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Leben und Gesellschaft - Igel, Natur, Artenschutz Deutschlands Igel in Gefahr?

Der Igel nennt Europa schon seit 40 Millionen Jahren sein Zuhause. Bislang hatte er dort gute Lebensbedingungen und einen weiten natürlichen Lebensraum. Jedoch könnte sich das nun schlagartig ändern. Mit welchen Gefahren der Igel konfrontiert ist und wie versucht wird zu helfen, erfahrt ihr hier.

Zu Besuch im Igelzentrum Laatzen: Hier werden hilfsbedürftige Igel gepflegt und wieder ausgesetzt. (Quelle: Tom Treppner)

Im Herbst sind Igel besonders gefährdet. Denn in dieser Jahreszeit sind sie auf Futtersuche, um sich den nötigen Winterspeck für den alljährlichen Winterschlaf anzufuttern. Der Großteil ihrer Nahrung besteht aus Insekten, welche sie besonders häufig in Gärten und Grünanlagen suchen. Hier leben die meisten der in Deutschland anzutreffenden Braunbrustigel. Sie verbringen also den größten Teil ihres Lebens in von Menschen gemachter Umgebung. Es zieht sie immer öfter in die Städte und Siedlungsgebiete. Dadurch entstehen Probleme für die Igel, denn im Garten lauern viele Gefahren, denen die Igel sonst nicht ausgeliefert wären. Laubsauger können sie einsaugen und den Tieren durch ihr Gebläse einen qualvollen Tod bereiten. Sobald sie den Garten verlassen, krabbeln sie häufig auf die Straße, wo Autos sich viel schneller bewegen als Igel weglaufen könnten.

Laut Forschungen der deutschen Wildtierstiftung werden in Deutschland jährlich etwa eine halbe Million Igel von Autos überfahren. Jedoch schaffen es nicht alle Igel bis auf die Straße, denn gerade in Deutschland sind viele Gärten so eingezäunt, dass ein Entkommen für die kleinen Tiere schier unmöglich ist. Selbst wenn Igel hier überleben, sind sie durch die viel zu geringe Gendurchmischung bei der Fortpflanzung bedroht. Missbildungen sind die Folge, durch die der Igel sterben kann. Außerdem wird in vielen Gärten, Gift gegen Schädlinge wie beispielsweise Schnecken eingesetzt. Das Problem dabei: Auch für Igel sind diese Substanzen giftig.

Um Igeln dennoch zu helfen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einige davon erklärt Karolin Schütte, Tierärztin im Igelzentrum Laatzen der Aktion Tier im Interview mit Campus38.

 

Damit die Igel allerdings gar nicht erst ihren Weg ins Igelzentrum finden müssen, kann man selbst schon einiges tun, um Igeln den Tag zu erleichtern und ihnen einen Lebensraum zu bieten. Da Igel als sogenannte „Kulturfolger“ den Menschen in ihre Gärten folgen, ist es wichtig, dass wir diese so gestalten, dass Igel darin eine Chance haben, zu überleben. Besonders ungünstig für Igel sind zu ordentliche Gärten. Dagegen hilft, im Herbst an einigen Stellen das Laub nicht weg zu haken oder den Laubhaufen im Garten liegen zu lassen. Auch kleine Futterstellen können für die Igel gebaut werden, damit sie gut über den Winter kommen.

Steckbrief Braunbrustigel

Höhe: bis zu 20 Zentimeter

Länge: bis zu 30 Zentimeter

Feinde: Uhu, Dachs, Fuchs, Mader

Futter: Insekten, kleine Vögel und deren Eier, Wirbellose (z.B. Schnecken) und Kleinsäuger (z.B. Mäuse)

Mögliches Alter: bis 7 Jahre

Gewicht: zwischen 350 und 1500 Gramm

Ein weiteres Problem ist, dass die Igel nicht die einzigen Wildtiere sind, die den Menschen in die Städte und Siedlungen folgen. In den letzten Jahren häufen sich auch die Sichtungen von Großwild. Wildschweine, Wölfe und viele Füchse, also Fressfeinde des Igels, verlieren die Furcht vor den Menschen. Sie bahnen sich ihren Weg durch die Straßen und können Igeln an viel ungeschützteren Stellen als beispielsweise im Wald auflauern. Doch warum zieht es trotz der Gefahren so viele Igel in menschliche Siedlungsgebiete? Was ist mit ihrer ursprünglichen Heimat passiert? Igel bewohnen immer häufiger Gärten und Parks, da ihr natürlicher Lebensraum zunehmend verschwindet. Durch den Ackerbau werden Landschaftsflächen in Deutschland immer mehr vom Menschen in Anspruch genommen. Ursprünglich lebten Igel, wie viele andere Wildtiere auch, in Buschlandschaften und an Waldrändern. Zwischen den Feldern wird aber immer weniger Platz gelassen, auf dem sich die Natur frei entfalten könnte, da der Boden landwirtschaftlich möglichst effektiv genutzt werden soll. Das wird auch dadurch begünstigt, dass der Igel nicht auf die Liste „planungsrelevanter Arten“ aufgenommen wird, in der Tiere festgelegt sind, die in der Landschaftsplanung berücksichtigt werden müssen. Laut des Bischof-Sproll-Bildungszentrums sind heute 90 Prozent der Landschaft in Mitteleuropa von Menschenhand gemacht. Auch die restlichen zehn Prozent werden nur als „halbnatürliche“ Ökosysteme beschrieben, da auch hier der Mensch ständig Einfluss nimmt.

Dennoch gibt es Ansätze zum Schutz: Niedersachsen hat den Igel auf eine Liste zum „besonderen Schutz“ genommen. Bayern stuft den Igel sogar auf die Vorwarnliste der Roten Liste, welche vorm Aussterben bedrohte Tierarten auflistet, wie Schütte im Interview bestätigt. Der Igel hat eine lange Geschichte hinter sich. Seit über 40 Millionen Jahren siedelt er in Europa. Hier herrscht das perfekte Klima für ihn. Durch seine sechs- bis achttausend Stacheln kann der Braunbrustigel sich optimal vor seinen Fressfeinden schützen. Wittert er Gefahr, rollt er sich zu einer Kugel zusammen und schützt so seinen Körper. Somit wird jeglicher Angriffsversuch für andere Tiere wie zum Beispiel Füchse sehr schmerzhaft und sie suchen nach anderem Futter. Igel sind zudem nachtaktiv und schlafen den ganzen Tag in ihren Nestern. Außerhalb ihrer Paarungszeit von April bis August leben die Igel allerdings eher als Einzelgänger und gehen anderen Igeln weiträumig aus dem Weg.

Durch Auffangstationen wie dem Igelzentrum Laatzen kann Igeln geholfen werden, die es sonst nicht durch den Winter schaffen würden. Damit es die Tiere, die in unseren Gärten wohnen, leichter haben, kann jeder selbst Gutes tun und beispielsweise Laub liegen lassen.