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Leben und Gesellschaft - schwarzer Humor Der schwarze Humor im Internet

Ein Video-Blog, ein Meme, eine Liedzeile. Auch in sozialen Netzwerken werden wir mit schwarzem Humor konfrontiert. Doch gehen wir im Internet anders damit um, als im realen Leben? Ein Kommentar von Philipp Nienhaus.

Schwarzer Humor begegnet uns auch im Internet immer wieder. (Quelle: Pixabay/athree23)

Das Internet: Ein Ort, an dem schwarzer Humor einen hohen Anklang findet. Vielleicht gerade wegen der (vermeintlichen) Anonymität. Foren wie 9Gag oder Reddit, aber auch YouTube, sind voll von makaberen Anekdoten, Memes und Videos.

Eines der prominentesten Beispiele der deutschen YouTube-Szene ist sicherlich JuliensBlog. Der Kanal besteht seit 2011 und erfreut sich, mit 1,3 Millionen Abonnenten, hoher Popularität. Gegenstand der Videos von Julien Sewering ist meist schwarzer Humor, egal ob es sich um ein Meinungsvideo oder Report handelt. Laut eigenen Angaben ist sein Humor so schwarz, er könnte Baumwolle pflücken. Ein anderer Vorfall, der im letzten Jahr durch die Medien ging, war die Debatte rund um das Rap-Duo Kollegah und Farid Bang. Es ging um eine Zeile des Liedes 08/15 der beiden Muskelprotze, welche Bundesweit einen Aufschrei auslöste: „Mein Körper definierter als von Ausschwitz-Insassen“.

Zeilen dieses Kalibers sind im Internetkosmos keine Seltenheit. Memes, die sich rund um den Holocaust, Apartheit oder Terroranschläge drehen, gibt es zuhauf. Diese Memes finden aber in den seltensten Fällen Zugang zur realen Welt. Nicht mal das Wort Meme findet außerhalb des Internets Anwendung. Hier zeigt sich ein Zwiespalt auf: Die Zeile von Farid Bang und Kollegah fand über die Echo-Verleihung ihren Weg in die Öffentlichkeit. Die beiden gewannen im letzten Jahr den Echo für das beste Rap-Album. Und auf einmal gab es einen Aufschrei: Wie kann man sich darüber nur lustig machen? Wie kann man dieser Thematik nur anders als mit todernster Sachlichkeit begegnen? Und das auch noch in Deutschland! Was folgte war eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen die beiden Rapper und sogar der Echo wurde abgeschafft (!). Zu groß war der öffentliche Druck. Es wurde der Öffentlichkeit ja beigebracht, dass das nicht lustig sei. Satire besteht durchaus, Jan Böhmermann im Öffentlich-rechtlichen übt sich auch an ironischem Schabernack. Aber bei schwarzem Humor wird es kritisch. Man kann den Rappern jedoch nicht ernsthaft Antisemitismus vorwerfen. Vor allem Kollegah besticht durch Weltoffenheit und ruft in Texten zur Einigkeit zwischen Religionen auf.

Lässt sich die hohe Toleranz für schwarzen Humor im Internet auch mit der Altersgruppe der Nutzer begründen? Böhmermanns Satire ist selten schwarz, eher kritisch. Interessant, wenn man bedenkt, dass die sich an jüngere Zuschauer richtende Sendung auf einem Kanal läuft, dessen Zuschauer im Schnitt 60 Jahre alt sind. Schwarzer Humor scheint einfach bei jüngeren Menschen besser anzukommen als bei älteren. Er wirkt wie ein Jugendphänomen. Einige Internetgrößen stellen sich auch dagegen. In League of Legends, einem der populärsten Computerspiele, erhält man eine Zeitstrafe, sollte das System den Gebrauch des Kürzels kys (kill yourself) erfassen. Ob man ein Freund von schwarzem Humor ist oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Auch JuliensBlog hatte schon mit Klageschriften zu kämpfen. Vor allem wenn es um Antisemitismus und speziell den Holocaust geht, gerät man in Deutschland schnell in die Bredouille. Bevor das hier passiert, schließe ich diesen Beitrag also besser mit den Worten: Jedem das Seine.