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Leben und Gesellschaft - TV-Übertragungsrechte Fußball im TV: Chaos bei Übertragungsrechten

Einfach den Fernseher anschalten und Fußball schauen – das war mal. Fußball gucken wird durch viele Anbieter immer komplizierter. Finn Bodner gibt einen Überblick das Rechte-Chaos.

Fußball im Fernsehen zu schauen wird immer komplizierter. (Quelle: istock/artas)

Dienstagabend, 19:00, Uhr: Die Bayern spielen heute Abend in der Champions-League. Doch schnell steht die Frage im Raum: Wo wird das Spiel übertragen? DAZN, Sky oder doch auf Eurosport? Nein, Eurosport überträgt nur an Freitagen, das ist schnell gemerkt. Also einfach mal den Sky-Receiver anstellen, um zu schauen, ob das Spiel gezeigt wird. Seit der aktuellen Spielzeit wird diese Frage an vielen Fußballabenden gestellt.

Bereits seit 1991 läuft die Bundesliga im Pay-TV. Damaliger Anbieter war Premiere. Da das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender zu vielseitig war, ging das Unternehmen im Jahr 2002 pleite. Trotz zwischenzeitlicher Rettung unterlag Premiere im Kampf um die Bundesliga-Rechte 2005 dem Pay-TV Anbieter Arena.2013 wurde der Sender in Sky umbenannt. Ab dann war es mit dem Sky-Sport-Paket möglich, alle Bundesliga-, DFB-Pokal-, Champions-League-Spiele und den UEFA-Cup (heute Euro-League) zu verfolgen.

Wer zeigt welche Spiele?

Die Zeiten haben sich geändert, denn ein Abonnement, um die deutschen Teams auf inter- und nationaler Ebene verfolgen zu können, gibt es nicht. Für das Komplett-Paket ist heute ein Abonnement bei DAZN (Perform Group), Eurosport und Sky nötig.

Mit diesen drei Abos sind es ca. 45 Euro, die Fans im Monat aufbringen müssen, um alle Partien mit deutscher Beteiligung zu sehen. Auch wenn viele Fans nicht auf alle drei Pay-TV Anbieter zurückgreifen, ist es mitunter schwer, auf den ersten Blick zu erkennen, welches Spiel wo übertragen wird.

Bei den Rechten der Champions League ist eine Erklärung erforderlich. Denn hier teilt Sky seine Rechte freiwillig mit DAZN. Sky hat das Recht über die Konferenz, die deutschen Spiele und insgesamt 30 Einzelspiele inklusive Erstwahlrecht. An DAZN wurden 90 Einzelspiele abgetreten, allerdings keine Konferenz. Teil der Kooperation ist auch, dass alle Betreiber einer Sky Sportsbar, die ihr Signal via Satellit erhalten, Zugang zu zwei weiteren HD-Kanälen erhalten. Auf diesen wird das Livesport-Angebot von DAZN ausgestrahlt.

Die für den Zuschauer schwer überschaubare Pay-TV-Landschaft ist seit dem 16. Oktober 2018 in das Visier des Bundeskartellamts geraten. Dieses hat ein Verwaltungsverfahren gegen die Kooperation der Unternehmen Sky Deutschland und Perform Group (DAZN) eingeleitet. Das Verwaltungsverfahren soll überprüfen, ob die Kooperation der beiden Streaming-Dienste rechtskonform ist. Der Pay-TV-Anbieter Sky hat die Ausstrahlungsrechte der UEFA Champions-League bis 2021 erworben, teilt diese jedoch, wie bereits aufgezeigt, mit DAZN. Welchen Ausgang das Verwaltungsverfahren haben wird und welche Konsequenzen für die Pay-TV-Anbieter damit einhergehen, ist bisher ungewiss. "Selbstverständlich kooperieren wir mit der Behörde vollumfänglich und bitten Sie in diesem Zusammenhang um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weitere Stellungnahme dazu abgegeben", teilte der Sender auf Anfrage des Sport-Informations-Dienst mit.

Auch Facebook mischt mit

Eine Tendenz bei der Übertragung ist allerdings schon zu erkennen. Außerhalb von Europa mischen nicht nur Streaming-Portale wie DAZN oder Eurosport mit. In Asien, Lateinamerika und Nordamerika gehen immer mehr Sportrechte an den Social-Media-Giganten Facebook. In Lateinamerika hat Facebook sich jetzt die Rechte für 32 Spiele pro Saison bis 2021 gesichert. Darunter auch das Champions League Finale und den SuperCup. Die Spiele können über die Facebook-Seite der Champions League kostenlos gestreamt werden. Eine kostengünstige Alternative. Doch ob sich Facebook auch in Europa probiert und, wenn ja, in welchem Ausmaß, ist bisher noch nicht absehbar.

Wo das Spiel der Bayern letztendlich heute Abend übertragen wird, lässt sich durch googlen beantworten. Die Thematik rund um die Pay-TV-Anbieter und die damit einhergehenden Ermittlungen des Bundeskartellamts allerdings nicht. Welche Auswirkungen es auf die Fernsehlandschaft rund um den Fußball geben wird, bleibt abzuwarten.