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Leben und Gesellschaft - Fanprojekt Braunschweig Fußballfan und Sozialarbeiter

Karsten König leitet das Fanprojekt in Braunschweig. Der Sozialarbeiter hat seine Leidenschaft Fußball mit seinem Beruf verbunden. Mit einem Team aus drei Personen betreut und berät er jugendliche Fußballfans.

Karsten König, Leiter des Fanprojekt Braunschweig. (Quelle: Jennifer Cantwell)

Ein grauer Wintermorgen in der Rheingoldstraße. Direkt am Stadion der Braunschweiger Eintracht steht seit 2014 das blau-gelbe Containergebäude, indem das  Fanprojekt untergebracht ist. Hier ist der Arbeitsplatz von Karsten König:. „Manchmal weiß man nicht welches Feuer man zuerst austreten soll und manchmal ist die totale Ruhe“, witzelt er während er sich wieder in seinem Stuhl zurücklehnt. König, mit seiner ruhigen Art und einer schwarz-geränderten Brille, ist der Leiter des Fanprojekts in Braunschweig. Sein Arbeitstag beginnt in der Regel gegen Mittag, wenn viele mit der Arbeit oder Schule fertig sind. In der Woche kommt er oft erst spät nach Hause und auch an Wochenenden ist immer etwas zu tun. „Karsten hat immer viel um die Ohren, hier muss man immer am Ball bleiben.“, meint Kollege Ralf Schönherr.

Das Fanprojekt war schon lange eine Idee von König, der als gebürtiger Braunschweiger 1966 zum ersten Mal das Stadion besuchte. Vor seiner Zeit als Sozialpädagoge arbeitete er in mehreren Bereichen, beispielsweise in der Erwachsenenbildung oder Psychiatrie. Zu einer Zeit, als es um den Verein nicht gutstand, kam ihm der Gedanke Beruf und Hobby zu verknüpfen. Ihm war bekannt, dass es mehrere Fanprojekte in Deutschland gibt. Er machte sich schlau und führte zahlreiche Gespräche mit dem Verein Eintracht Braunschweig, sowie der Stadt, der Polizei und dem Jugendamt. Daraus entstand 2007 das Fanprojekt.

Jedoch dauerte es noch weitere sieben Jahre, bis der Standort „FanHaus“, entstand. „Es war eigentlich immer klar, dass das wichtigste bei einem Fanprojekt eine zentrale Anlaufstelle ist, wo die Leute hinkommen können, um sowohl ihre Sorgen, Nöte als aber auch Wünsche äußern zu können“, so König. Die Nähe zum Stadion war ihm hierbei besonders wichtig, in die Stadt wären die wenigsten gekommen. In Ostdeutschland seien viele Fanprojekte einfach in der Innenstadt. Hier gäbe es jedoch nicht dieselbe Jugenclubkultur. Eintracht Braunschweig sei ein Traditionsverein, mit gewachsenen Strukturen. Das mache es schwer etwas Neues zu etablieren, sagt König. 

Mittlerweile hat das Fanprojekt neben König drei weitere Mitarbeiter und bietet zusätzlich zur Beratung und Betreuung jugendlicher Fußballfans auch Einzelfallhilfe bei individuellen Problemen. Dazu gehören zum Beispiel Schwierigkeiten in der Schule, mit Behörden, der Familie oder in Beziehungen. Auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, einer Arbeit oder gar einer Wohnung helfen Karsten und sein Team zu vermitteln. Weitere Aufgaben bestehen darin, ein Bewährungsangebot bei Stadionverbot anzubieten und es den Fans zu ermöglichen, Sozial- und Arbeitsstunden beim Fanprojekt abzuleisten.

Dem Sozialarbeiter ist es wichtig ein realistisches Bild der Fans in der Öffentlichkeit zu zeichnen, da Anhänger oftmals falsch dargestellt oder missverstanden werden. Da er immer in Kontakt zum Leiter für Fanangelegenheiten der Deutschen Fußball Liga stand, wurde Braunschweig zu einem der zwölf Standorte für das Projekt „Lernort Stadion“, bei dem es darum geht politische Bildung im Umfeld von Fußballstadien zu vermitteln. „Das schöne war eben, dass man sich da was völlig frei ausdenken konnte. Und wir haben eben gesagt, wir machen eine fünftägige Projektwoche für Schulklassen, im Stadion.“, schwärmt König. Die Jugendlichen behandeln in der Woche Themen wie Demokratie, Rassismus und Diskriminierung und bekommen Training in Medien- und Sozialkompetenz. Das Ziel ist es die Jugendlichen anzuregen eigene Positionen zu unterschiedlichsten Themen zu entwickeln und eine positive Grundhaltung zu bilden.

Das Zusammenleben von Menschen, ein Gemeinwesen, das hat König schon immer interessiert. Heute motiviert es den 58-jährigen weiterzumachen - trotz langen und ungeregelten Arbeitszeiten, die teilweise schwierig durchzuhalten sind. „Natürlich gibt es auch manchmal Stress und natürlich ist es auch so, dass hier keiner eine 40 Stunden Woche hat. Also der Spitzenwert lag mal bei 110 Stunden! Im Endeffekt hat man eine Sechstagewoche. Aber das ist eigentlich auch ein Stück Selbstausbeutung, weil man ja immer denkt - da musst du jetzt auch noch, das kannst du jetzt nicht, das ist jetzt wichtig“. Eine Arbeit im Büro bei der man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, das wäre nichts für den Sozialpädagogen. Er brauch die Abwechslung, den Kontakt zu Menschen. „Ich glaube ganz stark daran, dass man durch diese Arbeit ganz viele Menschen kennenlernt. Das sind auch Menschen, die einem ans Herz wachsen so über die Zeit. Das ist schon ...“, König schmunzelt, „... das ist ja auch etwas, was gut tut.“