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Leben und Gesellschaft - Fernbeziehung Fernbeziehungen im Wandel der Zeit

Jeder kennt sie und jeder achte Deutsche erlebt sie – die Fernbeziehung. Fernbeziehungen scheinen keine Seltenheit zu sein. Die heutige Kommunikation über das Smartphone hilft den Paaren in Kontakt zu bleiben. Doch wie war die Kommunikation noch vor 30 Jahren?

Zwei verschiedene Kommunikationsmittel: Links Briefe aus DDR-Zeiten, rechts ein Smartphone aus der Gegenwart. (Quelle: Lena Isenberg)

Zwei Frauen und zwei unterschiedliche Jahrzehnte. Wie haben die Paare in diesen Zeiten miteinander kommuniziert? Lena Isenberg hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt und zwei Frauen interviewt, die in verschiedenen Jahrzenten eine Fernbeziehung führen und geführt haben.

2018: Eine Minute zu lange warten

Zwei blaue Häkchen strahlen Ute seit einer guten Dreiviertelstunde ins Auge. Sven hat ihre Nachricht gelesen, aber noch nicht beantwortet. Sie wird von Minute zu Minute ungeduldiger. Vor zehn Minuten war ihr Freund das letzte Mal online. Obwohl Ute heute eine Vorlesung bei ihrem Lieblingsdozenten hat, kann sie sich nur auf eins konzentrieren. Auf ihr Smartphone. Warum antwortet er nicht? Warum ist er online, aber ignoriert mich? Schreibt er womöglich mit einer anderen?

650 Kilometer trennen das Paar. Ute studiert in Görlitz, Sven arbeitet in Varel an der Nordsee. Die beiden sehen sich nur zweimal im Monat – wenn überhaupt. Sie kommunizieren aber mehrmals täglich über WhatsApp. „Durch die Schnelligkeit und die ständige Erreichbarkeit entstehen oft Missverständnisse“, erzählt Ute. „Ich bin eifersüchtig und unruhig, wenn mir Sven nicht sofort antwortet. Wenn wir viel und ausführlich schreiben, bin ich oft gut gelaunt und energiegeladen. Wenn wir nicht so viel Kontakt haben und ich mich gerade nicht ablenken kann, ist es manchmal deprimierend. Andererseits kann ich auch nicht immer sofort antworten. Daher ist mir wichtig, dass ich Smartphone-Pausen einlege und mir bewusst die Zeit für mich, meine Familie und Freunde nehme.“

Wie war nun die Kommunikation vor über 30 Jahren? Papier und Stift statt Smartphone und Internet: Die Geschichte von Frauke Naumann, einer Journalistin, zeigt wie umständlich die Kommunikation in DDR-Zeiten war – nicht nur was die Kommunikationsmittel betraf.

DDR-Zeit: Eine Woche zu lange warten

Frauke und ihr Cousin verliebten sich in DDR-Zeiten ineinander. 300 Kilometer und die Berliner Mauer trennten das ungewöhnliche Liebespaar voneinander. Frauke lebte im Westen in Goslar, er im Osten in Mecklenburg-Vorpommern. Sie konnte nur 40 Tage im Jahr in die DDR reisen. Telefonieren zwischen West- und Ostbewohnern war schwierig, sodass den beiden nur der Briefkontakt blieb.

In seinen drei Jahren Armeezeit hieß es: striktes Verbot zu Westkontakten. Heimlich pflegte das verliebte Paar den Briefkontakt. Naumann schickte die Briefe an ihre Tante in den Osten. Diese steckte das beschriebene Papier in einen DDR-Umschlag, der weiter an den Freund ging. „Früher hatte ich manchmal tagelang Zeit, um mir Gedanken zu machen, was und wie ich Ereignisse, Gedanken und Gefühle ausdrücken möchte“, erzählt Frauke Naumann. „Einen Brief zu schreiben bedeutet, sich im Klaren zu sein über seinen Gefühlsstand und seiner Gedankenwelt.“ Sie erhielt wöchentlich einen Brief von ihrem Freund. „Wenn der Brief länger als eine Woche bis zu unserem Briefkasten dauerte, wurde ich immer hibbeliger.“

Die beiden Beziehungen verdeutlichen, dass wir heutzutage die Smartphone-Kommunikation mehr schätzen, gleichzeitig uns aber nicht von ihr abhängig machen sollten. Wo auch immer die Partnerin oder der Partner auf der Welt sein mag – mit Handyempfang und Internet ist die Kommunikation rasend schnell. Daraus resultiert auch eine gewisse Erwartung, Antworten schnell zu bekommen. So zeigt die Geschichte von Frauke Naumann, dass wir uns und unseren Mitmenschen mehr Antwortzeit geben und aus dem Zwang treten sollten, ständig erreichbar sein zu müssen.