finanzielle Not. Es geht nicht ohne Investor. Der Profifußball ist auf dem Weg, die großen Sportligen aus den Vereinigten Staaten zu imitieren. Ein geschlossenes System, das man als Außenstehender nur anschauen, aber nicht anfassen darf. Das Problem ist, dass man in den USA Sportförderungen auf den Universitäten und High-Schools integriert hat. In Deutschland sind meist die Amateurvereine für die Entwicklung von jungen Spielern verantwortlich. Kaum ein Spieler aus der Bundesliga hat das erste Mal bei einem Profiverein gegen einen Ball getreten. Die meisten starten ihre Laufbahn bei der Dorfmannschaft von nebenan. Genau die Mannschaft, die sich manchmal nicht genug Bälle leisten kann und die ohne finanzielle Unterstützung von spendablen Mitgliedern kaum überleben könnte. Investoren könnten die Chance sein, Amateurvereinen die Hilfe zu bieten, die ihnen von den großen Verbänden verweigert wird.

Diese Hilfe ist unerlässlich, wenn man die Basis des Fußballs in Deutschland nicht langfristig verkümmern lassen möchte. Ohne diese Basis gibt es in einigen Jahren vielleicht keine großen, deutschen Talente mehr. Darunter würde schlussendlich auch der Profifußball leiden, da ihm die Spieler fehlen, die im Amateurbereich ausgebildet werden. Der finanzielle Gewinn sollte bei den Investitionen nicht im Vordergrund stehen. Ohne genügend finanzielle Mittel könnte es auf lange Sicht passieren, dass kleine Vereine sich nicht über Wasser halten können. Wenn die Verbände nicht bereit sind, diese Gelder zur Verfügung zu stellen, müssen sie von außen kommen. Der Amateurfußball bildet das Grundgerüst der größten Sportart Deutschlands. Wenn das zusammenbricht, ist auch der Profifußball bedroht. Deswegen ist es zu einfach, pauschal zu sagen, dass Fußball sich selbst finanzieren soll. Denn außerhalb der großen Städte ist das schon längst zur Herkulesaufgabe geworden.

50+1 Regel

Festgelegt wurde die 50+1 Regel von der deutschen Fußball-Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Sie besagt, dass eine Kapitalgesellschaft nur dann eine Lizenz für die Teilnahme an der Bundesliga oder 2. Bundesliga erwerben kann, wenn der jeweilige Mutterverein mit einer Mehrheit an der Kapitalgesellschaft beteiligt ist und mindestens 50% der Stimmanteile plus einen weiteren Stimmanteil in der Versammlung der an der Kapitalgesellschaft beteiligten Anteilseigner hält. So soll verhindert werden, dass sich Investoren durch eine Mehrheit eine zu große Entscheidungsgewalt erhalten.