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Leben und Gesellschaft - Endometriose, Krankheit, Frauen Endometriose - der Feind in meinem Körper

Endo- was? Obwohl Endometriose eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen ist, wird oft eine Fehldiagnose gestellt. Für Betroffene bedeutet dies meistens qualvolle Schmerzen und unter Umständen sogar ungewollte Kinderlosigkeit.

Jede zehnte Frau in Deutschland ist von Endometriose betroffen. (Quelle: Frederike Hagedorn)

Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen weltweit. Jede zehnte Frau erkrankt zwischen der Pubertät und den Wechseljahren an chronischer Endometriose. Schätzungen zufolge gibt es jedes Jahr in Deutschland rund 40.000 Neuerkrankungen. Trotz der weiten Verbreitung ist die Krankheit relativ unbekannt und immer noch unheilbar. Die Symptome der Endometriose werden häufig als einfache Regelschmerzen bagatellisiert. Im Durchschnitt wird die chronische Erkrankung erst nach fünf bis sechs Jahren diagnostiziert, da sie sich in vielen unterschiedlichen Formen bemerkbar macht und dadurch oft fehldiagnostiziert wird. Bisher wurde keine handfeste Ursache, sondern nur Theorien für die Entstehung der gutartigen Wucherungen aufgestellt.

Was ist Endometriose?

Bei Endometriose bildet sich gebärmutterschleimhautartiges Gewebe außerhalb des Endometriums (innere Höhle der Gebärmutter). Typische Ansiedlungspunkte solcher Endometrioseherde sind zum Beispiel im Bauchraum um die Gebärmutter herum. Es können die Eileiter, Eierstöcke, Blase, die Wand der Gebärmutter, der Magen-Darm-Bereich oder auch das Bauchfell befallen sein. In Ausnahmefällen bilden sich Herde auch außerhalb des Bauchraums.

Wie auch die innere Schicht der Gebärmutter reagieren die Endometrioseherde außerhalb der Gebärmutter auf die Hormone während des Menstruationszyklus. Durch Hormone, wie zum Beispiel Östrogen bereiten sie sich auf die Einnistung eines befruchteten Eis vor. Ist das Ei nicht befruchtet, wird die endometriale Schicht sowohl in der Gebärmutter als auch auf den Endometrioseherden abgestoßen und die Periodenblutung beginnt.

Der Unterschied zwischen den Endometrioseherden und der Gebärmutterschleimhaut in der Gebärmutter liegt darin, dass die endometriale Schicht auf den Herden während der Monatsblutung nicht über die Scheide abfließen kann. Das Blut wird nur sehr langsam verarbeitet, wodurch sich Zysten im Bauchraum bilden. Diese sogenannten Schokoladenzysten sind mit altem Blut gefüllt und müssen operativ entfernt werden.

Eindeutige Symptome gibt es nicht

Endometriose wird auch das Chamäleon der Gynäkologie genannt, da die Symptome von Frau zu Frau sehr variieren können. Manche Frauen haben starke Beschwerden, andere leiden kaum unter der Erkrankung. Dadurch können die Herde auch unbemerkt bleiben.

Zu den primären Symptomen zählen oft extreme Schmerzen während oder vor der Periode, beim Geschlechtsverkehr und Schmerzen im Kreuz, Unterbauch oder den Beinen. Außerdem äußert sich Endometriose bei vielen Frauen in ungewollter Kinderlosigkeit. Bei vermehrten Herden und starken Verwachsungen am Eierstock oder den Eileitern, kann der Eileiter verklebt oder in seiner Beweglichkeit eingeschränkt sein, wodurch es zu Eileiterschwangerschaften oder unerfülltem Kinderwunsch kommen kann.

Weitere Symptome sind Blut im Urin oder im Stuhlgang und Schmerzen beim Toilettengang. Darüber hinaus kann es zu Menstruationsstörungen und in manchen Fällen auch zu Dauerschmerzen kommen. Diese treten meistens bei einer Schädigung des Gewebes oder wiederholten Reizungen durch nicht abfließendes Blut auf.

Die Symptome können sowohl zyklusabhängig als auch zyklusunabhängig auftreten. Außerdem hängt die Intensität und Häufigkeit der Beschwerden nicht zwangsläufig mit der Ausdehnung der Erkrankung zusammen, wodurch eine weit fortgeschrittene Endometriose manchmal erst spät erkannt wird.

Da man bei dieser chronischen Erkrankung weder von typischen noch charakteristischen Symptomen sprechen kann, kommt es häufig zu Fehldiagnosen. Viele Frauen denken auch, dass beispielsweise die starken Schmerzen während der Regelblutung normal seien und gehen deswegen gar nicht erst zum Arzt. Hinzu kommt, dass in vielen Fällen die extremen Regelschmerzen sowohl von Familienmitgliedern und Freunden als auch von Ärzten bagatellisiert und nicht ernst genommen werden. Meistens ist letztendlich der nichterfüllte Kinderwunsch der Moment, in dem Ärzte und Angehörige aufmerksam werden.

Der Weg zur Diagnose

Der Weg zur Diagnose ist nur in Ausnahmefällen so kurzweilig wie bei Silke. Durchschnittlich vergehen fünf bis sechs Jahre bis zur endgültigen Diagnose. Gründe dafür sind die nicht charakteristischen Symptome, die Unwissenheit über die Krankheit unter Frauen und auch unter Ärzten sowie die aufwendige Diagnostik. Für 100-prozentige Sicherheit, ob die Symptome durch eine Endometriose bedingt sind, muss eine Laparoskopie, also eine Bauchspiegelung durchgeführt werden. Hierbei werden bei einem operativen Eingriff dünne Instrumente durch mehrere kleine Hautschnitte in den Bauchraum eingeführt. Mit Hilfe dieser Instrumente können der Bauchraum und die Organe untersucht werden. Wenn abnormales Gewebe gefunden wird, entnimmt der Chirurg eine Gewebeprobe. Erst nach der Untersuchung der Gewebeprobe hat man Sicherheit über die Diagnose.

Es handelt sich um einen minimalinvasiven Eingriff, dennoch wird es oftmals herausgezögert, sich der Operation zu stellen, da – wie jeder operativer Eingriff – auch dieser Risiken mit sich bringt. Vor allem bei jungen Frauen wird der operative Eingriff vorerst nicht durchgeführt, sondern nach einer ausführlichen Anamnese zunächst eine gestagenbetonte Pille verschrieben. Denn selbst nach Sicherung der Diagnose ist die Einnahme einer gestagenbetonten Langzeitpille in den meisten Fällen die vorgesehene Therapie. Das Gestagen in der Pille unterdrückt die Östrogenproduktion, wodurch die Bildung und die Stimulation der Herde verhindert wird. Wenn durch die Pille allerdings keine Verbesserung erkennbar ist, ist eine Operation vor allem bei massiven Beschwerden und im Ultraschall sichtbaren Zysten wichtig.

Letztendlich sind Betroffene oft erleichtert die finale Diagnose zu erhalten, da es endlich Gewissheit über die Symptome und Beschwerden gibt.

Pille, OP oder künstliche Wechseljahre

Um eine Endometriose einzudämmen gibt es mehrere Behandlungswege. Vor der Behandlung ist es wichtig, sich bewusst zu machen, was einem wichtig ist. Für viele Frauen steht der Kinderwunsch oder auch ein schmerzfreier Alltag im Mittelpunkt. Dementsprechend kann ein Therapieplan erstellt werden, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Eine Möglichkeit, um Endometriose zu behandeln, ist eine Hormontherapie, die die Frauen vorübergehend in die vorzeitigen Wechseljahre versetzt. Dadurch kommen die Herde komplett zur Ruhe. Diese Behandlung wird häufig bei sehr schweren Fällen der Endometriose gewählt und bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. Allerdings ist der rapide Umschwung in die Wechseljahre für viele Betroffene sehr unangenehm. Frauen haben dann die klassischen Symptome der Wechseljahre, wie zum Beispiel Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen. Diese Behandlung wird meistens für drei bis sechs Monate fortgeführt, um alle Herde bestmöglich einzudämmen. Danach besteht die Chance einer Schwangerschaft.

Auch eine Schwangerschaft kann als Therapie gegen Endometriose gewählt werden. Denn während dieser neun Monate besteht eine Hormonkonstellation, die die Herde gut austrocknen lässt. Nach der Schwangerschaft und bei einem Nicht-Kinderwunsch wird die Einnahme einer gestagenbetonten Pille empfohlen. Alternativ zur Pille kann auch die Hormonspirale mit erhöhtem Gestagenanteil gewählt werden. Dieser Behandlungsweg eignet sich vor allem für Frauen, die gebärmutternahe Endometriose haben.

Schwanger trotz Endometriose?

Silke ist drei Mal auf natürlichem Weg schwanger geworden. Nach der ersten Schwangerschaft (2002/2003) ging es ihr gut, bis es 2007 zu einem Rückfall kam. Nach weiteren Behandlungen ist sie 2009 schließlich ein zweites Mal schwanger geworden. 2013 erfüllte sich dann der dritte Kinderwunsch.

 

Vielen Betroffenen wird eine gestagenbetonte oder eine reine Gestagen-Pille verschrieben, wie zum Beispiel die Visanne. Das Gestagen unterdrückt die Östrogenproduktion in den Eierstöcken, sodass die Herde nicht mehr stimuliert werden und zur Ruhe kommen. Diese Pille nimmt man im Langzeitzyklus, sodass eine Neubildung der Herde möglichst vermieden wird.

Zur Behandlung von großen Zysten oder bei massiven Beschwerden muss meistens eine Operation in Erwägung gezogen werden. Hierbei werden im besten Fall alle Herde und Zysten entfernt. Danach folgt eine hormonelle Therapie, um die Entwicklung neuer Herde möglichst gering zu halten. Die Behandlung einer Endometriose ist also so individuell, wie die Krankheit selbst und muss von Patientin zu Patientin neu entschieden werden.

Austausch und Unterstützung

Gegenseitige Unterstützung und der Austausch über Erfahrungen kann helfen einen Umgang mit der Endometriose zu finden. In Braunschweig gibt es seit dem Sommer 2018 eine Selbsthilfegruppe, wo sich Frauen jeden dritten Sonntag im Monat treffen und über ihre Erkrankung sprechen. Bei solchen Selbsthilfegruppen ist jede Frau willkommen, egal ob sie vermutet Endometriose zu haben, oder schon die finale Diagnose hat.