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Leben und Gesellschaft Erlebnis Kino – Der Kampf um die Filmliebhaber

Hier erlebt man Angst und Schrecken, kann sich vor Lachen nicht halten und heult Rotz und Wasser. Die Rede ist von Kinos. Was macht sie so besonders? Und welchen Gefahren stehen ihnen gegenüber?

Kino verbinden viele mit einer Vielzahl von Sinneseindrücken. (Quelle: iStock)

Denken wir an Kino, fallen einem direkt mehrere Dinge ein. Ob es die Auswahl an Filmen ist, der süße Duft des Popcorns oder die großen Säle mit riesigen Leinwänden. Schon als Kind war es ein Highlight, sich mit den Eltern den neuen König der Löwen anzuschauen und das Popcorn zu genießen. Bei einigen ist die Begeisterung bis heute geblieben.

Die Geschichte des Kinos

Mit der bahnbrechenden Erfindung von bewegten Bildern der beiden Gebrüder Lumière, fand am 28. Dezember 1885 die erste öffentliche Kinovorstellung in Paris statt. Die Vorstellung bestand zu jener Zeit aus zehn Filmen, die jeweils etwa 50 Sekunden lang waren. Die lebende Fotografie, wie sie damals genannt wurde, gewann rasch an hoher Beliebtheit und mit der Zeit wurden daraufhin immer mehr Kinos eröffnet. Als Kino galt dabei schon eine Einrichtung, die regelmäßig Filmvorführungen anbot, beispielsweise wenn ein Restaurant regelmäßig Filme vorführte. Mit dem Wachstum und der Entwicklung der Filmproduktion, wurden immer mehr Großkinos eröffnet, eben jene wie wir sie heute kennen. Große Einrichtungen, mit riesigen Sälen und großen Leinwänden, in denen durchschnittlich fast 200 Menschen gleichzeitig einen Film sehen können. Bis in die 1950er Jahre wurden hauptsächlich Schwarzweißfilme vorgeführt. Der Film entwickelte sich dabei von mehreren Kurzfilmen hin zu abendfüllenden Filmen, die in etwa eine Länge von einer Stunde oder mehr aufwiesen. Die Filme entwickelten sich dabei so rasant, dass man den eigenen Großeltern nur schwer glauben kann, wenn diese nostalgisch von ihrem ersten Erlebnis mit Farbfilmen sprechen. Was für unsere Generation und die Generation unserer Eltern ganz normal erscheint, war für unsere Großeltern und viele andere Menschen ein Meilenstein der Filmindustrie und Unterhaltung,. Doch nicht nur die Filmindustrie und die Kinos entwickelten sich weiter, sondern auch die Konkurrenz.

Die Konkurrenz schläft nicht

Die Liste der Kino-Konkurrenten ist lang. Die Existenz der Kinos ist bedroht. Immer mehr Menschen ändern ihr Freizeitverhalten. So erscheint es der Bevölkerung angenehmer zu sein, gemütlich auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, anstatt ins Kino zu gehen. Mit der Erfindung des Fernsehers geriet das Kino erstmals in den 1960er Jahren in eine Krise. Heute – mit der Verbreitung des Internets und des Streaming Angebots von Filmen und Serien – hat sich die Lage weiter verschärft. Netflix, Amazon und Co. sind auf dem Vormarsch und bereiten den Kinobesitzern große Sorgen. Das breite Angebot sowie die im Vergleich teilweise günstigeren Preise führen immer mehr dazu, dass die Menschen sich eher für ein Netflix Abonnement entscheiden als ins Kino zu gehen. Im Vergleich starten die Kosten für ein Netflix-Abonnement bei 7,99 Euro pro Monat mit dem vollen Zugang zur kompletten Film- und Seriendatenbank des Anbieters. Eine Kino-Karte in der Filmpassage in Salzgitter variiert preislich je nach Kondition. Ein Studierender zahlt bei einem aktuellen Kinofilm (Das perfekte Geheimnis) beispielsweise 6.40 Euro. Auch wenn auf dem ersten Blick der Kinopreis günstiger erscheint, ist die Auswahl von Netflix deutlich größer und würde sich somit aus der Sicht des Angebot Faktors mehr lohnen. Dabei ist Netflix nicht der einzige Konkurrent, schon seit Anfang November ist Apple TV Plus hier in Deutschland verfügbar und auch Disney will mit einer eigenen Streamingplattform aufbieten . Disney Plus erscheint bei uns im März 2020. Auch hier werden dann Filme und Serien produziert, die dann ausschließlich auf der Streaming Plattform erscheinen werden. Ein Beispiel dafür wäre die Produktion von verschiedenen Marvel-Serien die exklusiv auf Disney Plus erscheinen würden. Das Marvel-Universum ist mit seinen Superhelden ein sehr beliebtes Genre. Der am 24. April 2019 veröffentlichte Marvel-Film (The Avengers: Endgame) brach viele Film- und Kinorekorde. Seit der Veröffentlichung wurden ca. 2,8 Millionen Kinotickets allein in Deutschland verkauft. Der letzte Film, der hierzulande vergleichbare Zahlen lieferte war „Fack Ju Göthe 3“ mit 2,17 Millionen verkauften Eintrittskarten im Jahre 2017. Trotz derartiger Zahlen kämpfen die Kinos täglich um ihre Existenz. Ich finde, dass es schlichtweg zu wenig hochqualitative und interessante Filme gibt, die die Menschen in die Kinos lotsen, wie es bei den Marvel- oder Star Wars-Filmen der Fall ist.

Kinos in der Krise

Eine Folge dessen – so auch schon zu Zeiten der Kino-Krise in den 1960er Jahren –  ist die Schließung verschiedener Kinos. Davon betroffen sind hauptsächlich familiengeführte Kinobetreiber. Trotz der sinkenden Anzahl an Spielstätten, stieg jedoch die Anzahl an Sitzplätzen und Kinosäle. Ein Grund dafür war die Einführung von Großkinos, immer mehr Menschen konnten gleichzeitig einen Film sehen. Seit dem Jahr 2013 stieg so die Anzahl an Kinosälen, während die Anzahl an Kinospielstätten sank.  Heutzutage gibt es 1.672 Kinos in Deutschland mit über 4849 verschiedenen Leinwänden. Die Anzahl der Kinos variierte in den letzten zehn Jahren zwar nur um 72, jedoch gingen die Besucherzahlen allmählich zurück. Das Jahr 2018 war dabei das schlechteste Jahr für die Kinobetreiber seit 1992. 2018 verbuchte man eine Anzahl von 105,4 Millionen Kinobesuchern, im Vorjahr zählte man 122,3 Millionen Besucher, damit wurden 13,9 Prozent weniger Tickets verkauft als zuvor. Als einen möglichen Grund für die Einbußen, stehen unter anderem die Konkurrenten aus der Streaming- Branche und die Fußball WM 2018 in Russland. So sank der Umsatz 2018 um etwa 150 Millionen Euro auf 899,3 Millionen Euro. Um mit der Konkurrenz mithalten zu können und dem Negativtrend entgegen zu wirken, fielen den Kinobetreibern verschiedene Ideen ein.

Das hat Kino noch zu bieten

Das Kino durchlebte durch die stetige Konkurrenz schon in der Vergangenheit viele verschiedene Formen. Mit am bekanntesten ist dabei das Autokino. Riesige Parkplätze bestückt mit einer großen Leinwand und einem Platz für teilweise über 20 Fahrzeugen, bei denen man anschließend einen Film im eigenen Auto genießen konnte. Außerdem gab es wie schon erwähnt die Großkinos, die immer mehr an Bedeutung gewannen. Kinoketten wie das Cinemaxx oder Cinestar eröffneten in Deutschland, um den Filmliebhabern ein einmaliges Filmerlebnis bieten zu können. Das im Jahre 2014 eröffnete ASTOR Grand Cinema in Hannover und das neue Astor Filmtheater in Braunschweig legen dabei nochmal einen besonderen Wert auf die Architektur und das Ambiente der Wirkungsstätte. So sollen die Gäste im Stil der großen 1950er Kinojahre einen einmaligen Kinobesuch erleben. Um die Zuschauer weg von den Sofas zu kriegen und in die Kinos zu locken, wird dabei ein sehr großer Wert auf das Erlebnis gelegt. Dabei wird stetig an der Technik in den Kinos gefeilt. Mit der Entwicklung von 3D-Filmen sollte der Zuschauer noch intensiver im Filmgeschehen einbezogen werden. Gleiches gilt für das sogenannte Dolby Atmos oder vergleichbare Soundsysteme. Systeme, die aufgrund von stärkeren Bässen und klaren Klängen den Zuschauer fesseln sollen. Zusätzlich wurde mit der Zeit die Bildschirmauflösung immer schärfer, sodass man bei 4K-Filmen jedes Detail hochauflösend mitverfolgen kann. Des Weiteren versuchen die Kinobetreiber sich gegenseitig einen Vorteil zu anderen Betreibern zu verschaffen, indem sie entweder ihren Service optimieren oder die Räumlichkeiten komfortabler gestalten. Trotz alldem gehen die Besucherzahlen weiter zurück. Kinobetreiber sind gezwungen zu weiteren Mitteln zu greifen. Das Cinemaxx bietet beispielsweise die eine durchgehende Senkung der Ticketpreise an. „Jeden Tag, jeder Film 5,99 Euro“, sollen die Filmliebhaber in die Kinosäle locken. Dazu gibt es zusätzliche Sparangebote bei der Verpflegung im Kino. Andere Kinobetreiber stehen der Aktion kritisch gegenüber. So wird es für lokale Kinos immer schwerer mit den Kettenkinos mitzuhalten. Sie müssen um ihre Existenz bangen. Es bleibt abzuwarten, wie die Zukunft des Kinos weiter verlaufen wird, welche weiteren Neuerungen und Technologien sie mit sich bringt und, ob man sich weiterhin in Großkinos die Blockbuster von morgen anschauen wird, sich die Art des Kinos erneut wandelt und welche Bedeutung dabei Streaming-Dienste spielen werden. Fest steht jedoch, dass das Kulturgut des Kinos stark von seinem Publikum abhängt und die Besucher einen maßgeblichen Einfluss auf die Zukunft der deutschen Kinos haben.